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BILDUNG: «Viele sehen es als Chance»

Regierungsrätin Monika Knill schaffte die Überraschung. Sie erkämpft sich im Thurgauer Grossen Rat eine Mehrheit fürs Frühfranzösisch. In der eigenen Partei blieb ihre Überzeugungsarbeit jedoch wirkungslos.
Silvan Meile
Spontaner Handschlag: Regierungsrätin Cornelia Komposch gratuliert Amtskollegin Monika Knill. (Bild: Donato Caspari)

Spontaner Handschlag: Regierungsrätin Cornelia Komposch gratuliert Amtskollegin Monika Knill. (Bild: Donato Caspari)

Interview: Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Monika Knill, wie gross ist der Stein, der Ihnen gestern nach dem Foto- finish zur Beibehaltung des Frühfranzösisch vom Herzen gefallen ist?

Das sind einige Felsbrocken. Ich freue mich sehr, dass es nun doch noch so herausgekommen ist.

Der nationale Sprachenfrieden ist wiederhergestellt. Wie gross war der Druck aus der Westschweiz?

Seit im August 2014 die Motion «Französisch erst auf der Sekundarstufe» erheblich erklärt wurde, war vor allem die mediale Aufmerksamkeit in der Westschweiz gross. Es gab dort die Schlagzeilen, der Thurgau schaffe den Französischunterricht an der Schule generell ab. Ich musste das in vielen Gesprächen ins rechte Licht rücken.

Fühlten Sie sich in der Schweizerischen Konferenz der Erziehungs- direktoren (EDK) aufgrund der Französischdebatte isoliert?

In der EDK habe ich keinen Druck gespürt. Stattdessen erhielt ich Unterstützung, verbunden mit der Hoffnung, dass wir im Thurgau einen Weg mit Frühfranzösisch finden. Für den politischen Prozess hat man dort Verständnis. Das zeigte sich auch in der Stellungnahme der EDK zum Sprachengesetz, in welcher der Bundesrat aufgefordert wurde, auf eine Intervention zu verzichten.

Bundesrat Alain Berset drohte mit einem Machtwort im Sprachenstreit. Haben Sie mit ihm gesprochen?

Ich habe vor einiger Zeit mit Bundesrat Berset am Rande eines Anlasses gesprochen, nachdem die Motion erheblich erklärt wurde. Das war aber ein informelles Gespräch, bei dem es primär um den Weg zur Umsetzung der Motion ging. Danach erkundigten sich Vertreter seines Departementes gelegentlich über den Stand der Dinge in dieser Frage.

Sie haben sich in den vergangenen Wochen mit grossem Engagement für die Beibehaltung des Frühfranzösisch im Thurgau eingesetzt.

Das war nicht ich alleine. Viele haben die Meinung vertreten, dass wir nun die Chance nutzen sollen, den Französischunterricht zu verbessern und bessere Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Dafür wurden von vielen Leuten auf verschiedenen Ebenen Gespräche geführt. Auch ich habe das gemacht.

Sie nahmen verschiedene Kritiken auf, leiteten daraus Änderungen ab. Was ändert sich am Frühfranzösischunterricht?

Dem Grossen Rat haben wir erste Massnahmen vorgelegt. Das sind Halbklassenlektionen und Dispensationsmöglichkeiten für tatsächlich überforderte Kinder. Interkantonal sind wir daran, die neuen Lehrmittel auszuwählen und letztlich wollen wir den Druck beim Übertritt von der Primarschule in die Sekundarschule rausnehmen, indem die Fremdsprachen nicht mehr gleich stark gewichtet werden.

Sie haben gestern im Grossen Rat überraschend eine Mehrheit auf ihre Seite gebracht. In der SVP hatten Sie aber kaum Unterstützung. Wieso ist der Rückhalt hier so klein?

Die Haltungen und Überzeugungen der Partei haben ihren Ursprung wohl weit zurück. Viele haben seit 2006 eine unveränderte Position. Damals entschied das Thurgauer Stimmvolk schon einmal über diese Frage. Dennoch liess ich es nicht unversucht, die Partei vom Frühfranzösisch zu überzeugen.

Ist es nicht frustrierend, die eigenen Reihen nicht überzeugen zu können?

Natürlich wäre es toll, wenn in der eigenen Partei alles widerstandslos laufen würde. Ich bin aber genug lange dabei, dass ich damit umgehen kann, wenn Parteikollegen eine andere Meinung haben. Ich attestierte der SVP-Fraktion, dass unterschiedliche Meinungen vertreten werden dürfen. Das wird nicht negativ ausgelegt, jeder darf zu seiner Meinung stehen.

Wie oft haben Sie in den vergangenen Wochen bereut, das Departement letztes Jahr nicht gewechselt zu haben? Sie hätten sich damit viel Ärger ersparen können.

Nie, zu keiner Sekunde, obwohl die Fremdsprachendiskussion ein mehrjähriges, intensives Geschäft war. Mir gefällt das Departement für Erziehung und Kultur nach wie vor ausserordentlich.

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