Bildung bleibt eine Baustelle

FRAUENFELD. Die Thurgauer Schulen stünden weiter unter Reformdruck – trotz anderslautender Beteuerungen der Regierung, beklagen Kantonsrätinnen und Kantonsräte. Sie warnten gestern im Grossen Rat vor zu vielen lokalen Projekten.

Marc Haltiner
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Soll das Reformtempo weiter drosseln, so Kantonsräte: Regierungsrätin Monika Knill. (Bild: Reto Martin)

Soll das Reformtempo weiter drosseln, so Kantonsräte: Regierungsrätin Monika Knill. (Bild: Reto Martin)

Nicht alle Kantonsrätinnen und -räte waren glücklich: Die Fraktionen begrüssten gestern zwar einhellig, dass der Grosse Rat alle zwei Jahre mit dem Bildungsbericht der Regierung alle wichtigen Projekte in den Thurgauer Schulen beurteilen kann. Die wichtigen Entscheide treffe dann aber wieder das Departement für Erziehung und Kultur (DEK), monierten andere.

Wie wichtig Bildung ist, bekräftigte Kommissionspräsident Daniel Vetterli (SVP, Rheinklingen): «Bildung bewegt und betrifft uns alle.» Das deutliche Nein des Volkes zur freien Schulwahl zeige denn auch, wie verankert die Thurgauer Volksschule sei.

Weniger Bürokratie nötig

• In den Schulen herrsche wieder mehr Ruhe, Reformen seien abgeschlossen: Dieser Aussage des Berichts widersprach ein Teil der Fraktionen. «Ich sehe wenig Konkretes zur Konsolidierung», sagte Ueli Oswald (FDP, Berlingen). Die Bildung bleibe eine Grossbaustelle. Nötig seien aber weniger Bürokratie und weniger Projekte, so Oswald. Er forderte zudem mehr Schulleiter ohne pädagogischen Hintergrund. «Die Schule darf nicht mit weiteren Projekten überladen werden», forderte auch Thomas Merz (CVP, Weinfelden). Und Josef Brägger (GP, Amriswil) und Verena Herzog (SVP, Frauenfeld) warnten vor zu vielen lokalen Schulprojekten.

• Das nächste grosse Bildungsprojekt wird der Lehrplan 21 sein. Im ersten Halbjahr 2013 werde das DEK einen Entwurf in die Vernehmlassung schicken, versicherte Regierungsrätin Monika Knill. Der Inhalt fehle noch. Die Erwartungen seien ohnehin zu hoch, meinte Vetterli. Helen Jordi (EDU, Bischofszell) kündigte an, die Vorgaben zum geplanten Sexualkundeunterricht kritisch zu überprüfen.

• Zentral seien die Arbeitsbedingungen von Lehrerinnen und Lehrern, sagte Merz. «Der Lehrberuf muss attraktiv bleiben.» Brägger machte allerdings darauf aufmerksam, dass sich die Arbeitsgruppe des Kantons bislang nicht darauf einigen konnte, wie Berufsauftrag und Jahresarbeitszeit ausgestaltet werden sollen.

• Im Fokus bleibt die Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern. DEK und Schulen müssten sie konkretisieren, monierte Brägger. «Die Rolle der Eltern wird stiefmütterlich behandelt.»

• Die SVP-Fraktion will Schulaufsicht und Schulevaluation überprüfen. Vereinfachungen und tiefere Kosten müssten möglich sein, sagte Erich Schaffer (SVP, Pfyn). Kantonsräte forderten zudem einen Kostenvergleich mit anderen Kantonen. Das DEK werde sich darum bemühen, sagte Knill.

Kleine Schulen unter Druck

• Unter Kostendruck seien vor allem kleine Schulen mit immer weniger Schülern, beklagten Kantonsräte. Das Gefälle zwischen kleinen und grossen Schulgemeinden sei besorgniserregend.

• Herzog zeigte sich erfreut, dass die Hauswirtschaft gestärkt wird und der Thurgau dem Sonderschulkonkordat weiterhin nicht beitreten will. Sonderschüler dürften nicht um jeden Preis in die Regelklassen integriert werden.

• Peter Gubser (SP, Arbon) zeigte sich wegen der zehn Prozent Schulabgänger besorgt, die keine Lehre oder weitere Schule durchlaufen. Das DEK müsse ein Abgleiten in die Armut verhindern.

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