Berlinger klopfen eigenen Jass

BERLINGEN. Die Berlinger und Steckborner jassen auf eigene Art – sie bethlen. Nur noch wenige beherrschen das Spiel. Doch zur Chilbi findet sich traditionell eine Runde im Restaurant Hirschen zusammen.

Gudrun Enders
Drucken
Teilen
«Hirschen»-Wirt Peter Koster wartet, ob Touristiker Joachim Bauer nach seinem ersten Stich nun noch mit Ecke auftrumpfen kann. (Bild: Reto Martin)

«Hirschen»-Wirt Peter Koster wartet, ob Touristiker Joachim Bauer nach seinem ersten Stich nun noch mit Ecke auftrumpfen kann. (Bild: Reto Martin)

«Es wäre schade, wenn das Spiel verloren ginge.» Joachim Bauer als Präsident des Berlinger Verkehrsvereins plant, mit seiner Steckborner Kollegin Andrea Hess vier Kurse auszuschreiben, in denen das Bethlen vermittelt wird. Zwei Kurse würden in Steckborn abgehalten, zwei in Berlingen. «Ich weiss nicht, ob das klappt», sagt Bauer. Denn die besten Bethler sind schon älter. Sie treffen sich sicher an der Berlinger Chilbi, die morgen Sonntag beginnt. Ihr Stammlokal ist der «Hirschen».

Die Könner sterben aus

Auch Hirschenwirt Peter Koster kann nur unter Anleitung bethlen. Er spielte früher unter kundiger Hilfe von Heinz Weibel vom Haus Salamander gegenüber. Doch der ist inzwischen verstorben.

«Es gibt fast keinen mehr, der noch mitspielt», sagt denn auch Bernhard Hensch aus Steckborn. Der 77jährige pensionierte Lehrer kann bethlen. «Ich fand es immer am schönsten mit vier Spielern, aber das ist Geschmacksache.» So wie die Berlinger traditionell an ihrer Chilbi im «Hirschen» bethlen, so hätten die Steckborner am Bechtelistag im «Schloss» gespielt. Das Restaurant ist geschlossen. «Das ist auch vorbei», sagt Hensch.

Lokale Tradition bewahren

Ein Kurs im Bethlen würde gut ankommen, vermutet Touristiker Bauer. Denn vor ungefähr zwei Jahren bot die Berlinger Schützengesellschaft, bei der Bauer im Vorstand sitzt, schon einen an. «Bis zu 35 Interessierte kamen, vor allem Junge.» Wichtig ist Bauer nicht nur, dass die Regeln des Bethlen vermittelt werden, sondern auch, dass um minimale Einsätze gespielt wird. Ganz ohne Geld funktioniert das Spiel allerdings nicht.

Bauer findet reizvoll, dass ein Gewinn beim Bethlen nebst Glück auch Überlegung braucht. Anders beim Berlangen. Das ist das zweite Kartenspiel, das nur in Berlingen und Steckborn gespielt wird. Bauer will es auf keinen Fall fördern. Es ist simpel und zielt allein auf das Glück des Spielers. «Da kann man gleich hölzlen», sagt Bauer. Das Berlangen soll früher viel Unglück über Berlinger Familien gebracht haben. Zimmer, Gartenanteile oder Kühe wurden verspielt. Das Spiel erklärt wohl so manch merkwürdige Aufteilung von Häusern oder Gärten in Berlingen. Denn da musste ein Verlierer die Tür zu einem Raum zumauern, der Gewinner brach von seinem Hausteil eine neue Tür durch.