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BICHELSEE-BALTERSWIL: Das Kräutchen macht das Fleisch

Seit ein paar Monaten mästet Hans Feuz vom Hof Bärlischwand seine Sauen mit einer Kräutermischung. Das daraus entstehende Fleisch schmeckt nicht nur besser, es soll auch gesünder sein.
Ruth Bossert
Ursula und Hans Feuz inmitten ihrer Kräuterschweine. (Bild: Andrea Stalder)

Ursula und Hans Feuz inmitten ihrer Kräuterschweine. (Bild: Andrea Stalder)

Ruth Bossert

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Der Hof Bärlischwand liegt idyllisch zwischen sanften Hügeln, näher dem Weiler Sitzberg als dem Dorf Bichelsee. 70 Diep­holzer Weidegänse vergnügen sich im saftigen Grün, die beiden Haushunde verschlafen den Nachmittag, ein paar Katzen schauen gewundrig, was sich auf dem Hof so tut. Vor kurzem sei die erste Online-Bestellung reingekommen, erzählt Hausherr Hans Feuz. Kräuterfleisch heisst das neue Produkt, das er zusammen mit seiner Frau Ursula seit kurzem auf ihrer Homepage zum Kauf anbietet. Auf die Frage, ob es sich dabei um mit Kräutern mariniertes Fleisch handle, verneinen die beiden energisch. «Um Gottes Willen nein», sagt Feuz und lacht. «Wir füttern unseren Sauen eine Kräutermischung nach einem geheimen Rezept der Futtermühle Kunz Kunath», erklärt der 56-Jährige und schildert, dass er in einem Inserat in der landwirtschaftlichen Presse auf die Möglichkeit stiess, bei dieser Spezialitätenfütterung mitzumachen. Seine umfangreichen Abklärungen verliefen positiv, und bereits nach dem ersten Probieren merkten Hans und Ursula, wie gut ihnen das Kräuterfleisch schmeckt.

Mit Homöopathie statt mit Antibiotika

Auf dem Hof Feuz war man sich einig: «Da machen wir mit.» Den Grundstock legte Hans Feuz ­bereits vor Jahren, als er aus der konventionellen Schweinezucht ausstieg und seinen Bestand auf 10 bis 15 Muttersauen reduzierte. Seither werden alle Ferkel auf dem Hof gemästet und ab Hof verkauft. Seit 2004 versuchte Feuz, mit möglichst wenig Antibiotika auszukommen. Der Besuch eines Homöopathiekurses brachte dann die endgültige Abkehr von Antibiotika. Ein paar Jahre später hielten die ersten Diepholzer Gänse Einzug auf dem zwölf Hektaren grossen Betrieb, heute leben gut 70 Stück der weissen Prachttiere auf dem Bärlischwand. Auch rund 30 Hühner fristen ein ruhiges Dasein, picken Körner auf der Weide und gehen nur nachts zum Schutz vor Raubtieren in den Stall. Sie werden sowohl als Legehennen genutzt wie auch als Suppenhühner verkauft. Schliesslich leben auch eine Menge Kaninchen auf dem Hof, welche tagsüber draussen auf der Wiese sind. Auch sie werden zum Kauf an­geboten. Mit dem Einstieg in den Kräuterfleischhandel hat die Familie Feuz nun den Online-Verkauf lanciert, zudem verkauft sie einmal monatlich ihre Produkte am Genussmarkt in Rorschach.

Image vom Schweinefleisch verbessern

Der verantwortliche Kopf hinter dem patentierten Label Kräuterfleisch ist Werner Reutegger. Er arbeitet freischaffend im Aussendienst der Firma Kunz Kunath AG und hat neben dem Kräuterfleisch noch andere heisse Eisen im Feuer. «Ein Tausendsassa, der auf vielen Hochzeiten tanzt», sagt er von sich. Länger schon habe er als passionierter Fleischesser gemerkt, dass das Schweinefleisch je länger, je mehr die Akzeptanz der Konsumenten verliere. In Gesprächen mit der ­Futtermühle, Produzenten, Verarbeitern und Vermarktern sei ihm klar geworden, dass man das Image des Schweinefleisches verbessern muss. Die Futtermühle habe dann eine Kräutermischung hergestellt, und er habe als ehemaliger Landwirt ein paar Sauen gekauft und diese mit der Kräutermischung gemästet. Das Fleisch habe er in seinem Umfeld zum Degustieren gegeben, ein paar ausgewählte Restaurants beliefert und die Mühle habe Blinddegustationen durchgeführt. Die Reaktionen waren einstimmig: «Das Fleisch hat den Probanden ausgezeichnet geschmeckt, und sie haben den Unterschied sofort gemerkt.» Als man mit der Lucarna-Macana AG in Hinwil auch einen Schlacht- und Vertriebspartner fand, lief das Geschäft richtig gut an. Heute werden wöchentlich bereits 200 Kräuter-schweine von insgesamt acht Produzenten aus der Ostschweiz und dem Kanton Bern vermarktet. Abnehmer seien meist Privatmetzgereien und Gastrobetriebe. Feuz ist bislang der einzige Direktvermarktungsbetrieb. Ob das noch lange so ist, bleibt offen. Denn weitere Produzenten wie auch Abnehmer werden gesucht.

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