BESCHAFFUNGSWESEN: Löwenanteil bleibt im Kanton

Das Departement für Bau und Umwelt hat seine vergebenen Aufträge analysiert. Der Grossteil der Arbeiten geht an Unternehmen aus dem Kanton. Am häufigsten an solche aus dem Bezirk Frauenfeld.

Sebastian Keller
Drucken
Teilen

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

Der Kanton Thurgau ist nicht nur ein grosser Arbeitgeber, er ist auch ein grosser Auftraggeber. Nicht zuletzt das Departement für Bau und Umwelt (DBU) vergibt pro Jahr für Jahr Aufträge in Millionenhöhe. Nun hat das DBU hat alle Vergaben über 10000 Franken des Hoch- und Tiefbauamtes sowie des Amtes für Umwelt systematisch analysiert. Fragestellung: Nach welcher Verfahrensarten – Stichwort öffentliches Beschaffungswesen – wurde ein Auftrag vergeben? Aus welchem Land, Kanton, Bezirk kommt der Auftragsempfänger? Die Resultate hat das DBU in einem Bericht zusammengefasst und erstmals für das Jahr 2016 auf seiner Webseite publiziert.

Im Jahr 2016 vergaben die drei Ämter total 885 Aufträge in der Höhe von fast 50 Millionen. Das öffentliche Beschaffungswesen kennt vier Vergabearten (Kasten). Der allergrösste Teil, 721 Aufträge, wurde gemäss Vergabestatistik freihändig vergeben – also ohne öffentliche Ausschreibung. Diese Aufträge beliefen sich auf eine Volumen von 20,7 Millionen Franken. In der Summe ist aber die Kategorie «offenes Verfahren» an erster Stelle. Insgesamt 63 Aufträge nach dieser Verfahrensart wurden mit einer Gesamtsumme von 23,1 Millionen Franken erteilt. Der grösste Auftrag überhaupt belief sich auf 1,9 Millionen Franken – er betrifft laut Bericht das Bauhauptgewerbe, also beispielsweise Strassenbau.

33 von 50 Millionen Franken gehen in den Thurgau

Im vergangenen Jahr kam vor allem das heimische Gewerbe in Genuss von Aufträgen aus dem DBU. 608 mit einem Vergabevolumen von über 33 Millionen Franken gingen an Anbieter aus dem Kanton Thurgau. Rund ein Viertel der Aufträge ging ferner an die Nachbarkantone St. Gallen und Zürich.

Der Kanton hat aber nur bei tiefen Auftragsvolumen die Möglichkeit, explizit auf heimische Unternehmen zu setzen. Im Bericht heisst es denn auch: Das Vergabeverfahren sei vom «Prinzip der Chancengleichheit beherrscht». Bei der Auftragsvergabe müsse der Grundsatz der Nichtdiskriminierung und Gleichbehandlung eingehalten werden. Das bedeutet auch: Die Ortsansässigkeit ist als Eignungskriterium nicht zulässig. Je nach Auftragswert müssen Anbieter aus der ganzen Schweiz oder sogar aus dem Ausland die gleiche Behandlung erfahren. Das ist auch daran zu erkennen, dass gewisse Ausschreibungen – sogar im Amtsblatt des Kantons Thurgau – auch in Französisch, Italienisch oder Englisch formuliert sind. Im vergangenen Jahr kamen ausländischer Anbieter bei Aufträgen des DBU aber nicht zum Zug: «Es gingen keine Aufträge ins Ausland», heisst es im Bericht.

Meiste Aufträge für Firmen im Hauptstadtbezirk

Das DBU hat auch eine Auswertung nach Bezirken vorgenommen. Es wurde analysiert, wo die Unternehmen ihren Sitz haben, welche die 608 Aufträge ausführen durften. Das Fazit: Die meisten Aufträge gingen an Unternehmen im Hauptstadtbezirk Frauenfeld. 216 Aufträge mit einem Volumen von 10 Millionen bekamen Unternehmen mit Sitz zwischen Schlatt und Stettfurt. Die wenigsten Aufträge gingen in den Bezirk Münchwilen: 38 mit einem Volumen von rund 2 Millionen. Ein besserer Vergleich erlaubt die Anzahl Vergaben pro 1000 Beschäftigte. Bei dieser Kennzahl wird dem Umstand Rechnung getragen, dass der Bezirk Frauenfeld fast doppelt so viele Beschäftigte zählt wie der Bezirk Münchwilen. Auch bei diesem Vergleich schwingt Frauenfeld obenauf. In diesem Bezirk wurden pro 1000 Beschäftigte acht Aufträge ver­geben, im Bezirk Münchwilen waren es hingegen nur 2,6. Das Vergabevolumen pro tausend ­Beschäftigten war im Bezirk Weinfelden mit 400 Franken am höchsten, in Münchwilen mit 143 Franken am tiefsten.