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Bitter nötige hundert Prozent

Diskussionslos hat der Gemeinderat im Budget 2018 eine Stellenerweiterung für die Sozialen Dienste abgesegnet. Aufgrund der Dringlichkeit hatte der Stadtrat die Vollzeitstelle bereits im Sommer 2017 bewilligt.
Mathias Frei
Der Eingangsbereich des städtischen Amts für Soziale Dienste an der Rheinstrasse 6. (Bild: Andrea Stalder)

Der Eingangsbereich des städtischen Amts für Soziale Dienste an der Rheinstrasse 6. (Bild: Andrea Stalder)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Die neue Stelle bei den Sozialen Diensten zeigt Wirkung. Zahlen belegen dies. Neue Stelle? Normalerweise ist der Gemeinderat scharf wie ein Bluthund, wenn es um neue Stellen in der Stadtverwaltung geht. Als aber in der Beratung des Budgets 2018 eine neue Vollzeitstelle für die Sozialen Dienste anstand, gab es keinerlei Diskussionen. Weil die Stellenerweiterung dringend nötig und bereits vergangenen Sommer umgesetzt worden war, wie Stadträtin Christa Thorner als Departementsvorsteherin Gesellschaft und Soziales erklärt.

Die Belastung der Mitarbeiter der Sozialen Dienste hatte in den vergangenen Jahren stetig zugenommen (siehe Tabelle). Die Fallzahlen pro Vollzeitstelle lagen zuletzt weit über dem national empfohlenen Richtwert. «Wir wollen keine Stellen auf Vorrat schaffen», sagt Thorner. Doch irgendwann war der Punkt erreicht, an dem es ohne Stellenerweiterung nicht mehr ging. Das war vergangenen Frühling. Ende Mai beschloss der Stadtrat die Stelle, «um dem gesetzlichen Auftrag von Berufsbeistandschaft und Sozialhilfe sachgerecht nachkommen zu können und um die Gesundheit der Mitarbeitenden zu erhalten». Auch die Geschäftsprüfungskommission Gesellschaft und Gesundheit stand hinter dem Stadtratsbeschluss. Die zusätzlichen 100 Prozent wurden auf die zwei Abteilungen verteilt. Es gehe nicht darum, auf eine neue Vollzeitstelle zu fokussieren, sagt Turi Schallenberg, Amtsleiter Soziale Dienste. Er müsse um das ganze Amt besorgt sein, damit alle Mitarbeiter ihre Aufgaben richtig und gut erfüllten.

Trotz der zusätzlichen Lohnkosten 2017 wird der Abschluss der Sozialen Dienste im Budget bleiben. «Uns ist wichtig, die finanziellen Vorgaben einzuhalten», sagt Schallenberg. Und die Stellenerweiterung wirkt sich bereits nach einem guten halben Jahr positiv aus. In beiden Abteilungen sind die Fallzahlen pro Mitarbeiter gesunken. Bei der Berufsbeitstandschaft liegt man sogar im Rahmen des Richtwerts. Was Schallenberg auch freut: Die Krankheitstage seiner Mitarbeiter sanken 2017 auf 112 Tage – von über 170 in den Vorjahren.

Sinnvolle Fallbelastung ermöglicht Einsparungen

Indem die Fallbelastung pro Mitarbeiter auf ein normales Mass sinkt, sind mittelfristig sogar Einsparungen möglich, sinken also die Nettokosten. Das geht aus einer vergangenen Herbst veröffentlichten Studie hervor der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur im Auftrag der Stadt Winterthur. So sinken die Kosten pro Fall, zudem nimmt die Unterstützungsdauer pro Fall ab. Der ZHAW-Bericht empfiehlt in der Sozialhilfe 75 Fälle pro Vollzeitstelle. Die Stadt Frauenfeld richtet sich nach dem nationalen Richtwert von 80 Fällen.

Die Entwicklung der Fallzahlen-Belastung ist ein langjähriges Thema. Laut Stadträtin Thorner werden die Fälle immer aufwendiger in der Bearbeitung. Die zunehmende Komplexität ist bei der Berufsbeistandschaft ausgeprägter als bei der Sozialhilfe. Bereits früher haben die Sozialen Dienste auf diese Entwicklung reagiert. So wurde im Rahmen des Stellenplans kurzfristig Entlastung geschaffen, indem ehemalige Auszubildende und Mitarbeiter temporär für Spezialaufträge angestellt wurden. Weiter wurde eine Teilspezialisierung eingeführt, um die Fallführungsprozesse zu verbessern. Und nicht zuletzt war auch die 2016 eingeführte papierlose Aktenführung ein wichtiger Schritt.

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