Bettenstopp in Alters- und Pflegeheimen

WEINFELDEN. Weil überdurchschnittlich viele alte Menschen in Thurgauer Altersheimen wohnen, obwohl sie kaum Pflege brauchen, hat der Regierungsrat einen Bettenstopp verfügt. Das Moratorium gefährdet laut Jakob Stark die Versorgungssicherheit in der stationären Langzeitpflege nicht.

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Im Thurgau nimmt die Nachfrage nach Betten in Pflege- und Altersheimen zu. (Bild: Donato Caspari)

Im Thurgau nimmt die Nachfrage nach Betten in Pflege- und Altersheimen zu. (Bild: Donato Caspari)

Weil laut einer Studie überdurchschnittlich viele Bewohnerinnen und Bewohner von Thurgauer Alters− und Pflegeheimen einer niedrigen Pflegestufe angehören, hat die Regierung die Zahl der Betten in Alters− und Pflegeheimen bis Ende 2016 auf 3222 Betten beschränkt. Der Bettenstopp trage dem Grundsatz "ambulant vor stationär" Rechnung, sagte Jakob Stark, Vorsteher des Departements Finanzen und Soziales.

Wenn alte Menschen dank der Unterstützung durch die Spitex und andere Hilfsangebote so lange wie möglich zu Hause bleiben könnten, sei das für den Kanton und die Gemeinden viel günstiger. Das Gemeinwesen müsse die insgesamt teurere stationäre Betreuung von alten Menschen stärker mitfinanzieren.

Besorgte Interpellanten
Vertreterinnen und Vertreter von SP und der CVP/GLP Fraktion zeigten sich in einer Interpellation besorgt. Obwohl die Zahl der Demenzkranken stark ansteige und immer weniger Nachkommen diese zu Hause pflegten, habe die Thurgauer Regierung einen Bettenstopp verfügt. Die Beschränkung gefährde die Versorgungssicherheit in der stationären Langzeitpflege, sagte Interpellantin Edith Wohlfender (SP) am Mittwoch.

Personalkosten als Preistreiber
Laut Jakob Stark gibt es trotz des Moratoriums, das bis zur rechtskräftigen Pflegeheimplanung Ende 2016 gilt, genügend Plätze für die Langzeitpflege. Bereits in Planung befindliche und bewilligte Projekte seien nicht vom Bettenstopp betroffen. In den kommenden Jahren werde die Zahl der Pflegeplätze um 300 zunehmen.

Die Verknappung von Betten sei auch kein Preistreiber, sagte Stark. Die steigenden Kosten in der Langzeitpflege seien vielmehr auf die Personalkosten zurückzuführen. Da Personal fehle, steige der Konkurrenzdruck unter den Heimen, was die Löhne in die Höhe treibe. "Umso wichtiger ist es, eine unnötige Ausweitung des Angebots an Pflegebetten zu vermeiden und die Kosten in den Griff zu bekommen", sagte Stark. (sda)

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