Berlinger Nachwuchs

Turmspatz

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«Hast du gehört?», fragt meine Frau Turmspatz, «Familie Meise in Berlingen hat Nachwuchs bekommen.»«Wie ich Frau Meise kenne, wird sie einen Modenamen ausgewählt haben», vermute ich. Meine Frau packt ein selbstgestricktes Käppchen ein. „Vielleicht heisst es Sheyenne, Justin, Nigel oder Jaris.» «Warum müssen Kinder immer so extravagante Namen tragen?», frage ich, «bei manchen weiss man nicht mal, wie sie ausgesprochen werden. Früher hiessen Buben Dölf, Göpf, Armin oder Koni, Mädchen Meta, Helen oder Johanna.» «Und sie trugen Strickjacken und Überschürzen, diese Zeit möchte ich nicht zurück.» Sie macht eine schöne Masche auf dem Paket. «Kommst du?» Zusammen fliegen wir nach Berlingen. Meises nisten unter dem Dach des Restaurants Schiff an erstklassiger Lage mit Seesicht. Herr Meise empfängt uns. «Zu was darf man gratulieren?», fragt meine Frau Turmspatz. «Es ist ein Junge.» Wir werden in die Stube geführt, da liegt der Kleine auf einer Decke und schaut mit wachen Augen in die Runde. «Ist er nicht süss?», fragt Frau Meise. «Wegen dem Namen sind wir noch nicht ganz sicher», erklärt der stolze Vater, «wir haben uns gedacht, dass ein Bezug zu Berlingen ganz schön wäre. Unser Dorf war ja im Zusammenhang mit den starken Winden mehrmals im Schweizer Fernsehen.» Bloss einige Minuten Windsurfen im Sturmwind, denke ich, vom Dorf sah man nichts. «Darum haben wir an Burglind gedacht.» Frau Meise packt das Käppchen aus und zieht es dem Kleinen an. «Aber das ist ein Mädchenname.» «Leider», sagt Herr Meise. «Darum gehen wir auf Nummer sicher und halten uns an den Maler Dietrich.» «Dölf ist ein schöner Name», sage ich und denke an Strickjacke und Filzpantoffeln.