BIBLIOTHEK: Den Schweigenden auf der Spur

«Sammeln, Kopieren, Verbreiten» lautet der Titel des Kartäuserkongresses 2017, der bis Sonntag in der Kartause Ittingen stattfindet und die gestrige und heutige Buchkultur der Kartäusermönche zum Inhalt hat

Christof Lampart
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Bildungsministerin Monika Knill begrüsst die Anwesenden zum Kartäuserkongress. (Bild: Andrea Stalder)

Bildungsministerin Monika Knill begrüsst die Anwesenden zum Kartäuserkongress. (Bild: Andrea Stalder)

Christof Lampart

thurgau

@thurgauerzeitung.ch

Die schriftliche Aufbewahrung von Wissen war bis weit in die Neuzeit hinein eines der zentralen Anliegen vieler Klöster. Dies galt und gilt bei den kontemplativen, zurückgezogen lebenden und fast ständig schweigenden Kartäusermönchen noch in einem stärkeren Sinne als bei vielen anderen Orden. Schriftkultur und Bibliotheken haben die Lebensweise der Kartäusermönche seit der Ordensgründung im Jahr 1084 massgeblich geprägt. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass das ehemalige Kartäuserkloster Ittingen den Kartäuserkongress 2017 nun durchführt.

An der sehr gut besuchten Kongresseröffnung, welche am Donnerstagabend im «Weinkeller» des Kunstmuseums vonstattenging, griff denn auch die Thurgauer Bildungsministerin, Regierungsrätin Monika Knill, den Gedanken auf, wie wichtig es auch im Informationszeitalter des Internets sei, Orte zu haben, die nicht nur Informationen verbreiteten, sondern zentral für eine reflektierte Wissensvermittlung stünden. Dennoch: «Sammeln, Kopieren, Verbreiten sind Tätigkeiten, die an Aktualität kaum zu überbieten sind, denn unsere Gesellschaft ist die Informationsgesellschaft schlechthin», stellte Knill fest. Damals wie heute seien Informationen die Basis vieler zukünftiger Handlungen und Entwicklungen. «Der Datenbesitz ist somit das Rohöl der Gegenwart und der Zukunft», so Knill.

Nichtsdestotrotz würde es vielen Menschen guttun, wenn sie sich wieder einmal mit der analogen Schriftlichkeit im Rahmen einer Bibliothek beschäftigen und nicht einfach Informationen googelten. Die Bibliothek als Ort von komprimiertem Wissen und Ruhe habe über Generationen hinweg «die Sorgfalt des Denkens und des Schreibens geformt».

Kongressprogramm: Nicht nur historische Themen

Dass dies im 21. Jahrhundert jedoch weitestgehend ein frommer Wunsch sein dürfte, zeigt auch das Kongressprogramm selbst, sind es doch nicht nur historische Themen, welche die internationalen Kartäuser-Forscherinnen und -Forscher in den Thurgau brachten, sondern auch Fragen über neuzeitliche Bibliotheks­kataloge bis hin zur digitalen Zusammenführung und der Präsentation einzelner Sammlungen.

In die Vergangenheit blickte im Auftaktreferat Margrit Früh zurück. Die ehemalige Direktorin des Historischen Museums des Kantons Thurgau, welche auch für die Einrichtung und Leitung des Ittinger Museums zuständig war, sprach über zwei ausserhalb des Klosters gefundenen Ittinger Bibliothekskataloge aus den ­Jahren um 1620 und 1717, deren Werke sie in «jahrelanger Kleinstarbeit» transkribierte und miteinander verglich. «Ich muss sie noch etwas bereinigen, dann werden sie der Kantonsbibliothek zur Forschung zur Verfügung ­gestellt.» Viele Werke des älteren Katalogs seien auf Betreiben des damaligen Priors der Kartause Ittingen, des kulturell interessierten Bruno Müller, angeschafft worden, teilweise auch Schenkungen von Autoren, die der 30-jährige Krieg in die Ittinger Kartause trieb und die dadurch ihre Dankbarkeit bekundeten.