BILDUNG: Deutsche sollen mehr fürs Studium zahlen

Weil für Schweizer neu Semestergebühren an Unis in Baden-Württemberg anfallen, soll die Pädagogische Hochschule Thurgau die Gebühren für deutsche Studenten anheben, fordert SVP-Kantonsrat Urs Martin.

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Der Entscheid der baden-württembergischen Regierung hat SVP-Kantonsrat Urs Martin geärgert. Studenten aus Nicht-EU-Ländern müssen an Universitäten im Bundesland künftig 1500 Euro Semestergebühren bezahlen, während EU-Bürger weiterhin kostenlos studieren können (TZ von gestern). Das will Martin so nicht stehen lassen: «Die Pädagogische Hochschule Thurgau sollte jetzt nachziehen.» Der Romanshorner findet, dass die PH ihr Gebührenreglement anpassen soll. Für deutsche Studierende soll das PH-Studium in Kreuzlingen teurer werden als für Schweizer. «Jetzt müssen wir Gegenrecht einfordern», sagt Martin. Deshalb will er dieses Thema in den Grossen Rat bringen.

Die PH sieht keinen Grund, Gebühren zu erhöhen

«Eine Erhöhung der Studiengebühren für Ausländer steht bei uns nicht zur Diskussion», sagt PH-Rektorin Priska Sieber. Sie verweist auf den besonderen grenzüberschreitenden Bildungsraum der PH mit Konstanz und die Sonderregelung, welche die PH-Studenten von den neuen Studiengebühren in Baden-Württemberg befreit. Gemäss PH-Geschäftsbericht kommen aktuell 133 der total 762 Studenten aus Deutschland. Für alle gelten die gleichen Gebühren. Diese betragen je nach Studiengang zwischen 700 und 900 Franken pro Semester.

Die Höhe der Gebühren für die PH legt der Hochschulrat fest. Entsprechende Entscheide müssen vom Regierungsrat genehmigt werden. Das Kantonsparlament hat kein Mitspracherecht. Sein Handlungsspielraum beschränkt sich aufgrund der Autonomie der Hochschule auf die Gesetzgebung, die Budgetdebatte und die Abnahme des jährlichen Geschäftsberichts der PH, in dem auch die Finanzzahlen ausgewiesen werden.

22,5 Millionen vom Kanton an Schweizer Unis

Aus finanzpolitischer Sicht muss sich der Kanton über Thurgauer Studierende an der Universität Konstanz freuen, ob sie nun Semestergebühren zahlen müssen oder nicht. Denn für die Studierenden im Ausland fallen dem Kanton keine Kosten an. Anders ist das für Studenten an Schweizer Unis. Für sie bezahlt der Kanton gemäss interkantonaler Vereinbarung zwischen 10 000 und 50 000 Franken pro Jahr und Student, je nach Fakultät. Alleine im Bereich der Universitäten (ohne Fachhochschulen) bezahlte der Thurgau dafür gemäss Geschäftsbericht 2015 pro Jahr 22,5 Millionen Franken. (sme)