Biber leidet unter Personalknappheit

Lieber spät als nie: Das auf diesen Sommer angekündigte Biberkonzept des Kantons kommt spätestens Ende Jahr. Denn die Stelle des wissenschaftlichen Mitarbeiters in der Jagd- und Fischereiverwaltung ist erst seit kurzem wieder besetzt.

Mathias Frei
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Roman Kistler (Bild: Nana do Carmo)

Roman Kistler (Bild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. «Das kantonale Biberkonzept wird im Laufe der nächsten drei Monate kommen», verspricht Roman Kistler, Amtsleiter der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung. Kistler begegnet damit der Kritik, welche der WWF und Pro Natura Thurgau vorgestern in der Thurgauer Zeitung vorgebracht hatten. Toni Kappeler, Präsident von Pro Natura und grüner Kantonsrat, hatte sich darüber geärgert, dass das Biberkonzept des Kantons schon seit über drei Jahren auf sich warten lasse. In dieser Zeit hätten sich die illegalen «Konfliktlösungen» wegen Biberschäden gehäuft.

Biberkonzept verspätet sich

Diesen Frühling wurde Kappeler in einer Einfachen Anfrage beschieden, dass das Konzept voraussichtlich im Sommer verabschiedet werde. Die abermalige Verspätung des Biberkonzepts entschuldigt Kistler mit den in jüngster Vergangenheit zu knappen Ressourcen und anderer Prioritätensetzung in seinem Amt. Die Stelle des wissenschaftlichen Mitarbeiters war vorübergehend unbesetzt. Der neue Stelleninhaber habe nun kürzlich angefangen zu arbeiten, sagt Kistler. Das Thema Biber werde inskünftig von diesem wissenschaftlichen Mitarbeiter betreut.

Kanton ist verantwortlich

Kistler ist «etwas überrascht» über die Lancierung der Biber-Task-Force und der Biber-Hotline durch die zwei Umweltverbände. «Vom Grundsatz her haben wir alle die gleichen Interessen», stellt er fest. Deshalb seien die Umweltverbände auch in der Arbeitsgruppe zum Biberkonzept vertreten. In diesem Gremium sei beschlossen worden, dass die Verantwortlichkeit für eine zentrale Anlaufstelle bezüglich Biber aus rechtlichen Gründen klar beim Kanton verortet sein müsse.

Es spreche nichts gegen die Initiative der zwei Umweltverbände, sagt Kistler. Aber: «Man muss klar sehen, dass diese Task-Force über keinerlei rechtliche Kompetenzen verfügt.» So seien wohl Beratung und praktische Hilfestellung möglich. Aber bei konkreten Eingriffen – etwa baulicher Natur – sei weiterhin die Bewilligung der Jagd- und Fischereiverwaltung notwendig. Das heisse gewiss nicht, dass der Kanton Massnahmen im Sinne des Bibers verhindern wolle, zeige jedoch die beschränkte Reichweite einer solchen Task-Force, sagt der Amtschef.

Kooperation anstrebenswert

Eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen dem Kanton und den zwei Organisationen hält Kistler für anstrebenswert. Das sei auch Thema einer gemeinsamen Sitzung vor einem Jahr gewesen. Auf ein Feedback der Verantwortlichen des WWF und von Pro Natura warte er immer noch.

Kistler hält fest: «Auch wenn das Konzept noch nicht in Kraft getreten ist, setzen wir es inhaltlich seit mehreren Jahren schon um.» Das aktuelle Vorpreschen der beiden Organisationen kann sich Kistler nur damit erklären, dass es ihnen wohl zu wenig schnell vorwärts gegangen sei.

Ein Biber. (Bild: fotolia)

Ein Biber. (Bild: fotolia)