Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Bett, Frühstück, viel Gastfreundschaft

Vor zwei Jahren hat Helen Lochbihler ihr Haus in Müllheim für Gäste aus aller Welt geöffnet. Die 63-Jährige will mehr sein als eine Schlummermutter. Um Reisetips ist sie jedenfalls nie verlegen.
Beat W. Hollenstein
Hat gern Menschen um sich: Die Bed-and-Breakfast-Anbieterin Helen Lochbihler aus Müllheim. (Bild: Nana do Carmo)

Hat gern Menschen um sich: Die Bed-and-Breakfast-Anbieterin Helen Lochbihler aus Müllheim. (Bild: Nana do Carmo)

Müllheim. Acht Gäste in vier hübsch hergerichteten Zimmern kann Helen Lochbihler in ihrem Haus beherbergen. Und falls noch jemand klingeln sollte, räumt die 63-Jährige schon mal ihr eigenes Zimmer, übernachtet auf der Couch oder in der «Wöschchuchi». Sie tut's, weil sie gern Menschen um sich hat, «und weil ich davon lebe».

Das Riegelhaus mit dem steilen Satteldach an der Bahnhofstrasse 17 in Müllheim ist etwas zurückversetzt, und man ist froh um die Hinweisschilder. Hier, in einer ehemaligen Remise, hat Helen Lochbihler ihr «B'n'B» eingerichtet. Lochbihler? Der Name klingt zwar fremd, doch seine Trägerin ist eine waschechte Müllheimerin. Als geborene Gubler ist sie sogar Bürgerin und kriegt jedes Jahr den traditionellen «Bürgerhau» – Holz, um den Kachelofen einzuheizen.

Gästehaus «Caspar G»

Aufgewachsen ist Helen Lochbihler im Bauernhaus nebenan, als mittleres von drei Mädchen. Den Schopf, der 1984 von ihrer inzwischen verstorbenen jüngeren Schwester Lotti zu einem Wohnhaus ausgebaut worden ist, hat ihr Urgrossvater Caspar Gubler 1898 erstellt. Und nach ihm heisst das Gästehaus «Caspar G». 2009 ist im Wintergarten ein Bücher- und Internetcafé hinzugekommen.

Helen Lochbihler schätzt die Auslastung ihres Hauses auf rund 50 Prozent, sommers wie winters. Wer nächtigt denn hier, liegt Müllheim doch ziemlich abseits der touristischen Trampelpfade? «Es sind nicht nur Feriengäste, die mit dem Rad unterwegs sind, oder Familien, die an einem Tag ins Connyland gehen und am nächsten Tag ins Sealife nach Konstanz, sondern auch Arbeiter, Lehrlinge und Geschäftsleute, die in einer hiesigen Firma temporär arbeiten oder ein Praktikum machen», erklärt die Gastgeberin. Sie brauchen ein günstiges Dach über dem Kopf und ein währschaftes Frühstück.

Die liebsten Gäste sind ihr diejenigen, die in ihr nicht nur die «Schlummermutter» sehen, sondern sie auch um Reisetips angehen. Denn um diese ist sie nie verlegen, plagte sie doch früher selbst das Fernweh. Nach dem Welschlandjahr folgte ein Haushaltjahr in den USA, «dafür liess ich den Lehrabschluss als Postbeamtin sausen».

Sitzleder vor allem im Velosattel

Ihren Mann, den Österreicher Hansjörg Lochbihler, lernte sie in einer Saisonstelle in Davos kennen, geheiratet wurde 1970 in Kanada. Als ein Sohn und eine Tochter hinzukamen, wurde die Familie in Affoltern am Albis sesshaft; 1995 wurde die Ehe geschieden.

Sitzleder bewies Helen Lochbihler vor allem auf dem Velosattel. Ab 1981, bereits Mitte dreissig, beteiligte sie sich an Radrennen, liess bis 1986 keine Schweizer Meisterschaft aus. «Bis ganz nach vorn habe ich es nicht geschafft», sagt sie. Dass sie tiefstapelt, zeigen diverse Pokale, die unter anderem auf dem Gäste-Klo stehen.

Tochter als Mechanikerin

2000 arbeitete die viersprachige Müllheimerin als Volunteer an den Olympischen Spielen in Sidney, im Pressezentrum der Reiter. Danach war sie unter anderem als Reiseleiterin in Neuseeland tätig. Von ihrer Abenteuerlust zeugt auch folgende Episode: 1995 stellte sie als Sportlicher Direktor vor allem aus neuseeländischen Rennfahrern ein Ad-hoc-Team für die Hessenrundfahrt zusammen. Im Begleitwagen war auch Tochter Marion dabei – als Mechanikerin. Kein Wunder, hängen die Gäste an ihren Lippen, wenn Helen Lochbihler aus ihrem Leben erzählt.

2005 kehrte sie ins Heimatdorf zurück, um ihre jüngere krebskranke Schwester zu pflegen. Seither ist sie sesshaft. Dafür holt sie sich Gäste aus aller Welt ins Haus.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.