Birnbäume dürfen weiterleben

Vier Hochstamm-Birnbäume in Erlen werden vorerst nicht gerodet, wie es der Kanton gefordert hatte. Ein Rekurs des Besitzers erhielt aufschiebende Wirkung, bis ein Entscheid in der Sache gefallen ist.

Martin Knoepfel
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Hans Eugster betont, dass nur einzelne Äste der Hochstamm-Birnbäume vom Feuerbrand befallen seien. (Archivbild: Nana do Carmo)

Hans Eugster betont, dass nur einzelne Äste der Hochstamm-Birnbäume vom Feuerbrand befallen seien. (Archivbild: Nana do Carmo)

frauenfeld. Die Zwangsrodung finde am 18. März, also heute morgen, um 7.30 Uhr statt. Die Kosten müsse der Besitzer der Bäume bezahlen. Sie würden mit der Entschädigung für die gefällten Bäume verrechnet. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, werde die Polizei anwesend sein. Eine Kopie der Verfügung ging denn auch an den Posten Sulgen der Kantonspolizei.

Das steht in der Verfügung des kantonalen Pflanzenschutzdienstes, die dem Erler Bauern Hans Eugster vor kurzem in den Briefkasten flatterte.

«Krasser Unfug»

Nun werden die Motorsägen heute morgen auf dem Eugsterschen Land nicht aufheulen. Der Grund: Der Regierungsrat hat die aufschiebende Wirkung des Rekurses wiederhergestellt. Das heisst, es passiert nichts, bis er in der Sache entschieden hat. Damit haben die vier rund 100 Jahre alten Bäume eine Gnadenfrist.

Der Zuger Agronom Franz Felder ist Mitglied der Vereinigung Hochstammobstbau Schweiz, die Eugster auf dem Rechtsweg unterstützt. Felder hofft auf einen wegweisenden Entscheid und nannte die Rodung der Bäume einen «krassen Unfug. Zwei der Bäume wurden fünfmal erprobt. jede Probe war negativ. Ein Baum wurde nicht geprobt, bei einem waren zwei der fünf Proben negativ». In einem Brief des BBZ Arenenberg an den Pächter des Hofs steht allerdings, dass es mit mehr Zeitaufwand möglich gewesen wäre, alle vier Bäume positiv zu testen.

Notfalls weiterziehen

Hans Eugster, Besitzer der Bäume, sagte nur, er hoffe auf eine einvernehmliche Lösung. Er hatte Anfang März vor den Medien erklärt, heute bedaure er, dass er früher Birnbäume gerodet habe. Der Mörschwiler Guido Schildknecht ist Präsident der Vereinigung Hochstammobstbau Schweiz. Er bestätigte, dass diese den Streit notfalls bis vors Bundesverwaltungsgericht weiterziehen will. «Schutzzonen nützen nichts.

Wir hoffen, dass mit dem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts endlich die gescheiterte Thurgauer Feuerbrand-Strategie angepasst wird.»

Anders sieht das Markus Harder, Chef des kantonalen Landwirtschaftsamts. Es handle sich um einen rein verfahrensrechtlichen Entscheid, nicht um einen Entscheid in der Sache. Die Thurgauer Feuerbrand-Strategie (siehe Kasten) sei dadurch nicht in Frage gestellt. Wann die Birnbäume blühten, sei eine Frage des Wetters. Die Blüte könne in drei bis vier Wochen eintreten.

Eine Rodung der Bäume vor Beginn der Blüte sei immer noch möglich.