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BESICHTIGUNG: E-Bike stresst den Wald

Regierungspräsidentin Carmen Haag besucht zwei Forstreviere. Die Förster zeigen dabei die Herausforderungen und Konflikte auf, mit denen sie und der Wald täglich konfrontiert sind.
Miranda Diggelmann
Regierungspräsidentin Carmen Haag (Mitte) und ihre Begleiter hören im Forstrevier Lommis-Affeltrangen-Wängi Revierförster Christian Künzi (ganz links) zu. (Bild: Miranda Diggelmann)

Regierungspräsidentin Carmen Haag (Mitte) und ihre Begleiter hören im Forstrevier Lommis-Affeltrangen-Wängi Revierförster Christian Künzi (ganz links) zu. (Bild: Miranda Diggelmann)

Miranda Diggelmann

miranda.diggelmann

@thurgauerzeitung.ch

Üben Biker einen immer grösser werdenden Druck auf den Wald aus? Und wie gehen Förster und Privatwaldbesitzer mit dem Klima­wandel um? Diese und weitere Fragen wurden bei einer Forst­revierbesichtigung zur Diskussion gestellt.

Unter Revierförstern und Vertretern von Gemeinden findet sich die Thurgauer Regierungs­rätin Carmen Haag. Sie stattete den Forstrevieren Am Nollen und Lommis-Affeltrangen-Wängi einen Besuch ab. Treffpunkt war das Restaurant Riethüsli in Braun­au. Danach wurde ins Forstrevier Am Nollen verschoben.

Nach der kurzen Einführung des Forstrevierpräsidenten Edwin Steiner übernimmt Thomas ­Einsele, seit 2010 aktiver Revierförster am Nollen. Er führt die Gruppe durch den Wald und ­erzählt von seinem Alltag als Förster. Auch, dass es schon mal zu Konflikten kommen kann – etwa zwischen den Privatwald­besitzern. Er betont weiter, dass Förster sich mittlerweile mit Fragen wie «Welche Baumart hält den Klimawandel aus?» beschäftigen müssen. «Wir müssen bereits heute entscheiden, welche Bäume das Klima, das in 30 Jahren herrschen wird, aushalten werden. Schliesslich müssen wir diese schon jetzt pflanzen», sagt er. Die Aufgaben im Alltag eines Försters sind breit gefächert. Deshalb gehöre viel Geduld und Flexibilität dazu, so Einsele.

Illegale Freizeitaktivitäten machen Probleme

Auch das Forstrevier Lommis-Affeltrangen-Wängi, das zu 80 Prozent in Privatbesitz ist, ist tag­täglich mit Herausforderungen konfrontiert. Thomas Knobel, Präsident des entsprechenden Forstreviers, und Christian Künzi, Revierförster, erzählen von Freizeitaktivitäten im Wald. Wandern, Zeltlager und Biken seien in diesem Revier am häufigsten. Vor allem Letzteres werde immer problematischer. «Mit dem E-­Bike werden ganz neue Dimensionen geschaffen. Die Biker kommen heute immer steilere Stellen hoch – und bleiben dabei nicht auf den für sie vorgesehenen Trails», erzählt Künzi. So würden sie den ganzen Wald platt fahren. Aber was ist dagegen zu tun? In einer Diskussionsrunde werden verschiedene Lösungs­ansätze vorgeschlagen: Polizisten aufstellen, den Besucherstrom bewusst lenken (etwa durch Anpflanzung von Büschen und ­Bäumen), die Biker mehr auf ihr ­Verhalten aufmerksam machen (zum Beispiel mit Kampagnen) oder auch Gebühren auf Velos ­erheben. Schliesslich kamen alle zum Schluss, dass etwas gemacht werden muss. Was genau, steht jedoch noch aus.

Zurück im Riethüsli kommen nun nebst Regierungsrätin Carmen Haag auch zwei der anwesenden Gemeindepräsidenten, Guido Grütter, Münchwilen, und Martin Imboden, Wuppenau, zu Wort. In Reden sprechen sie von der Wichtigkeit des Waldes.

Die Bedeutung des Waldes für die Gemeinden

Imboden sieht im Wald vor allem eine soziale Bedeutung. «Ein Wald schafft Begegnungen, führt zusammen, hat eine Brückenfunktion zwischen Stadt und Natur und stärkt somit schliesslich das Zusammenleben», sagt er. Der Wald habe jedoch nicht nur Wichtigkeit für die Gemeinschaft, sondern auch für jeden einzelnen Menschen. So sagt Imboden weiter: «Ein Besuch im Wald wirkt ausgleichend. Ich persönlich gehe dahin, um Stress und Druck abzubauen.» Er schliesst seine Rede mit den Worten, dass der Wald etwas sehr Emotionales ist.

Auch für die Gemeinde Münchwilen sei der Wald von grosser Wichtigkeit, obwohl oder gerade weil Münchwilen nur wenig Wald besitzt. Guido Grütter spricht vom Wald als ein wichtiges Element der Naherholung, und dass man ihm deswegen besonders Sorge tragen müsse. «Ich bin aber nicht für Vorschriften, sondern für Rücksicht», sagt er. So sei der Wald nicht nur für uns Menschen, sondern vor allem auch für Tiere ein Rückzugsort. Gerade in unserer Zeit sei das grosse Grüne für die Luftqualität von grosser Bedeutung. Und somit auch für unsere Zukunft.

Speziell in Münchwilen diene der Wald auch als Energielieferant, hat die Gemeinde doch ein Fernheizungssystem, das mit Holzschnitzeln betrieben wird. «Schliesslich wünsche ich mir von der Bevölkerung eine rücksichtsvolle Nutzung und Er­hal­tung des Waldes», so Gemeindepräsident Grütter.

Für Carmen Haag seien die Forstrevierbesuche die schönsten Tage im Jahr. Der Wald liege ihr nämlich besonders am Herzen. Und dieser sei ein spezielles Konstrukt. «Der Wald ist sowohl ein soziales, ökologisches, poli­tisches, als auch ein wirtschaft­liches Thema», sagt die Regierungsrätin. Die Frage sei schliesslich, was die Bevölkerung vom Wald erwarte. Denn obschon er öffentlich zugänglich ist, wird die Nutzung nicht entschädigt. Und das, obwohl gerade heutzutage der Holzpreis sehr tief ist und der Wald deshalb wirtschaftlich gesehen nicht mehr viel einbringt.

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