Besorgte Etzwiler jubeln verhalten

Der Protest gegen das Etzwiler Geothermieprojekt nimmt den vorläufigen Projektstop, den die Debatte im Grossen Rat verdeutlichte, zur Kenntnis. Zurücklehnen können sich die besorgten Etzwiler aber nicht.

Silvan Meile
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FRAUENFELD. Die besorgten Etzwiler können durchatmen. «Wir freuen uns, dass der Grosse Rat die Bedenken der Gruppe besorgter Etzwiler ernst nimmt», schreibt diese in einer Mitteilung am Tag nach der Behandlung ihrer Petition im Thurgauer Grossen Rat. Nun stehe der Beschluss fest, keine Bohrerlaubnis zu erteilen, bevor die Beratung über das neue kantonale Gesetz zur Nutzung des Untergrunds abgeschlossen sei.

Bohrung vor jeder Haustüre

Solange jedoch keine genauen Kriterien bekannt seien, unter welchen Voraussetzungen künftig Bewilligungen für Geothermieprojekte erteilt werden, bleiben die Sorgen der Etzwiler gross. «Im Gesetzesentwurf sind keine Kriterien aufgeführt», bedauert Magdalena Rinderer, Sprecherin der Gruppe: «Wir erwarten aber einen entsprechenden Kriterienkatalog.» Einen solchen, der Tiefenbohrungen in Etzwilen ausschliessen soll.

Rinderer kennt viele Kriterien, die gemäss ihrer Gruppierung eine Bohrung in Etzwilen ausschliessen müssten: einen Grundwassersee, der durchbohrt würde; einen Bach auf dem Grundstück und ein angrenzendes Naturschutzgebiet, die Bahnlinien nach Winterthur und Schaffhausen in der Nähe der Bohrstelle oder «kaum hundert Meter von der Bohrstelle» entfernte Anwohner. Für die besorgten Etzwiler ist deshalb eines klar. «Dürfte in Etzwilen einst gebohrt werden, so könnte wohl vor jeder Haustür im Kanton Thurgau ein Geothermiekraftwerk entstehen.»

Begeisterung in Grenzen

«Wir sind dem Grossen Rat des Kantons Thurgau primär sehr dankbar, dass die Thematik unserer Petition nun überhaupt diskutiert wird», sagt Magdalene Rinderer. Im vergangenen Frühling reichte ihre Gruppierung eine von mehr als 1000 Personen unterschriebene Petition ein, um eine Bohrung ohne Gesetzesgrundlage und Klärung der Haftungsfrage in Etzwilen zu verhindern.

Eine verbindliche Zusage dafür gab es in der Debatte des Grossen Rates nicht. «Es ist schwierig zu sagen, wie zufrieden ich nun sein soll», sagt Rinderer. Die Begeisterung über das vorläufige Zugeständnis, dass der Kanton bis zur Erarbeitung des neuen Gesetzes keine Konzessionen erteilt, könnte dereinst auch wieder verfliegen. Doch die besorgten Etzwiler geben sich weiter kämpferisch. Weil in der Gemeinde Wagenhausen, zu der Etzwilen gehört, der Gemeinderat geschlossen hinter dem geplanten Bohrversuch stehe und auch geschlossen nochmals zur Wahl antrete, kandidieren nun auch zwei Personen aus der Protestgruppierung für dieses Amt. • UNTERSEE 51