Bitte endlich leise sein!

Wenn Hähne krähen und Hunde bellen, gibt es schnell Streit unter Nachbarn. Auch Musik und Gegröle rauben manchem Thurgauer die Nerven. 960mal im Jahr wird die Polizei wegen Ruhestörung aufgeboten. Eine Tour d'Horizon durch unseren lärmigen Kanton.

Inge Staub
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Stören den Schlaf in der Nacht: Kirchenglocken. (Archivbild: Carmela Odoni)

Stören den Schlaf in der Nacht: Kirchenglocken. (Archivbild: Carmela Odoni)

FRAUENFELD. Jeder kennt die Szene: Man sitzt gemütlich beim Frühstück, plötzlich ist es vorbei mit der Ruhe. Motorenlärm dröhnt vom Nachbargrundstück herüber. Herr Nachbar mäht seinen Rasen. Doch damit nicht genug. Zehn Minuten später hat sich der Lärmpegel gleich auch noch verdoppelt. Ein zweiter Nachbar liess sich anstecken und startete ebenfalls seinen Mäher. Spätestens dann ist Toleranz gefragt.

Nicht mehr tolerieren möchte ein Bewohner einer Thurgauer Landgemeinde, dass sein Nachbar einen Hahn hält. Obwohl der Hahn des Nachts im Hühnerhaus eingesperrt ist, fühlt sich der Mann belästigt. Der Hahn krähe den ganzen Tag, auch während seines Mittagschlafes. Neben der Gemeinde befassten sich auch die Polizei, die Staatsanwaltschaft und das Bezirksgericht Weinfelden mit dem Fall.

Bürger nervt Bellen

Ob Rasenmäherdröhnen oder Hahnengeschrei: Rund zwei Drittel der Bevölkerung fühlt sich durch Lärm gestört. Dabei überwiegt laut Angaben des Bundesamtes für Umwelt der Lärm, der von anderen Menschen oder Geräuschen in der Freizeit ausgeht, vor Strassen- und Bahnlärm.

Dies bestätigt auch Aadorfs Gemeindepräsident Matthias Küng: «Wenn wir Klagen wegen Lärms erhalten, geht es meistens um bellende Hunde und Rasenmäher.» Auch in Amriswil sind Klagen wegen Hundegebell Klagegrund Nummer eins.

Dass viele Thurgauer unter Lärm leiden, belegt die Statistik der Kantonspolizei. Im vergangenen Jahr mussten die Ordnungshüter 960mal wegen Ruhestörung ausrücken. Am häufigsten wurden die Kantonspolizisten wegen Nachtruhestörung ab 22 Uhr alarmiert.

Beklagt werden laute Musik vom Nachbargrundstück, der Geräuschpegel von Parties oder von Gästen, die vor einer Gaststätte weiterfeiern.

Glocken und trampelnde Pferde

Neben krähenden Hähnen und Partylärm gibt es noch anderes, das Thurgauerinnen und Thurgauer auf die Palme bringen kann. Ein Überblick:

• Kirchenglocken: In Sirnach hatte eine Anwohnerin den «lärmintensiven Zweikampf zwischen katholischen und evangelischen Christen mittels Kirchenglocken» satt. Sie forderte die Gemeinde auf, ihre Nachtruhe wieder zu herstellen.

Mit Erfolg. Die Kirchen verzichten künftig auf den nächtlichen Stundenschlag ihrer Glocken. Es war dafür kein Verfahren nötig. Bereits seit August 2010 schlagen die Glocken der evangelischen Kirche in Weinfelden nicht mehr zwischen 22 und 6 Uhr. Auslöser für den Entscheid der Kirchenvorsteherschaft waren Reklamationen von Privaten und der Hotellerie gewesen.

Auch in Bischofszell störten sich Einwohner am nächtlichen Glockengeläut. Sie protestierten vergeblich. Der Stadtrat und die kirchlichen Behörden lehnten das Gesuch ab, die Glocken nachts abzustellen.

• Kinderlärm: Vor vier Jahren entstand in Frauenfeld ein Konflikt um eine Tagesstätte für Kinder im Vorschulalter. Sieben Nachbarn wollten die Eröffnung mit juristischen Mitteln verhindern. Sie befürchteten zusätzlichen Lärm. Inzwischen sind die Kinder eingezogen.

• Pferde: In Aadorf mussten Pferdehalter aufgrund von Einsprachen Auflagen umsetzen. Um die Lärmbelästigung zu minimieren, mussten sie die Pferdeboxen und die dazugehörigen Ausläufe mit Gummimatten ausstatten. Die Boxen streuen sie zusätzlich mit Stroh und Sägemehl ein.

Nachbarn fordern Lärmschutz

• Tierheim: Wegen einer Anzeige von Bewohnern aus dem Nachbardorf Halden hatte der Gemeinderat von Hohentannen vor Jahren dem Tierheim Tellen umfangreiche Auflagen aufgezwungen.

Zwei Familien fühlten sich vom Hundegebell gestört und forderten von der Gemeinde Schadenersatz. Von den Betreibern des Tierheims wurde verlangt, eine rund 50 Meter lange Lärmschutzmauer zu erstellen. Die Betreiber einigten sich mit der Behörde, statt der Mauer schallschluckende Eternitplatten aufzustellen.

• Jugend: Eschlikon möchte das ehemalige Schützenhaus als Jugendtreff nutzen. Ein Anwohner reichte gegen die Umnutzung Einsprache ein. Er befürchtet, dass die Jugendlichen zu laut sein werden.

Das Verwaltungsgericht wies kürzlich die Einsprache ab. Der Anwohner zieht ans Bundesgericht weiter.

Am Eidgenössischen in Frauenfeld ging es in den Nachtstunden hoch her. (Archivbild: Reto Martin)

Am Eidgenössischen in Frauenfeld ging es in den Nachtstunden hoch her. (Archivbild: Reto Martin)

Eine Nervensäge: Der Rasenmäher vom Nachbarn. (Archivbild: Donato Caspari)

Eine Nervensäge: Der Rasenmäher vom Nachbarn. (Archivbild: Donato Caspari)

Hunde können nicht leise bellen und jaulen. (Archivbild: Fotolia)

Hunde können nicht leise bellen und jaulen. (Archivbild: Fotolia)