Betonieren über dem Abgrund

Die Taminabrücke zwischen Pfäfers und Valens nimmt langsam Form an. Von beiden Talseiten aus wird derzeit der Brückenbogen betoniert – in Fünf-Meter-Schritten. Er soll im kommenden Frühjahr fertig sein.

Adrian Vögele
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PFÄFERS. Wieder sind fünf Meter geschafft: Hoch über dem Taminatal, zuvorderst auf dem angefangenen Brückenbogen auf der Pfäferser Seite, entfernen Arbeiter das Schalmaterial der jüngsten Bauetappe. Schrittweise wird der Bogen der Taminabrücke betoniert – direkt über dem Abgrund. «Das ist eine Arbeit für Spezialisten», sagt Ruedi Vögeli, Leiter Kunstbauten im kantonalen Tiefbauamt. Die Bauleute bewegen sich in luftiger Höhe auf der arg schrägen Fläche des Bogens, zwischen den unzähligen Eisenstangen der Armierung und der Schalung. Auch bei sehr schlechtem Wetter, wie etwa am vergangenen Dienstag – «dann geht es einfach etwas langsamer voran», sagt Vögeli.

Alles hängt an Seilen

Die Brückenbauer, die hier oben zugange sind, bleiben soweit möglich immer im selben Team, die Abläufe sind eingespielt. Für fünf Meter Bogen werden zwei bis drei Wochen benötigt. Auf der Seite Pfäfers sind derzeit 35 Meter Bogen betoniert, auf der Seite Valens 20 Meter – über 200 Meter fehlen noch. So lange der Bogen noch nicht fertig ist und sich selber trägt, hängen die Bauleute sprichwörtlich in der Luft: Alle zehn Meter wird das Bogenstück mit Stahlkabeln zurückgespannt. «Die Kabel sind die Lebensversicherung der Arbeiter», sagt Vögeli. Sie führen über Gerüsttürme, sogenannte Hilfspylonen, an den Hang, wo sie tief im Fels verankert werden. Der Hilfspylon auf der Pfäferser Seite ist bereits jetzt 50 Meter hoch, er wird im Lauf der kommenden Monate auf 100 Meter anwachsen. Für diese Konstruktion sind Stahlteile in einer Grössenordnung notwendig, die auch für Ruedi Vögeli neu ist: «Solche riesigen Gerüstelemente habe ich zuvor noch nie gesehen. Und ich baue doch schon seit 30 Jahren Brücken.»

Platznot in steilem Gelände

Die Taminabrücke wird nicht nur sehr gross – die grösste Bogenbrücke der Schweiz, um genau zu sein – sondern sie entsteht auch in besonders schwierigem Gelände. «Für die Unternehmen, die sich um den Auftrag beworben haben, war das ein zusätzlicher Ansporn», weiss Vögeli. In den Steilhängen ist kaum Platz, um die Unmengen an Material zu lagern, gleichzeitig können die Brückenbauer nur eine beschränkte Anzahl von Kranen einsetzen. «Dadurch ist das Arbeitstempo limitiert. Die Kranführer gehören zu den gefragtesten Leuten auf der Baustelle», sagt Vögeli. Das anfängliche, ehrgeizige Ziel, den Brückenbogen schon dieses Jahr zu schliessen, hat sich als unrealistisch erwiesen. Im nächsten Frühjahr soll es aber so weit sein. Die Eröffnung der Brücke samt Verbindungsstrasse von Pfäfers nach Valens ist nach wie vor im Jahr 2017 vorgesehen.

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