Blauhelme vor der Turnhalle

Die Fronten verhärten sich. Anonyme Briefe, offene Briefe, Leserbriefe. In Tobel-Tägerschen wird derzeit viel geschrieben. Einzig Liebesbriefe werden nicht verschickt. So richtig lieb scheint sich in der Gemeinde niemand mehr zu haben.

Olaf Kühne
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Die Fronten verhärten sich. Anonyme Briefe, offene Briefe, Leserbriefe. In Tobel-Tägerschen wird derzeit viel geschrieben. Einzig Liebesbriefe werden nicht verschickt. So richtig lieb scheint sich in der Gemeinde niemand mehr zu haben. Hätte die Front bloss einen klaren Verlauf, die vertrackte Situation wäre einfach zu entspannen. Eine entmilitarisierte Zone zwischen Tobel und Tägerschen, Korea macht's vor. Blauhelme wären nicht nötig, der Zivilschutz Hinterthurgau würde reichen. Doch der Graben ist kein geographischer. Die Pro- und Contra-Stäheli-Fraktionen stehen sich gegenüber. Allesamt besorgte Bürger. Die Demarkationslinie verläuft also mitten durch die Gesellschaft. Kommunizierten die verfeindeten Lager bis anhin mittels mehr oder weniger anonymer Flugblätter miteinander, treffen sie am Montag aufeinander. Der Restgemeinderat lädt zur Aussprache in die Turnhalle. Die Heckenschützen dürften ihre Magazine bereits abspitzen. Zum Schutz der besorgten Bürger wären wohl doch Blauhelme angezeigt. Eine Art fremde Richter zwar, da die SVP in Tobel-Tägerschen aber keine Ortspartei unterhält, dürfte das niemanden weiter stören.

olaf.kuehne@thurgauerzeitung.ch