Bis Sonntag immer unter Strom

Er hält am Open Air Frauenfeld die Fäden in der Hand, hat das letzte Wort, welche Stars kommen, und kreiert urbane Erlebniswelten: René Götz, Geschäftsführer der First Event AG. Und daneben hat der Zürcher noch Frau und Kinder.

Mathias Frei
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Open-Air-Geschäftsführer René Götz auf der VIP-Tribüne, im Hintergrund die Bühnen-Skyline. (Bild: Andrea Stalder)

Open-Air-Geschäftsführer René Götz auf der VIP-Tribüne, im Hintergrund die Bühnen-Skyline. (Bild: Andrea Stalder)

FRAUENFELD. Vom Zürifäscht ans Open Air Frauenfeld ohne Zwischenhalt. «Wir waren am Sonntag, aber ganz gemütlich mit den Kindern», erzählt René Götz. Ein Geschäftsmann, der Emotionen vermitteln will. Seit gestern zählt für den 46jährigen Zürcher nur noch Frauenfeld. Götz ist Geschäftsführer und Teilhaber der First Event AG, die seit 2004 das Open Air Frauenfeld veranstaltet. Der gelernte Kaufmann hat nach dem Open Air 2015 drei Wochen Ferien gemacht, dann mit den Vorbereitungen für das diesjährige Festival begonnen.

Frauenfeld: Das hätte sich Götz nicht vorstellen können, als er vor über 20 Jahren in der Zürcher Club- und Event-Szene Fuss zu fassen begann. In jungen Jahren war Götz Clubgänger, elektronische Musik war sein Ding. Aus dem Clubgänger wurde der Clubbetreiber. Fast ein Jahrzehnt war er erfolgreicher Mitbetreiber des Zürcher Q-Clubs, zu dem auch das «Queens» und der «City-Beach» gehörten. Und dann kam die Möglichkeit, in Frauenfeld wieder ein Open Air aufzubauen, nachdem das Out In The Green und das Ministry of Rock auf der Grossen Allmend gescheitert waren. Wolfgang Sahli fragte Götz an, er sagte zu. Anfang der 90er-Jahre war Götz zwei-, dreimal als Zuschauer am Out In The Green.

Muscle-Park und Soulcity

Mittlerweile hat er das Sagen auf der Grossen Allmend. Götz muss über sämtliche Departements – so nennen die Veranstalter die Ressorts – Bescheid wissen. Zusammen mit Booker Andy Locher stellt er das Programm zusammen. «Ich sage: So gehen wir programmatisch.» Götz steht aber auch mit allen Partnern – Sponsoren und Behörden – in Kontakt. Sie hätten viele langjährige Partner und könnten von Jahr zu Jahr ausbauen. Jeweils ab Februar beginnt für Götz die Umsetzungsphase. «Dem Event Charakter geben», sagt er. Die urbane Skyline, die es vergangenes Jahr erstmals gab, wird noch imposanter. Dazu gibt es neu einen Stadtpark, «wo die Leute zusammenkommen», sozusagen eine zweite Frauenfelder Begegnungszone. Sitzgelegenheit hat es dort und einen Muscle-Park, wie man ihn von Kaliforniens Stränden kennt. Dazu wird in der Soulcity-Hall die Hip-Hop-Kultur gelebt mit Rap-Battles, Beatboxing, Graffitis und Breakdance – auf einem klassischen Basketball-Spielboden. Urbane Welten, die kreiert werden. Immer mindestens mit dem Zeitgeist gehen, besser sogar ein wenig Avantgarde und gleichwohl kommerziell.

Zufriedenheit als Lohn

Jetzt, kurz vor Festivalbeginn, kann Götz sagen: «Wir sind absolut im Zeitplan.» Das OK rechnet beim Aufbau jeweils präventiv mit zwei Tagen Verzögerung. Das wäre heuer nicht nötig gewesen. Jetzt geht es für Götz nur noch darum, an der Veranstaltung den reibungslosen Ablauf zu bewerkstelligen – nicht mehr und nicht weniger. «Die Stakeholder zufriedenstellen.»

Jetzt könne er nicht mehr abschalten. Wenn er während des Festivals mal kurz innehält, flaniert er mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kids über das Gelände – die Augen immer offen für das Festival. «Dann bin ich immer ein wenig unter Strom.» Eine gewisse Anspannung sei bei Events dieser Grössenordnung normal. Und zugleich sei man auch stolz auf das Erreichte – auf ein Open Air dieser Grösse, das durch seine musikalische Positionierung weltweit einzigartig sei.

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