Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BILDUNG: Kanton Thurgau regelt Integration neu

Der Kanton Thurgau will Migranten besser integrieren. Dazu führt er ab August vier ­aufeinander abgestimmte Kurse ein. Jugendliche bis 24 erhalten damit eine Schulbildung und Einblick in die Schweizer Arbeitswelt. Danach sollten alle eine Lehrstelle finden.
Larissa Flammer
Die bisherigen kantonalen Angebote – darunter die UMA-Schule in Weinfelden – werden abgelöst. (Bild: Donato Caspari (6. Juli 2015))

Die bisherigen kantonalen Angebote – darunter die UMA-Schule in Weinfelden – werden abgelöst. (Bild: Donato Caspari (6. Juli 2015))

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

«Wir wollen Migranten durch Bildung integrieren und nicht einfach irgendwie beschäftigen.» Diese Aussage unterstreicht Marcel Volkart, Chef des Thurgauer Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung, als er die neuen kantonalen Integrationskurse vorstellt. Die Ausgangslage sei folgende: Bei allen jungen Leuten, die in die Schweiz kommen, – ob als Flüchtling oder als Familiennachzug aus Portugal – gebe es grosse Unterschiede bezüglich Deutsch- und Kulturkenntnissen. «Oft reicht es nicht für den Besuch einer Berufs- oder Mittelschule.» Deshalb habe der Regierungsrat entschieden, alle bisherigen kantonal unterstützten Integrationsbemühungen aufzulösen und vier aufeinander abgestimmte Integrationskurse zu schaffen. Im Zuge dessen wird auch die UMA-Schule in Weinfelden aufgelöst. Aus vielen bisherigen Angeboten können gemäss Volkart Lehrpersonen und Erfahrungen übernommen werden.

Die vier Kurse sind für alle 12- bis 24-jährigen Migranten – unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus. Im Zentrum steht die Vermittlung der deutschen Sprache und der Allgemeinbildung. Die Kurse sind durchlässig. Sobald das Deutschniveau des nächsten Kurses erreicht wird, kann der Wechsel erfolgen. «Es sind Vollzeitprogramme», sagt Volkart.

Mietvertrag und Krankenkasse erklären

Kurs 1a ist als einziger obligatorisch. Er richtet sich an schulpflichtige 12- bis 16-Jährige. Die Volksschulgemeinde Amriswil sowie die Sekundarschulgemeinden Arbon, Frauenfeld, Sulgen und Weinfelden werden ab August diesen Kurs für alle Jugendlichen im Kanton anbieten. Die Migranten werden – möglichst in Kombination mit Regelunterricht – hauptsächlich in Deutsch, aber auch in Selbst- und Sozialkompetenzen geschult.

Personen, die älter als 16 Jahre sind und ebenfalls kaum oder gar nicht Deutsch sprechen, steht der Integrationskurs 1b offen. Dort geht es weiter vor allem ums Erlernen der deutschen Sprache, es kommen jedoch andere Fächer sowie die Vorbereitung auf die Bewältigung des Alltags hinzu. Durchgeführt wird dieser Kurs am Gewerblichen Bildungszentrum Weinfelden. «Wir starten mit sechs Klassen», sagt Rektor Willi Spring. In sechs Lektionen pro Tag, an acht Halbtagen pro Woche wird den Jugendlichen Volksschulstoff vermittelt. Auch Kochen, Werken oder Sport soll Platz haben, damit die Jugendlichen Kompetenzen wie Sorgfalt und Zuverlässigkeit lernen.

Erreicht ein Jugendlicher das Deutschniveau A2, wechselt er in den Integrationskurs 2. Dieser wird an den Berufsfachschulen Frauenfeld und Arbon erteilt. Einen Tag pro Woche leisten die Jugendlichen einen Praxiseinsatz. «Sie sollen das Leben kennen lernen. Es dient auch der Motivation, wenn sie sehen: Ah, da kann man Geld verdienen», sagt Conny Simmchen, die ab Sommer in Arbon unterrichten wird. In verschiedenen Fächern lernen die Jugendlichen, was sie beim Mietvertrag oder der Krankenkasse beachten müssen. Auch werden Berufe vorgestellt und erklärt, welche für sie realistisch sind.

3500 Franken pro Semester und Person

Den Integrationskurs 3 bietet die Stiftung Zukunft Thurgau an. Gemäss Bereichsleiter Martin Alt handelt es sich dabei um ein Motivationssemester. An vier Tagen pro Woche machen die Migranten ein Praktikum, an einem Tag haben sie Unterricht. «Nach diesem Kurs gibt es nichts anderes mehr», sagt Alt. Das Ziel ist, dass alle Jugendlichen danach eine Ausbildung EBA/EFZ oder eine Mittelschule machen können.

Die Kurse 1a und 3 sind für die Teilnehmer gratis, die Kurse 1b und 2 kosten 3500 Franken pro Semester und Person. Bezahlen muss entweder der Teilnehmer selber, sein gesetzlicher Vertreter oder die zuweisende Stelle – etwa das Sozialamt der zuständigen Gemeinde mit der Integrationspauschale des Bundes. Es wird noch diskutiert, ob Stipendien möglich sind.

Vier der fünf Departemente des Kantons sind an der Neukonzipierung beteiligt. Volkart ist sichtlich stolz über das, was departementübergreifend erreicht wurde. Die Feinabstimmung steht noch an, auch während der Startphase wird es noch das eine oder andere zu klären geben, wie er sagt. «Aber ich bin überzeugt, das ist eine gute Sache.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.