Bistumswechsel ist eine Option

FRAUENFELD. Die Zugehörigkeit des Thurgaus zum Bistum Basel steht zur Disposition. Alte Pläne der Bischofskonferenz über eine Strukturreform werden jetzt wieder diskutiert. Demnach soll der Thurgau ins Bistum St. Gallen wechseln.

Christof Widmer
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Die Unzufriedenheit der Zürcher Katholiken mit ihrem Bistum Chur bringt die Schweizer Bistumslandschaft in Bewegung. Die Zürcher haben ihre Forderung nach einem eigenen Bistum im Vatikan deponiert. Damit haben sie auch einen über 30 Jahre alten Plan für eine Neuorganisation der Schweizer Bistümer wiederbelebt. Der Vorschlag aus dem Jahr 1980 sieht unter anderem die Gründung eines eigenen Bistums Zürich vor. Es würde ergänzt durch den Kanton Schaffhausen, der wie der Thurgau heute zum Bistum Basel gehört. Der Thurgau würde nach dem Plan zum Bistum St. Gallen stossen. Neue Bischofssitze gäbe es zudem in Luzern und in Genf.

«Praktisch unregierbar»

Aus Anlass der Diskussionen um ein Bistum Zürich hat die Schweizerische Bischofskonferenz den Plan wieder aus der Schublade geholt, berichtet Radio SRF. Gerade das Bistum Basel, das sich über zehn Kantone erstreckt, sei «praktisch unregierbar», zitiert Radio SRF den Sprecher der Schweizer Bischofskonferenz.

Die katholische Landeskirche Thurgau verfolgt die neuen Entwicklungen noch aus der Ferne. «Wenn sich aber die Gründung eines Bistums Zürich abzuzeichnen beginnt, liegt die Frage auf der Hand, was mit dem Thurgau und mit Schaffhausen geschehen soll», sagt Urs Brosi, Generalsekretär der Landeskirche. Von sich aus werde die Landeskirche aber keine Schritte unternehmen. «Wir leiden nicht daran, dass wir zum Bistum Basel gehören», sagt Brosi.

Für ihn ist zudem nicht in Stein gemeisselt, dass der Thurgau zum Bistum St. Gallen wechselt, wie es der Plan von 1980 vorsieht. Eine Alternative wäre für Brosi der Anschluss an ein neues Bistum Zürich. «Der Thurgau ist stärker nach Zürich ausgerichtet als nach St. Gallen.»

Zur 1980 vorgeschlagenen Neuorganisation der Bistümer hatte sich damals auch die Thurgauer Landeskirche geäussert. Sie habe zurückhaltend auf die Aussicht auf einen Wechsel nach St. Gallen reagiert, weiss Brosi. Sie habe zur Bedingung gemacht, dass der Thurgau die gleichen Mitspracherechte hat wie St. Gallen. Namentlich sollen im Verhältnis gleich viele Thurgauer wie St. Galler Domherren zur Bischofswahl berechtigt sein – ein Recht, das die Appenzeller heute im Bistum St. Gallen nicht haben.

So oder so können die Bistümer, die Landeskirchen und der Vatikan die Neuorganisation nicht unter sich ausmachen. Ein gewichtiges Wort mitzureden haben auch die Kantone. Sie sind nämlich Vertragspartner des Vatikans, was die Bistümer betrifft. Der Thurgau etwa ist 1829 dem Konkordat der Basler Bistumskantone beigetreten, das die Strukturen des Bistums, aber auch den Ablauf der Bischofswahl festlegt. Bei der Wahl haben die zehn Kantone einmalige Rechte (Kasten). Brosi geht davon aus, dass sich die Kantone in Verhandlungen um neue Strukturen einbringen würden.

«Für immer Basel einverleibt»

Der für Kirchenangelegenheiten zuständige Thurgauer Regierungsrat Kaspar Schläpfer erinnert an den Staatsvertrag zwischen dem Thurgau und dem Heiligen Stuhl vom 11. April 1829. Dort heisst es: «Die von dem Bistum Konstanz getrennte katholische Bevölkerung des hohen Standes Thurgau ist für immer dem wiederhergestellten Bistum Basel einverleibt.» Für den Regierungsrat bestünde nur dann ein Anlass, eine Änderung dieses Vertrages zu beantragen oder zu befürworten, wenn die Landeskirche dies beantragen würde, sagt Schläpfer.