Biber frei zum Abschuss

Der Bund schickt ein neues Biberkonzept in die Vernehmlassung. Dieses erlaubt den Biber je nach Situation zum Abschuss. Doch die Kosten der Infrastrukturschäden, die er anrichtet, bleiben an den Betroffenen hängen – vorerst.

Michèle Vaterlaus
Merken
Drucken
Teilen
Legende (Bild:)

Legende (Bild:)

FRAUENFELD. Er ist herzig. Er ist beliebt. Und er ist eine Plage: Der Biber richtet im Thurgau durch seine Grab-, Nag- und Bauarbeiten einige Schäden an. Weil der Nager aber geschützt ist, können die Betroffenen kaum etwas gegen ihn unternehmen. Nun hat das Bundesamt für Umwelt ein neues Biberkonzept ausgearbeitet. Dieses ermöglicht den Abschuss des Bibers – unter bestimmten Voraussetzungen.

Es braucht eine Bewilligung

Richtet der Nager zu grosse Schäden an, kann der Kanton ein Gesuch an den Bund stellen. In diesem Gesuch muss er ausformulieren, welcher Biber oder welche Biberfamilie entfernt werden soll. Ebenso ausgewiesen werden muss, wie gross das Ausmass des Schadens und die allenfalls dadurch entstehende Gefährdung für Menschen ist – beispielsweise durch untergrabene Wege, die einstürzen können. Der Bund bewilligt dann den Abschuss. Oder auch nicht. «Ist die Entfernung des Bibers bewilligt, dann ist diese zeitlich beschränkt», sagt Caroline Nienhuis, beim Bundesamt für Umwelt zuständig für das Bibermanagement. Das heisst: Ist ein Biber erst einmal weg, dauert es nicht lange, bis ein neuer Biber das Revier besetzt. In der bleibenden Zeitspanne sollen die Grundeigentümer Präventionsmassnahmen ergreifen, damit der Biber nicht wieder einen Schaden anrichten kann. Sprich: Bei einem Wanderweg, der von einem Biber untergraben wurde, sollen beispielsweise Gitter eingebaut werden, damit der Biber nicht wieder unten- durch graben kann.

Ganz neu ist die Möglichkeit, den Biber abzuschiessen allerdings nicht. «Rein theoretisch ist der Abschuss oder die Entfernung des Bibers schon seit 2012 möglich, nämlich seitdem die Jagdverordnung revidiert wurde», klärt Roman Kistler von der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung auf. «Im neuen Biberkonzept ist nun einfach der genaue Vorgang ausformuliert», wie Caroline Nienhuis weiter erklärt. «Es gibt aber auch andere Wege, um die Probleme mit dem Biber zu umgehen», sagt sie. So seien die Kantone gesetzlich verpflichtet, Gewässerräume auszuscheiden. Das bedeutet, dass Gebiete von 15 bis 20 Metern rund um die Gewässer unbebaut bleiben müssen. Dieser Platz reiche den Bibern zum Leben aus.

Umsiedeln statt töten

Für diese Variante macht sich auch Philip Taxböck, Projektleiter von Hallo Biber Ostschweiz, stark. «Ich bin konsequent gegen das Töten der Tiere.» Er verweist zudem auf andere Möglichkeiten, den Biber loszuwerden, wenn der Schaden zu dramatisch ist. «Man kann ihn einfangen und umsiedeln. So haben wir es bei der Sanierung des Kraftwerks in Bürglen gemacht.» Doch Taxböck betont auch: «85 Prozent der Biber machen keine Probleme.»

Im neuen Biberkonzept nicht enthalten ist die finanzielle Beteiligung des Bundes, wenn der Nager Infrastruktur beschädigt hat. Eine Standesinitiative des Kantons Thurgau, die genau das fordert, liegt derzeit beim Bund und sollte noch im Parlament behandelt werden.

Die Initiative ist auf Anstoss von Kantonsrat Paul Koch (SVP, Oberneunforn) eingereicht worden. Er kritisierte, dass Bund und Kanton zwar die Kosten von Biberschäden an Land- und Forstwirtschaft übernehmen, jedoch nicht Kosten von Infrastrukturschäden. Er betonte in der Diskussion im Grossen Rat vom letzten Herbst zudem, dass die Schäden – entgegen der Aussagen des Regierungsrates – höher sind als nur 20 000 Franken jährlich. Schon ein einzelner Schadenfall könne diesen Betrag erreichen.

Vor rund einem Jahr hatte Bundesbern bereits einen ähnlichen Vorstoss behandelt. Der Nationalrat hatte ihn jedoch verworfen. • WEINFELDEN 45

Philip Taxböck Projektleiter von Hallo Biber Ostschweiz (Bild: pd)

Philip Taxböck Projektleiter von Hallo Biber Ostschweiz (Bild: pd)