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BESUCH: Niemand soll alleine sterben

Wenn auf Unterstützung angewiesene Personen zu Hause bleiben wollen, kommen oft Begleiter des Hospizdienstes Thurgau ins Spiel – eine kostenlose Hilfestellung, die von unbezahlbarem Wert ist.
Christoph Heer
Judith Gätzi (rechts) kümmert sich seit zwei Jahren um pflegebedürftige Menschen. Migg und Elisa Gremlich sind froh über die Hilfe der Freiwilligen. (Bild: Christoph Heer)

Judith Gätzi (rechts) kümmert sich seit zwei Jahren um pflegebedürftige Menschen. Migg und Elisa Gremlich sind froh über die Hilfe der Freiwilligen. (Bild: Christoph Heer)

Christoph Heer

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Ein verregneter Nachmittag in Frauenfeld. Die zwischenzeitlichen Aufhellungen sind zu kurz für einen Spaziergang mit Emil – besser bekannt als Migg – Gremlich. Ganz kurze Strecken könnte er noch am Rollator gehen, für längere Strecken nimmt er in seinem Rollstuhl Platz. Seine Geschichte stimmt traurig, der heute 85-Jährige erhielt schon 2009 die ersten niederschmetternden Diagnosen. Nichtsdestotrotz sprüht er – sofern es sein allgemeiner Zustand zulässt – vor Lebensfreude; dies auch Dank der liebevollen Unterstützung seiner Frau Elisa, der Spitex und den zwei freiwilligen Begleitern des Hospizdienstes Thurgau.

43 Personen sind aktuell im Auftrag des Hospizdienstes im Einsatz, verteilt über den ganzen Kanton. Mit dem Ziel, Zeit zu schenken – ein ungemein kostbares Gut in der heutigen schnelllebigen Zeit – widmen sie sich den Menschen, denen es nicht mehr gut geht. Seit zehn Jahren begleiten die Freiwilligen des Hospizdienstes Personen jeden Alters, die an einer unheilbaren Krankheit leiden.

«Das Begleiten erfüllt mich mit Freude»

Eine solche Begleiterin ist Judith Gätzi aus Tobel. Vor zwei Jahren begann sie, Menschen zu begleiten, zu betreuen und mit ihnen gemeinsame Stunden zu verbringen. Seit vergangenem Januar widmet sie sich mit viel Empathie, Sympathie und einer grossen Portion Humor dem schwerkranken Emil Gremlich aus Frauenfeld. In Absprache mit Familie Gremlich, Judith Gätzi und dem Hospizdienst durfte unsere Zeitung bei einem Einsatz der freiwilligen Begleiterin dabei sein. Eine Erfahrung, durch die bewusst wird, wie wertvoll diese geschenkten Stunden sind.

An diesem verregneten Nachmittag verbringt Judith Gätzi rund drei Stunden mit Migg Gremlich. Sie sorgt dafür, dass gute Gespräche und sanfte Berührungen ihn etwas vom Leiden ablenken. Zusammen Tee trinken, über Gott und die Welt plaudern und immer wieder nach dem Wohlbefinden des Klienten fragen; Judith Gätzi beherrscht das aus ihrem Naturell heraus. «Es erfüllt mich einfach mit Freude, andere Menschen in ihren oft schwierigen Situationen zu unterstützen. Und es ist definitiv so, dass ich mehr bekomme, als ich gebe.» Worte, die nicht leicht zu verstehen sind. Judith Gätzi betont jedoch, dass die erfahrene Dankbarkeit so viel mehr Wert hat als jede finanzielle Entschädigung. Sie sagt: «Zudem ist es ein toller Ausgleich zu meinem doch eher trockenen Bürojob, den ich in einem 70-Prozent-Pensum erledige.»

Der Tod muss verkraftet werden können

Es sind ehrliche Worte, die auch Migg Gremlich gerne hört. Er zeigt sich bei dem Besuch dementsprechend zufrieden und sagt: «Zu lachen gibt es sowieso immer etwas, wenn die tollen Hospizdienstler bei mir sind.»

Die Freiwilligen kommen nicht erst zum Einsatz, wenn sich ein Mensch in seinen letzten Lebensstunden befindet. Marina Bruggmann, Geschäftsführerin des Hospizdienstes Thurgau, betont, dass Begleitungen manchmal über Jahre hinweg andauern. «Es entwickeln sich so manche freundschaftlichen Beziehungen. Das Ableben eines Patienten müssen unsere Freiwilligen auch verkraften können. Dafür organisieren wir unter anderem Austauschabende oder Impulstage, um Erlebtes zu reflektieren und sich weiterzubilden.»

Entlastung für die Angehörigen

Die Freiwilligenarbeit kommt auch den pflegenden Angehörigen zugute. Elisa Gremlich sagt, dass die Hospizdienstler ungemein wertvoll sind. «Ich bin froh, habe ich meinen Migg noch zu Hause. Aber die wenigen freien Stunden, in denen ich dann raus kann, brauche ich. Ohne die Freiwilligen käme ich wohl gar nicht mehr aus dem Haus. Danke, dass es euch gibt.»

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