Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BEZIRK FRAUENFELD: 19-Jähriger vergeht sich erneut an Stute

Vor zwölf Tagen nahmen Kantonspolizisten einen jungen Täter zum zweiten Mal wegen desselben Delikts fest. Er hatte sich an einer Stute vergangen.
Peter Exinger
Die Stute Really Sizzlin wurde Opfer eines Sexualverbrechers. (Bild: TTSV/PD)

Die Stute Really Sizzlin wurde Opfer eines Sexualverbrechers. (Bild: TTSV/PD)

Am liebsten würden über diesen Fall alle schweigen. Es ist einfach zu beschämend. Ein junger Mann hat im Stall eines Bauernhofes im Thurgau in den letzten Wochen und Monaten mehrmals ein Pferd geschändet. Der Einsatz der Kantonpolizei im Bezirk Frauenfeld konnte nicht im Verborgenen ablaufen. Mehrere Einsatzfahrzeuge waren bei seiner Verhaftung unterwegs, darunter ein Kastenwagen.

Der Hof, auf dem der Vorfall passiert ist, steht allein. Mehrere Pferde leben auf dem Anwesen. Hier hat eine Tierhalterin* aus dem Kanton Schaffhausen auch ihre Appaloosa-Stute Really Sizz­lin untergebracht. Das Tier hat schon einige Jahre auf dem Buckel, es ist dreissig Jahre alt, benötigt besonderes Futter und liebevolle Pflege.

Angefangen hat alles im letzten Jahr mit dem Fund einer ­Evian-Flasche im Stall – woher die wohl stammt, wunderte sich die Tierhalterin. Auch verhielt sich ihre Stute «komisch». Irgendetwas muss im Stall vorgehen, da war sie sich gleich sicher. Sie wollte wissen, was. Treibt sich vielleicht jemand unerlaubt im Stall herum? Als naheliegend erschien die Anschaffung und In­stallation einer Kamera mit Bewegungsmelder, wie sie auch Jäger vielfach verwenden.

Sie liegen über Wochen auf der Lauer

Gleich beim ersten Einsatz schiesst die Kamera zwei Bilder. Auf den Fotos ist aber nicht zu erkennen, was der Mann im Stall genau getan hat. Die Tierhalterin legt sich mit ihrem Partner mehrere Male auf die Lauer. Über Wochen hinweg. Vor allem in den Abendstunden. Sie informieren die Jäger in der Umgebung und bitten, ihre Augen offen zu halten. Von da an sei aber Ruhe gewesen.

Diesen Sommer hatte die Tierhalterin wieder das Gefühl, etwas stimme nicht im Stall und mit ­Really Sizzlin. Nun ergreift sie auch spurtechnisch vorsorgliche Massnahmen, um ihren Verdacht zu bestätigen. Sie schmiert die Vulva der Stute mit stark haftender Zinkcreme ein, weil sie das Geschlecht auffällig sauber und ölig vorgefunden hatte.

Die Kamera zeichnet im Juli viermal einen Mann im Stall auf – das Gerät läuft nun im Videomodus. Die Zinksalbe war nach den Vorgängen nicht mehr sichtbar. Die Tierhalterin informiert die Kantonspolizei. Die Falle schnappt Anfang August zu. Die Einsatzkräfte nehmen einen jungen Mann in Gewahrsam und bringen ihn zur Einvernahme aufs Revier. Der 19-jährige Täter hat die Stute penetriert. Zuerst leugnet er noch.

Die Tierhalterin fällt ein Riesenstein vom Herzen – für sie sind Pferde «einfach alles». Aber der Täter ist ja nun gefasst. Alles ist gut. Ihrer geliebten Stute wird nun niemand mehr irgendetwas Verbotenes antun. Schliesslich hat selbst die Polizei gesagt: Der Täter kommt nicht wieder.

Der Täter taucht im Bademantel auf

Doch zwei Tage später, am Donnerstag, 10. August, taucht derselbe junge Mann bekleidet mit einem Bademantel abermals im Stall auf. Geht mit einem Kanister in der Hand zielstrebig auf die Stute zu, als würden ihn die anderen Pferde gar nicht interessieren, steigt hinter der Stute auf den Kanister «damit er die Höhe hat» und… seine Handlungen lassen nur einen Schluss zu.

Diesmal stellen die Tierhalterin und ihr Partner den Mann in flagranti. Der flieht Hals über Kopf zu Fuss. Lässt sein Auto aber in der Nähe stehen. Die Polizei ist alarmiert. Und nimmt den Täter nun zum zweiten Mal fest. Diesmal ist der Aufenthalt auf dem Revier nicht mehr nur von kurzer Dauer. Der junge Mann sitzt ein paar Tage in Untersuchungshaft.

Really Sizzlin zeigt sich in den nachfolgenden Tagen gedämpft und schreckhaft. Auch mit ihrem Appetit steht es nicht zum Besten. Die Polizei entnimmt Proben für einen allfälligen DNA-Nachweis des Täters. Es ist nicht auszuschliessen, dass der Täter dem Pferd Sedativa verabreicht hat, damit es sich ruhig verhält.

Offiziell will in diesem Fall niemand mit Journalisten sprechen. Angst und Scham scheinen allgegenwärtig. Nur die Kantonspolizei Thurgau bestätigt: «Die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen hat eine Strafuntersuchung wegen Verdachts auf Hausfriedensbruch und Tierquälerei eröffnet. In diesem Zusammenhang wurde auch eine Person durch die Kantonspolizei Thurgau vorübergehend festgenommen und befragt. Die Ermittlungen sind nach wie vor im Gange, weshalb derzeit keine weiteren Auskünfte erteilt werden können.»

Hinweis

* Name der Redaktion bekannt

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.