«Betroffene wissen, wie heikel der Heilige Abend ist»

Nachgefragt

Doris Tokay
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Doris Tokay von der kantonalen Fachstelle Häusliche Gewalt spricht vom Konfliktpotenzial der Festtage und erklärt, warum die meisten Übergriffe trotzdem erst im Januar geschehen.

Frau Tokay, kracht es unter dem Christbaum häufiger?

Weihnachten ist tatsächlich eine heikle Zeit. Es gibt hohe und unterschiedliche Erwartungen, viele schwellende Konflikte und mehr Alkohol. Das birgt hohe Spannung.

Zeigt sich das in der Anzahl eingehender Notrufe?

Die Polizei hat gewiss viel zu tun, aber die Einsätze im Bereich der häuslichen Gewalt steigen nicht dramatisch über die Festtage. Das passiert eher im Januar.

Weshalb?

Ich vermute, dass sich die überbelasteten Leute während der Feiertage gehen lassen und abschalten. Anfang Januar, wenn die Arbeit wieder losgeht, bricht alles zusammen. Sie merken, dass sie all die alten Probleme mit ins neue Jahr genommen haben.

Und dann entgleitet ihnen die Kontrolle?

Genau. Leute, die handgreiflich werden, sind oft in vielen Alltagssituationen überfordert.

Was zählt zur häuslichen Gewalt?

Wir reden hier von einfacher bis schwerer körperlicher Straftat, sexuellen Straftaten und Nötigung. Auch Stalking und Drohungen zählen dazu.

Wie könnten Ausschreitungen verhindert werden?

Betroffene wissen in der Regel genau, wie heikel der Heilige Abend ist. Ich rate, miteinander über die eigenen Bedürfnisse zu sprechen und Vorgespräche zu halten, damit das Fest der Liebe nicht in Gewalt endet.

Kommt es zum Eklat: Wohin kann man sich wenden?

Sofortige Hilfe erhält man über den Notruf 117. Sowohl für Opfer als auch für Täter gibt es die kostenlose Möglichkeit, über die Opferhilfe und die Fachstelle «Konflikt. Gewalt» längerfristig Hilfe zu erhalten. (amd)

Fachstelle Opferhilfe Thurgau: 052 723 48 26 Fachstelle Konflikt. Gewalt: 078 778 77 80