BETTWIESEN: Ein weiteres Jahr unter fremder Kontrolle

An der heutigen Versammlung hätten die katholischen Kirchbürger eine neue Behörde wählen sollen. Dazu wird es mangels Kandidaten nicht kommen.

Simon Dudle
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Simon Dudle

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Die Zukunft der Katholischen Kirchgemeinde Bettwiesen bleibt ungewiss. Seit vor mittlerweile mehr als einem Jahr nach Anfeindungen die Kirchenvorsteherschaft geschlossen zurückgetreten ist, geht die Kandidatensuche mehr als nur schleppend voran. Mindestens drei der fünf Sitze müssten besetzt werden, um handlungsfähig zu sein. Da bis gestern aber weiterhin nur zwei Personen, die namentlich nicht genannt werden, zur Verfügung standen, muss das Traktandum «Behördenwahlen» an der heutigen Kirchgemeindeversammlung verschoben werden – ausser, es melden sich an der Versammlung noch Kandidaten. Der kommisarische Verwalter Paul Rutishauser hat aber geplant, bei Versammlungsbeginn einen Antrag auf Verschiebung zu stellen.

Wann die Ersatzwahl stattfinden wird, ist offen. Möglich wäre sie, so denn Kandidaten gefunden werden, im Herbst dieses Jahres. Allerdings brächte das laut Rutishauser Schwierigkeiten mit sich, da sich die neue Behörde sofort um den Rechnungsabschluss kümmern müsste. Darum dürfte frühestens an der Versammlung in einem Jahr eine neue Behörde gewählt werden.

Dass die Lösung mit einem kommissarischen Verwalter fortgeführt wird, ist nicht im Sinne der Sache – und auch nicht der katholischen Landeskirche. «Wir müssen es so akzeptieren. Mit Paul Rutishauser ist aber Ruhe eingekehrt. Darum ist es besser, die Situation zu belassen, wenn dafür eine neuerliche Lagerbildung verhindert werden kann», sagt Cyrill Bischof, Kirchenratspräsident der Katholischen Landeskirche Thurgau.

Zwang durch Kirchenrat oder Synode möglich

Druck wird also noch keiner aufgebaut. Ende des kommenden Jahres wird sich die Situation aber geändert haben. Im zweiten Halbjahr 2018 sind Gesamterneuerungswahlen angesetzt. Gibt es dann noch immer nicht genügend Kandidaten, sind Fusionsdiskussionen unumgänglich, wobei sich laut Rutishauser primär ein Zusammenschluss mit Lommis anböte. Theoretisch könnten der Kirchenrat oder die Synode, das Parlament der Landeskirche, eine Fusion aufzwingen. Bischof sagt aber, dass er sich an einen solchen Fall nicht erinnern könne und ein solches Vorgehen nur im äussersten Notfall angewandt werde.

Bereits an der heutigen Versammlung werden Weichen gestellt. Denn die Kirchbürger Bettwiesens haben zu entscheiden, ob sie dem Seelsorgeverband Nollen-Thur, dem neun Kirchgemeinden angehören, beitreten wollen. Wird dem zugestimmt, sind dafür zwei Vertreter zu bestimmen. Kandidaten hierzu sind laut Rutishauser vorhanden, werden vor der Versammlung aber noch nicht publik gemacht. Bereits am kommenden Samstag treffen sich die Vertreter der Kirchgemeinden dieses Seelsorgeverbands, um sich an einem Workshop über die Zukunft Gedanken zu machen. Die Ergebnisse tangieren auch Bettwiesen.