Bettwieser Pragmatismus

Südsicht

Olaf Kühne
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Bettwiesen macht’s vor. Sonst nicht gerade die auffälligste Gemeinde im Hinterthurgau, zeigt der Gemeinderat des beschaulichen Dorfes an der St. Galler Kantonsgrenze, wie direkte Demokratie funktioniert. Zuerst aber das «Was bisher geschah»: Einst ging Bettwiesen löblicherweise einen äusserst pragmatischen Weg. Zur Einrichtung von Tempo-30-Zonen stellte man – eigentlich logisch – Verkehrsschilder mit der Zahl 30 drauf an den Strassenrand.

Der Kanton beharrt nun aber auf dem obligaten Beigemüse: Mindestens Farbe auf dem Boden, wenn nicht gar Betonklötze, Schwellen, Blumenkübel oder womit man die Tiefbauindustrie sonst noch glücklich machen kann. Kostet einen Haufen Geld, aber irgendwie muss man schliesslich die Steuergelder wieder in Umlauf bringen. Die Bettwieser Stimmbürger konnten sich mit dem Vorhaben an der letzten Gemeindeversammlung dennoch nicht ganz anfreunden.

Vielleicht, weil es ja ihre Steuergelder sind. Oder, weil diese Betondinger manchmal wirklich doof aussehen. Man weiss es nicht. Hingegen will der Gemeinderat nun wissen, ob die Bettwieser überhaupt noch Tempo 30 im Dorf wollen. Und diese Frage stellt die Behörde mittels unkomplizierter Meinungsumfrage im Gemeindeblatt und auf der Gemeindewebsite. Teilnehmen dürfen also auch Menschen, die zwar Steuern bezahlen müssen, sonst aber nichts zu sagen haben: Ausländerinnen und Ausländer. So geht direkte Demokratie. Ob Bettwiesen nun so unkompliziert wie einst Tempo-30-Zonen auch bald ein echtes Ausländerstimmrecht einführt? Zu wünschen wär’s.

Olaf Kühne

olaf.kuehne

@thurgauerzeitung.ch