Biber prägt das Landschaftsbild

MÜNCHWILEN. Seit kurzem sind am Krebsbach bei Münchwilen Biberspuren zu finden. Roman Kistler von der Jagd- und Fischereiverwaltung Thurgau vermutet ein Einzeltier. Bleibt es, wird es das Landschaftsbild voraussichtlich verändern.

Belinda Halter
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Der Biber hinterlässt deutlich seine Spuren. (Bilder: bel.)

Der Biber hinterlässt deutlich seine Spuren. (Bilder: bel.)

Der Krebsbach bei Münchwilen in Richtung Mörikon bietet Spaziergängern seit kurzem ein neues Bild. Zahlreiche angenagte Baumstämme und Holzraspel säumen das Bachbett. Wohin die Hölzer verschwunden sind, wird schnell klar, betrachtet man die zwei Dämme im Bach. Dass diese nicht aus menschlicher Hand geschaffen wurden, bestätigen schliesslich die kleinen Nagespuren im Holz. Obwohl die Tiere nicht zu sehen sind, ist klar: Am Krebsbach hat es Biber. Roman Kistler von der Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau bestätigt dies.

Von der Murg aufgestiegen

Vor ein paar Monaten hat sich der zuständige Fischereiaufseher beim kantonalen Amt gemeldet. Darauf besuchte ein Vertreter der Jagd- und Fischereiverwaltung die Stelle. «Wir können noch nicht sagen, ob es sich um ein Einzeltier oder um eine Familie handelt», sagt Kistler. Für ihn weisen jedoch viele Faktoren auf einen einzigen Biber hin. So spreche nicht nur die Holzmenge für ein Einzeltier. «Wir konnten keine Nagespuren von Jungtieren entdecken. Ausserdem ist gerade im April und Mai die Zeit, in der sich die Jungtiere auf Wanderschaft machen», erklärt er.

Denn sobald sie zweijährig sind, werden die Biber von ihren Eltern vertrieben. Sie müssen abwandern und sich ein neues Revier suchen. «Das ist ein normaler Prozess. Der Biber in Münchwilen ist wahrscheinlich von der Murg her aufgestiegen», sagt Kistler. So macht es der Münchwiler Biber wie viele seiner Artgenossen vor ihm. Durch diese Wanderungen dem Gewässer entlang verbreitet sich der Biberbestand erst.

Im Moment gibt es im Kanton Thurgau ungefähr 350 bis 400 Biber. «Die Biberbestände haben sich mittlerweile erholt», sagt Kistler und bezieht sich damit auf die Bestände des 19. Jahrhunderts. Damals war der Biber in der ganzen Schweiz ausgerottet, hauptsächlich weil er gejagt wurde und viel Lebensraum verloren ging. Der Bund stellte das Tier danach zwar unter Schutz, eine Aussetzung veranlassten jedoch private Tierschützer. So setzte man in den 1960er-Jahren im Thurgauer Seebachtal erstmals Biber aus. «Die heutige Population hat sich aus diesen Aussetzungen ergeben», sagt Kistler.

Nicht schön, aber nutzvoll

Nicht immer finden die «Wanderer» einen optimalen Platz für ihr neues Revier. Mit seinem geringen Wasserstand kann auch der Krebsbach nicht als solcher bezeichnet werden. «Wenn es in einem Bach nicht viel Wasser hat, baut der Biber einen Staudamm. So hat er genug Wasser, um sich gut zu bewegen und seinen Eingang zum Bau unter Wasser zu haben», erklärt Roman Kistler.

Durch das Stauen können aber Probleme für die Landwirte entstehen. Denn die Entwässerungsrohre, die das überflüssige Wasser von den Feldern in Bäche führen, können dann nicht mehr ablaufen. In einem solchen Fall nimmt sich die Jagd- und Fischereiverwaltung des Problems an. Entstehen Schäden in landwirtschaftlichen Kulturen wie einem Zuckerrübenfeld oder am Wald, übernehmen Bund und Kanton die Kosten. Eine Beschwerde von Münchwiler Landwirten hat Roman Kistler allerdings noch keine erhalten.

Die Bewohner müssen sich jedoch auf ein sich veränderndes Aussehen des Baches und seiner Umgebung einstellen, denn Biber sind landschaftsgestaltend. «Wird ein Gebiet von einem Biber intensiv genutzt, prägt dies das Landschaftsbild», erzählt Kistler. Mag das Wirken der Biber ein Gebiet auch nicht verschönern, so hat es doch seinen Nutzen. «Die Biber sind eine ökologische Bereicherung», sagt er. So wird ein Gebiet durch die Biber artenreicher. Denn vom Wirken der Nager profitieren zahlreiche andere Tierarten.

Viele Leute seien sich nicht über die grossen Auswirkungen der Biber auf die Natur bewusst, bedauert Kistler. Viele hätten die Vorstellung einer aufgeräumten und gepflegten Landschaft. Im ökologischen Sinn sei dies ein falsches Bild. So gibt es immer wieder Fälle, in denen sich Personen an den Bibern stören.

Eigenmächtig etwas an den Dämmen und Bauten zu machen ist jedoch untersagt. Nur mit einer Bewilligung und in Absprache mit der Jagd- und Fischereiverwaltung können Massnahmen getroffen werden. Ansonsten muss mit einer Verzeigung gerechnet werden.

Biber entscheidet selber

Ob der Biber in Münchwilen bleibt oder weiterwandert, wird sich zeigen. Entscheidend ist dabei eine ausreichende Nahrungsgrundlage und dass sich der Nager ungestört fühlt. Für Roman Kistler ist dies schwierig zu beurteilen. «Der Biber entscheidet schliesslich selber, wo er bleiben will», sagt er lachend.

Angenagte Äste und ein Baumstamm: Die Spuren am Krebsbach bei Münchwilen deuten eindeutig auf einen Biber hin. (Bilder: bel.)

Angenagte Äste und ein Baumstamm: Die Spuren am Krebsbach bei Münchwilen deuten eindeutig auf einen Biber hin. (Bilder: bel.)