Bitte eine Oligarchin

Murgspritzer

Mathias Frei
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Mit dem Velo – wir sind mittlerweile komplett auf Tour de Suisse getrimmt – ist’s ein wenig mehr als ein Stündli. Mit Postauto und Zug sind es keine 50 Minuten nach Mannenbach. Dort nimmt man das Untersee-Taxi. Mit dem eigenen Auto sind wir Frauenfelder am schnellsten auf Schloss Eugensberg. Aber das gibt nur wieder Puff mit dem MIV, und dann braucht’s noch einen Tunnel an den Untersee. Item. Was ich sagen wollte: Schloss Eugensberg liegt so nah, das ist gefühlt noch Hauptstadt. Grad hinter der Ochsenfurt. Und Schloss Eugensberg kann man bald kaufen. Aus der Konkursmasse von Rolf Erb. Sie wissen schon.

Hier wird’s interessant, also der zukünftige Schlossherr oder die zukünftige Schlossherrin für Frauenfeld. Wenn da zum Beispiel eine russische Oligarchin kommt und Eugensberg kauft, gelüstet es sie sicherlich auch ab und zu nach High-Life. Und das, wir wissen es, gibt es im Thurgau eben nur in der Hauptstadt. Die Russin kauft sich also zusätzlich in der Frauenfelder Altstadt drei, vier nette Maisonettewohnungen für ihre Gäste und sich selber. Für nach dem Bechtelis.

Aber die Russin nervt sich über den cheibe Verkehr in Frauenfeld.«Stosszeiten in Moskau sind ein Seich dagegen», schreibt sie auf Instagram unter ein Bild vom Postkreisel. Und dann will sie mit Stapi Stokholm reden. Weil sie den Vlädu Putin kennt, imfall. «Mached mol öppis, gopferteli», sagt die Russin in gebrochenem Deutsch zum Stapi und überreicht ihm ein Köfferli mit ein paar Nötli drin. Damit baut die Stadt fünf Tunnel, drei Hallenbäder, ein Fussballstadion für den FC Frauenfeld, der neu Gazprom als Sponsor hat, und eine städtische Kaviarfarm an der Murg. Zum Glück sind es mit dem Charre nur 30 Minuten nach Schloss Eugensberg.

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch