Bestätigung einer These

Thursicht

Manuel Nagel
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«Das ist doch nicht möglich», dachte ich, als er nach Ostern plötzlich weg war. Gut, ich bin überzeugt, dass er wohl von niemandem vermisst wird. Und eine Schönheit war er auch nicht gerade, dieser klobige, graue Klotz, der da von Arbon herkommend am Ortseingang von Amriswil stand. Jetzt dürfte Ihnen klar sein, dass ich von einem Radarkasten schreibe.

Über zweieinhalb Jahre stand er ununterbrochen dort. Weshalb ich das noch so genau weiss? Der Blitzer war Sujet einer meiner Kolumnen in der Zeitung der Stadt Amriswil, als ich noch nicht als Redaktor der «Thurgauer Zeitung» arbeitete. Es war vor den letzten Parlamentswahlen, und eines der Wahl­plakate von Hermann Hess hing am Laternenpfahl direkt über dem Blitzer. Klar, fand dieses Plakat grosse Beachtung.

Hess war inzwischen als Nationalrat zurückgetreten, doch der Blitzer stand auch noch dieses Frühjahr dort. Aus «Gwunder» habe ich deshalb bei Stadtpräsident Martin Salvisberg nachgefragt, ob Amriswil den Kasten denn gekauft hätte und so die Stadtkasse aufbessere. Salvisberg verneinte und gestand zugleich, dass – wenn dem so wäre – er seinen Lohn sogar noch etwas quersubventioniert hätte. Der Blitzer gehöre nach wie vor dem Kanton Thurgau, sagte Salvisberg mit leichtem Bedauern.

Ich schrieb darauf meine zweite Kolumne über dieses graue Ungetüm. Dabei stellte ich die zwei Thesen auf, dass es entweder immer noch rentabel sei – oder aber dass der Kanton den Radarkasten schlicht vergessen hatte. Kurz darauf ist der Kasten weg. Und ich weiss jetzt ganz bestimmt, dass meine zweite These zutreffend war.

Manuel Nagel

manuel.nagel

@thurgauerzeitung.ch