Blockzeiten auf dem Vormarsch

WEINFELDEN. Im Thurgau sollen die Blockzeiten eingeführt werden. Dazu muss das Volksschulgesetz geändert werden. Das Geschäft sorgte für einige Diskussionen. Die erste Lesung wird an der kommenden Sitzung beendet.

Stefan Borkert
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Länger spielen: Auch die Kleinen sollen morgens dreieinhalb Stunden im Kindergarten unterrichtet werden. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Länger spielen: Auch die Kleinen sollen morgens dreieinhalb Stunden im Kindergarten unterrichtet werden. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Eigentlich ist es nur eine kleine Revision des Volksschulgesetzes, die der Grosse Rat gestern beraten hat. Nur gerade zwei Paragraphen sollen geändert werden. Doch die haben es in sich. Die Sitzungsdauer an der Wega-Sitzung reichte zum Abschluss der ersten Lesung nicht aus. Die Einführung von Blockzeiten hatte zwar generell nur einige SVP-Vertreter und die EDU als Gegner, doch wie so oft steckt der Teufel im Detail. Als dieses Detail stellte sich die Dauer der Blockzeiten heraus.

Positive Erfahrungen

Schon in der Eintretensdebatte hatte Madlen Neubauer (CVP, Erlen) angekündigt, dies sei ein bedeutender Tag für die CVP Thurgau. Erfahrungen in einzelnen Gemeinden im Thurgau, aber auch in anderen Kantonen hätten gezeigt, dass Eltern, Lehrer und auch die Kinder von Blockzeiten profitieren. Heute sei deshalb der Tag, an dem ein weiterer Baustein für einen familienfreundlichen, attraktiven und modernen Kanton gelegt werden könne.

Regula Streckeisen (EVP, Egnach) sagte, die eigentliche Knacknuss an dieser Vorlage sei die Dauer der Blockzeiten. Berufstätige Mütter würden sich lange Blockzeiten wünschen. Vollzeitmütter hingegen sähen das kritischer. Die EDU, sagte sie, sei gegen Eintreten, weil dort die Meinung vorherrsche, dieses Problem solle der Bund lösen. Erna Claus (FDP, Bottighofen) sagte, sie habe als Kindergärtnerin positive Erfahrungen mit Blockzeiten gemacht. Auch eine Dauer von dreieinhalb Stunden sei für kleine Kinder vertretbar. Ebenso wie andere Befürworter betonte sie, man nehme die Zusatzkosten in Kauf. Pensenerhöhungen seien notwendig.

Fabienne Schnyder (SVP, Zuben) forderte ebenfalls die neuen Blockzeiten. Diese würden berufstätigen und nichtberufstätigen Müttern entgegenkommen. Das gebe der Familie klare Strukturen. Eine grosse Mehrheit der SVP unterstütze deshalb die Blockzeiten. Seit Jahrzehnten setzt sich die SP für ein solches Modell ein. Christa Thorner (SP, Frauenfeld) sagte, die SP sei klar dafür. Sie favorisiere zwar eine dreieinhalbstündige Dauer, könne sich aber auch mit der Kommissionsfassung von drei Stunden einverstanden erklären.

14 haben schon drei Stunden

Beat Imhof (GP, Balterswil) wies darauf hin, dass die Blockzeiten aus einer gesellschaftlichen Veränderung heraus notwendig seien. Das Mutterbild habe sich geändert. Andrea Vonlanthen (SVP, Arbon) hingegen sagte, in 82 der 86 Thurgauer Schulgemeinden gebe es schon Blockzeiten, weshalb die Vorlage eigentlich überflüssig sei Ausserdem seien die Blockzeiten pädagogisch fragwürdig und zu teuer. Die Vorlage sei schlicht unnötig.

Demgegenüber klärte Kommissionspräsidentin Anita Dähler (CVP, Mammern) auf, dass die meisten Schulgemeinden nur zwei Stunden hätten. Gehe man auf drei Stunden, dann wären das nur noch 14 Thurgauer Schulgemeinden. Monika Knill, Chefin des Departements für Erziehung und Kultur, befürwortete ebenfalls klar die Blockzeiten. Sie wolle aber den Schulbeginn am Morgen nicht in das Gesetz schreiben. Mit einer verkürzten Übergangsfrist von 6 Jahren (Regierungsbotschaft) auf drei (Kommission) könne sie auch leben und werde keinen entsprechenden Antrag stellen.

Dreieinhalb Stunden fest

In der Detailberatung stellte schliesslich die EVP/EDU-Fraktion den Antrag, die Blockzeiten auf drei Stunden zu legen. Seitens der CVP/GLP-Fraktion wurde hingegen der Antrag auf eine Dauer von dreieinhalb Stunden gestellt. Am Schluss obsiegte der Antrag der CVP/GLP mit 59 zu 50 Stimmen. Dieser Antrag setzte sich auch mit 62 zu 46 gegenüber der Kommissionsfassung durch.

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