Bischof sucht Bodenhaftung

Morgen Sonntag wird Felix Gmür zum Bischof des Bistums Basel geweiht, zu dem auch der Thurgau gehört. Auf ihn wartet ein Amt mit vielen Herausforderungen. Unter anderem hat die Hälfte der Pfarreien keinen Pfarrer mehr.

Benno Bühlmann
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Felix Gmür gilt bereits als Hoffnungsträger. (Bild: ky/Peter Schneider)

Felix Gmür gilt bereits als Hoffnungsträger. (Bild: ky/Peter Schneider)

SolOthurn. Die Diözese Basel sei das «schwierigste Bistum der Welt», soll Papst Gregor XVI. in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gesagt haben. Bewegt und konfliktreich war nicht nur die Vergangenheit – an Herausforderungen fehlt es auch in Zukunft in diesem vielgestaltigen Bistum keineswegs.

Die Diözese Basel ist ein für Schweizer Verhältnisse überproportional grosses Bistum, das zehn Kantone sowie 521 Pfarreien und Pfarrrektorate umfasst, wobei sich die einzelnen Regionen sowohl

in den Mentalitäten wie auch in ihren staatskirchlichen Strukturen sehr stark voneinander unterscheiden.

Bereits der Hoffnungsträger

Dem neuen Bischof Felix Gmür geht es nicht anders als seinen Vorgängern: Unmittelbar nach der Bekanntgabe seiner Wahl wurde auch ihm bereits das Etikett des «Hoffnungsträgers» angehängt. Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass überzogene Erwartungen an einen neuen Oberhirten nicht selten enttäuscht werden müssen.

Es gibt zu viele «heisse Eisen», an denen sich Felix Gmür nicht die Finger verbrennen möchte. Zu den Dauerbrennern innerhalb der katholischen Kirche zählen nach wie vor der Priestermangel, das Pflichtzölibat, die Rolle der Frauen in der Kirche und Fragen rund um die Sexualmoral der katholischen Kirche.

Zu einigen der von Reformkatholiken immer wieder ins Feld geführten Postulate hat sich Felix Gmür nach der Bekanntgabe seiner Wahl zum Bischof bereits mit ersten Stellungnahmen geäussert

und dabei durchblicken lassen, dass er für die erwähnten Anliegen durchaus Verständnis habe, aber als Ortsbischof innerhalb der Weltkirche keine Wunder wirken könne: «Natürlich werde ich die Anliegen und Bedürfnisse unseres Bistums in der Weltkirche einbringen, ich möchte aber keine falschen Hoffnungen wecken. Wir müssen in der Schweiz vor allem wieder lernen, solidarischer mit der Weltkirche zu sein. Denn wir sind nicht der Nabel der Welt.»

Zölibat nicht zwingend nötig

Angesichts des akuten Priestermangels – über die Hälfte der Pfarreien im Bistum Basel verfügen heute nicht mehr über einen eigenen Pfarrer vor Ort – kann sich Felix Gmür durchaus vorstellen, dass das Pflichtzölibat gelockert werden könnte. «Natürlich stellt sich heute die Frage: Ist für jemanden, der sich zum Priester berufen fühlt, die zölibatäre Lebensform zwingend notwendig?», sagte der neue Bischof unmittelbar nach der Bekanntgabe der Bischofswahl und fügte gleich hinzu: «Ich persönlich meine nein.

Deshalb kann und soll diese Frage diskutiert werden.» Gleichzeitig müsse aber auch über das Zusammenleben von Mann und Frau nachgedacht werden, «denn bekanntlich werden heute 50 Prozent der Ehen geschieden.»

Kirche hat globale Regeln

Zur umstrittenen Frage, ob Frauen in der katholischen Kirche zu Priesterinnen geweiht werden könnten, äussert sich der neue Basler Bischof sehr vorsichtig: «Es ist richtig, dass sich alle Menschen für die Kirche engagieren sollen, ob Mann oder Frau.

Aber die Frauenordination ist eine Frage der Weltkirche, die wir hier in der Schweiz nicht alleine entscheiden können.»

Die Kirche sei ein «Global Player» und brauche deshalb auch globale Regeln, betont Gmür: «Auf den verschiedenen Kontinenten entwickelt sich die Kirche mit ganz unterschiedlichen Geschwindigkeiten. In Afrika beispielsweise hat die Frauenordination nicht oberste Priorität. Die Menschen dort sind auf Bildung, Gesundheit und Entwicklung angewiesen.

Da können wir Schweizer der Kirche in Afrika nicht unsere Themen aufzwingen.»

Unaufgeregt und zielstrebig

Immerhin eilt dem neuen Basler Bischof der Ruf als weltgewandter und weltoffener Kirchenmann voraus. Er wird als «blitzgescheiter Mann» beschrieben, der seine Aufgaben unaufgeregt und zielstrebig angehe.

«Er ist kirchlich verlässlich und lässt sich von keinem Flügel innerhalb der kirchlichen Polarisierung vereinnahmen», sagt ein ihm nahestehender Studienkollege.

Der Luzerner Theologe Florian Flohr, der im vergangenen Sommer ein «Manifest zur Bischofswahl 2010», das auch im Thurgau Resonanz fand (die TZ berichtete), initiiert hatte, wünscht sich einen Bischof mit Rückgrat, der zu seiner eigenen Meinung steht und innerhalb der Weltkirche nach Bündnispartnern sucht, um wichtige Reformanliegen vorantreiben zu können.

Flohr: «Wichtig ist, dass der Basler Bischof einen Ortswechsel vollzieht, indem er aus der abgehobenen Atmosphäre des bischöflichen Palais in Solothurn auszieht und noch mehr in den Alltag der Gläubigen in seinem Bistum eintaucht.»

Im Alltag der Menschen präsent

Dass für Felix Gmür die Bodenhaftung innerhalb der Kirche durchaus ein Anliegen ist, hat er bereits signalisiert: «Es ist wichtig für die Kirche, dass sie nahe bei den Menschen bleibt»,

antwortete der neue Bischof auf die Frage nach den grössten Herausforderungen für die katholische Kirche in der Gegenwart. «Leider hat die Kirche in der Alltagsgestaltung der Menschen an Bedeutung verloren. Deshalb müssen wir versuchen, die Kirche im Alltag der Menschen wieder präsenter werden zu lassen.»