BETTENBELEGUNG: Marketing soll es für das Kloster Fischingen richten

Seit 2014 ist das Kloster ein 3-Sterne-Seminarhotel. Jedoch bleibt die Auslastung bisher deutlich unter den Erwartungen. Rote Zahlen sind das Resultat.

Simon Dudle
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Hotelmitarbeiterinnen machen ein Bett – eine Arbeit, welche sie vergangenes Jahr 800-mal weniger verrichten mussten als 2015. (Bild: PD)

Hotelmitarbeiterinnen machen ein Bett – eine Arbeit, welche sie vergangenes Jahr 800-mal weniger verrichten mussten als 2015. (Bild: PD)

Simon Dudle

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Die Zahlen sind ernüchternd: Knapp 6000-mal war vergangenes Jahr im Hotel des Klosters Fischingen ein Bett belegt. Dies entspricht einer Auslastung von nur rund 45 Prozent. Nicht einmal jedes zweite Bett war belegt. Im Vergleich mit dem Vorjahr ist der Wert gar gesunken.

Nach einem Umbau in den Jahren 2013 und 2014 ist das Seminarhotel eröffnet worden. Beim Verein Kloster Fischingen setzte man sich zum Ziel, bis 2018 eine Auslastung von 70 Prozent zu erreichen. Davon rückt Klosterdirektor Werner Ibig nicht ab: «Diese Vorgabe wurde nicht revidiert – und wir sind im laufenden Jahr gut unterwegs.»

Als sich die unbefriedigenden Zahlen letztes Jahr immer deutlicher abzeichneten, wurde im Spätsommer eine Analyse des vor der Hoteleröffnung erstellten Businessplans vollzogen – zusammen mit einem Fachmann der Hotellerie. Diese bestätigte grundsätzlich den Plan, förderte aber auch zutage, dass vor allem im Marketingbereich erhebliche Defizite vorhanden sind. Einige Diskussionsrunden in der Strategiekommission und dem Vereinsvorstand später war man sich einig, dass es nun eine Marketingoffensive braucht. Diese soll in erster Linie über Direktansprache erfolgen. «Wir wollen aktuelle Kunden ansprechen. Aber auch jene, die mal bei uns waren», sagt Ibig. Im April wurde nun entschieden, für diese Zwecke auf Mandatsbasis eine Person einzustellen. Zudem wurde durch interne Umstrukturierungen eine zusätzliche Stelle geschaffen.

Hoffnung auf mehr Spendengelder

Die tiefe Belegungszahl hat zur Folge, dass auch im finanziellen Bereich die Trendwende noch nicht geschafft wurde. «Es gelingt uns nicht, den Betrieb kostendeckend zu betreiben. Es ist eine unbefriedigende Situation, die uns nicht ruhen lässt», schreibt Roman Müggler, Präsident des Vereins Kloster Fischingen, im Jahresbericht. In Zahlen ausgedrückt liest sich dies so: Vergangenes Jahr resultierte ein Verlust von gut 613000 Franken, womit sich das Eigenkapital auf 1,66 Millionen Franken reduziert hat. Da dieses ohne Anpassungen schon in wenigen Jahren aufgebraucht wäre, sind Massnahmen unerlässlich. Ein unbefriedigendes Vorgehen wäre, Land zu verkaufen und sich so über die Zeit zu retten. Im Vorstand hat man sich entschieden, eine grosse Fundraising-Aktion zu lancieren. Der Zufluss an Spendengeldern soll damit markant gesteigert werden.

Resultierten daraus im vergangenen Jahr rund 100000 Franken, so soll es künftig jährlich mindestens eine halbe Million sein. Dies mit dem Ziel, künftig eine «schwarze Null» zu schreiben, wie Ibig sagt. Ebenfalls aus finanziellen Überlegungen wird seit über einem Jahr auf den Einsatz eines ausgebildeten Hoteliers verzichtet.

Noch nicht zu Ende diskutiert

Zudem haben die Klosterverantwortlichen auch das Gespräch mit dem Kanton Thurgau gesucht. Unterstützung von der öffentlichen Hand gibt es aktuell indes nicht. «Da in der öffentlichen Wahrnehmung aber die Meinung vorherrschte, dass wir regelmässige Beiträge vom Staat erhalten, lag es nahe, beim Kanton ein Gesuch um Unterstützung zu stellen», sagt Ibig.

Jedoch kam von der Regierung eine Absage. «Diese liess uns aber die Türen für ein Gespräch offen», sagt Ibig. Aus seiner Sicht ist noch nicht alles zu Ende diskutiert und er sieht eine Möglichkeit, dass der Kanton künftig mehr an den Unterhalt beisteuern könnte.

Geld ist auch darum nötig, weil ein grosses Sanierungsprojekt bevorsteht. Der Westflügel des Klosters direkt neben der Kirche muss renoviert werden, was einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingen wird. «Wir brauchen ein ausgereiftes Baukonzept und ein gutes Nutzungskonzept. Dann sind die Chancen bei Stiftungen hoffentlich gut», sagt Werner Ibig.

Zu viele personelle Wechsel

Auch abseits der Finanzen gibt es noch einiges zu tun für die Verantwortlichen: Zum Beispiel mehr Konstanz beim Personal erlangen. Ende des vergangenen Jahres arbeiteten 115 Personen für das Kloster. Laut Ibig gab es zu viele Wechsel, auch in leitenden Funktionen der Gastronomie. «Die Umstellung vom Bildungshaus zum Seminarhotel war doch grundlegender als gedacht. Die Anforderungen haben sich grundlegend geändert. In diesem Jahr ist zum Glück Ruhe eingekehrt», sagt Ibig.

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