Beschimpft und beleidigt

Fahrgäste gehen mit Kondukteuren auf dem Streckennetz der Thurbo AG nicht gerade zimperlich um. Unter anderem fallen Schimpfworte wie «Schlampe». Täter sind meist Reisende ohne gültiges Billett. Im Training lernen die Zugbegleiter, Ruhe zu bewahren.

Rahel Haag
Drucken
Teilen
Eine Kondukteurin bei der Arbeit im Thurbo. (Bild: Reto Martin)

Eine Kondukteurin bei der Arbeit im Thurbo. (Bild: Reto Martin)

Auf dem Streckennetz der Thurbo AG wird das Zugpersonal immer häufiger verbal angegriffen. «Wir stellen anhand der Aussagen unserer Mitarbeiter eine klare Zunahme fest», sagt Gallus Heuberger, Mediensprecher der Thurbo AG. Dann kann es bei einer Billettkontrolle plötzlich heissen: «Du blöde Schlampe!»

Die verbalen Angriffe auf Kondukteure werden, anders als die körperlichen, nicht statistisch erfasst (siehe unten). So kann Heuberger auch nicht sagen, in welchem Mass diese Zunahme stattfindet. Er hält die Entwicklung für einen allgemeinen Trend. «Ich denke, die Beschimpfungen sind ein gesellschaftliches Problem.» Beschimpfungen kämen im Zug allerdings nicht täglich vor.

Mehr Sicherheit in Nachtzügen

Im ersten Moment mag man meinen, diese verbalen Attacken kämen vor allem in der Nacht vor, wenn angetrunkene Jugendliche sich auf den Heimweg machen. «Nein, diese Vorfälle kommen auch untertags vor», sagt Heuberger. Und es gebe auch ältere Passagiere, die die Fassung verlieren. «Meist sind es Reisende ohne gültiges Billett, die ausfällig werden.» In den Nachtzügen sei die Situation anders: Dort werden zusätzlich zu den Kondukteuren Securitas eingesetzt – zur Sicherheit. «Die Mitarbeiter der Securitas strahlen allenfalls mehr Autorität aus.»

In sogenannten Deeskalationstrainings, die jeder der rund 70 Zugbegleiter der Thurbo AG alle zwei bis drei Jahre besuchen muss, wird das Personal für diese Fälle geschult. «Wichtig ist, dass die Mitarbeiter die Beschimpfung nicht persönlich nehmen und sich nicht auf einen Streit einlassen», sagt Heuberger. In dieser Situation könne man eigentlich nichts tun. Die beste Lösung sei wohl, einfach wegzugehen. «Dass die Zugbegleiter auf eine Beschimpfung eines Jugendlichen beispielsweise mit einer Ohrfeige reagieren, wie es früher vielleicht der Fall gewesen wäre, geht natürlich nicht.»

Frauen stärker betroffen

«Im allgemeinen verhalten sich die Fahrgäste korrekt», sagt Heuberger. Er wolle die Sache nicht dramatisieren. «Verbale Angriffe kommen in unserer Branche aber öfter vor als andernorts.» Zudem nimmt er an, dass Frauen stärker betroffen sind. «Ich vermute, bei Frauen ist die Hemmschwelle niedriger.» Er wisse aber auch von Männern, die beschimpft worden seien.

Wie der «Tages-Anzeiger» berichtete, hat die Gewerkschaft des Verkehrspersonals gemeinsam mit den vier Unterverbänden für Zugbegleiter, private Transportunternehmen, Betriebs- und Verkaufspersonal sowie Lokführer eine vorfrankierte Antwortkarte erarbeitet. So sollen betroffene Zugbegleiter körperliche wie auch verbale Angriffe unkompliziert melden können. Ziel der Aktion ist ein Überblick über alle Aggressionen, denen Verkehrspersonal ausgesetzt ist.

Gallus Heuberger Mediensprecher Thurbo AG (Archivbild: Nana do Carmo)

Gallus Heuberger Mediensprecher Thurbo AG (Archivbild: Nana do Carmo)

Aktuelle Nachrichten