BEVÖLKERUNGSSCHUTZ: In der Krise übernimmt der Führungsstab

An einer Fachkonferenz in Kreuzlingen haben sich Bevölkerungsschützer der Bodenseeregion auf eine internationale Katastrophenübung vorbereitet. Das Wichtigste dabei ist die Zusammenarbeit.

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Trifft eine Naturkatastrophe die Bodenseeregion, sind gleich mehrere Länder davon betroffen. Mit einer sogenannten Stabs­rahmenübung im Juni wollen alle betroffenen Führungsstäbe den Umgang mit dem Ernstfall proben. Das Szenario: Ein Orkan – wie zum Beispiel «Kyrill» vor genau zehn Jahren – fegt über den Bodensee. Auf Schweizer Seite wird die Krise zusätzlich mit einer hoch ansteckenden Tierseuche – etwa die Vogelgrippe – ergänzt.

«Grundsätzlich beschäftigt sich jede Region selbständig mit der Krise», sagt Michel Sennhauser, Leiter der Thurgauer Fachstelle Bevölkerungsschutz. «Man will sich aber unterstützen und pflegt einen Austausch.» Schliesslich betreffe beispielsweise ein Bodenseehochwasser auf Schweizer Seite die deutsche Seite genauso.

Gemäss Bettina Kunz, Informationsbeauftragte des Kantons Thurgau, wolle man auch einheitlich gegen aussen auftreten: «Wenn etwas passiert, informiert in der Regel die Kantonspolizei. Sobald aber der kantonale Führungsstab die Situation übernimmt, ist der kantonale Informationsdienst für die Kommunikation nach aussen zuständig.» Wichtig sei, dass die Führungsstäbe im Thurgau oder in Schaffhausen dieselben Informationen kommunizieren wie die Führungsstäbe der Landkreise Konstanz und Scharzwald-Baar-Kreis sowie der Regierung Freiburg.

Der Plan für den Ernstfall in der Schublade

Am Donnerstag haben sich mehr als 200 Bevölkerungsschützer und Experten in Kreuzlingen zu einer Fachkonferenz getroffen. Thema war die Koordination von Massnahmen, Ressourcen und Kommunikation. Bettina Kunz hat mit Mediensprechern aus Deutschland und den Grenzwachtkorps in einem Workshop darüber diskutiert, wie die Kommunikation im Krisenfall angegangen werden müsste.

Ein wichtiger Punkt war gemäss Sennhauser auch der Leitsatz «In Krise Köpfe und Kompetenzen kennen». Diese vier K seien die Grundlage zur Krisenbewältigung. Deshalb sei die Fachkonferenz auch dazu da gewesen, einander kennen zu lernen und Handlungsabläufe zu planen. «Wenn ein Ereignis eintrifft, müssen wir die Arbeit nicht erst noch machen, sondern können den Plan für die Vorgehensweise nur noch aus der Schub­lade ziehen.» Das helfe im End­effekt, die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten.

Eine im Jahr 2013 durchgeführte Risiko- und Gefährdungsanalyse sowie ein Blick in die jüngere Vergangenheit hat laut Sennhauser gezeigt, dass Szenarien wie ein Orkan oder eine Tierseuche im Thurgau nicht unwahrscheinlich sind. «Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass eine solche Krise ein grösseres Ausmass annimmt und zusätzliche Mittel des Bundes nötig werden.» Die Übung im Juni wird daher vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz geleitet. Auch der deutsche Zoll und das Schweizer Grenzwachtkorps sowie die Führungsunterstützung des Zivilschutzes sind involviert. «Vor allem mit dem Landkreis Konstanz pflegen wir bereits eine enge Zusammenarbeit», sagt der Thurgauer Bevölkerungsschutz-Chef. Durch die Übung soll diese mit allen Beteiligten vertieft werden.

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch