Berufung im Psychiatrie-Fall

KREUZLINGEN. Die Strafsache gegen den 24-Jährigen, der einen Pfleger in der Psychiatrie Münsterlingen mit einer Schere angegriffen hat, ist noch nicht abgeschlossen.

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KREUZLINGEN. Die Strafsache gegen den 24-Jährigen, der einen Pfleger in der Psychiatrie Münsterlingen mit einer Schere angegriffen hat, ist noch nicht abgeschlossen. Sowohl der Rechtsanwalt des jungen Mannes als auch der Staatsanwalt haben Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Kreuzlingen angemeldet. Beide Parteien haben nun 20 Tage Zeit, um in Berufung zu gehen. «Wir haben noch nicht entschieden, ob wir weitermachen», sagt der Staatsanwalt.

Gegen das Strafmass, eine Haftstrafe von vier Jahren, hat der Staatsanwalt, der viereinhalb Jahre gefordert hatte, nichts einzuwenden. Er ist jedoch nicht damit einverstanden, dass der junge Mann wegen versuchter schwerer Körperverletzung und nicht, wie von ihm beantragt, wegen versuchter Tötung verurteilt worden ist. Der 24-Jährige habe die Tat Tage zuvor angekündigt.

Das Gericht befand, dass der Angeklagte eine stationäre Therapie machen müsse. Dies ist der Grund, weshalb der Rechtsanwalt eine Berufung ins Auge fasst. Er findet, das Gericht sollte dem jungen Mann eine Chance geben. Da er nun schon fast vier Jahre hinter Gittern sitzt, wäre es wichtig, dass er eine Perspektive bekomme. Dies wäre in einer betreuten Wohngruppe möglich.

Der junge Mann hatte sich in der Verhandlung vor dem Bezirksgericht selbst enorm für diese Perspektive engagiert. Er war landesweit in die Schlagzeilen geraten, weil ihn die Pfleger in der Psychiatrie nach seinem Angriff sechs Tage lang ans Bett angegurtet hatten. Mit dieser Fixierung hat die Klinik gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstossen. Seine Tat begründete der Mann damit, dass er erreichen wollte, dass er von der Psychiatrie ins Gefängnis verlegt werde. (ist)

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