Beste Freunde und ihr Caramel

SCHAFFHAUSEN. Ein Designer, ein PR-Manager und ein Schreiner treffen sich ein Wochenende lang auf einem Bauernhof und kochen eine Crème nach einem alten bretonischen Rezept. Das Produkt wird ihnen buchstäblich aus den Händen gerissen.

Ida Sandl
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Die drei Freunde und ihre Caramel-Crème am Martinimarkt: Marcel Theiler, Florian Fröhlich und Felix Schaad. (Bild: Nana do Carmo)

Die drei Freunde und ihre Caramel-Crème am Martinimarkt: Marcel Theiler, Florian Fröhlich und Felix Schaad. (Bild: Nana do Carmo)

800 Gläser «Caramel au Beurre salé». So viel wie noch nie. Ein Wochenende lang haben sie Zucker geschmolzen, haben gerührt, gekocht. Es sei schwierig, den richtigen Punkt zu erwischen, wenn der Zucker zu Caramel wird, sagt Florian Fröhlich. Ein bisschen zu viel Hitze, und es schmeckt angebrannt. Dann kann man es wegwerfen, und das tun sie auch. Denn Florian Fröhlich und seine Freunde Marcel Theiler und Felix Schaad sind Perfektionisten. Sie wollen das beste Caramel.

Designer bei Louis Vuitton

«Mmmh», macht die Frau vor dem Martinimarkt-Stand in Schaffhausen und schliesst geniesserisch die Augen. Eben hat sie einen Löffel «Caramel au Beurre salé» probiert. Es schmecke wie flüssige Nidelzeltli, sagt sie, hält inne, überlegt. «Nein, besser.»

Sie nimmt vier Gläser mit. Florian Fröhlich strahlt. Er trägt eine weisse Kochschürze über der dunkelgrünen Jacke. «Les petits caramels» ist mit schwarzem Faden darauf gestickt. Die Schrift ist gerade so gross, dass man sie gut lesen kann.

Fröhlich ist Designer bei Louis Vuitton in Paris. Der einzige Schweizer, der beim Luxuslabel arbeitet. «Man lernt dort jeden Tag etwas dazu», sagt er, «aber der Druck ist gross». Die Schürze trägt Fröhlichs Handschrift, genauso wie die Gläser: schwarzer Deckel, weisses Etikett, schwarze Schrift. Edel.

Zum drittenmal verkauft das Trio sein Caramel am Martinimarkt. Die drei stammen aus Neuhausen, sind um die 30 Jahre alt und seit ihrer Jugend Freunde. Jedes Jahr ändern sie etwas. «Diesmal haben wir den Verkaufsstand verbessert», sagt Felix Schaad. Das ist sein Fach. Schaad ist gelernter Schreiner, lebt und arbeitet in Arbon als Projektleiter Ausbau. Er sei der Praktiker, der die Ideen von Fröhlich umsetzt. Marcel Theiler ist der PR-Fachmann, der dafür sorgt, dass die Botschaft bei den Kunden ankommt. Zusammen mit Schaads Frau Sabrina sind sie: «Les petits caramels».

Ihre Geschichte begann vor ein paar Jahren, als Fröhlich in der Bretagne eine neue Leidenschaft entdeckte: Caramel mit gesalzener Butter. In den Pariser Läden fand er nur einen faden Abklatsch davon. Er tüftelte mit seiner Freundin daheim in der Küche, bis die Caramel-Crème so schmeckte, wie er sie in Erinnerung hatte. «Sie ist jetzt noch besser als das Original», sagt Fröhlich und lacht breit.

Als er das nächste Mal in die Schweiz kam, hatte Fröhlich ein paar Gläser Caramel im Gepäck. Er liess seine besten Freunde, Theiler und Schaad, probieren. Die Crème schmeckte ihnen. Davon, gesalzenes Caramel selber herzustellen, waren sie anfangs jedoch weniger begeistert.

450 Gläser ausverkauft

Aber nichts ist so gut wie eine Idee, für die die Zeit gekommen ist. Ein Restaurant stellte ihnen am Ruhetag die Küche zur Verfügung. Inzwischen haben sie auf einem Bauernhof einen Raum gemietet. Am Martinimarkt vor zwei Jahren standen die Freunde mit 450 abgefüllten Gläsern am Stand. Nach eineinhalb Tagen war alles weg.

Dieses Jahr haben sie 800 Gläser vorbereitet und Rezepte aufgelegt. Gestern abend waren fast alle verkauft. Gewinn wirft das Geschäft bisher noch nicht ab. Das dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein.

Es gibt bereits Läden, die «Caramel au Beurre salé» führen, wie das Delikatessengeschäft «pickfein» in Wil. Die Crème gibt es auch im Internet unter www. petitscaramels.ch. Ein Glas kostet 9 Franken.

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