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BERLINGEN: Zwei Jubiläen und eine Abdankung

Die Terzstiftung feierte ihr zehnjähriges Bestehen und das 25-Jahr-Jubiläum der Akademie Berlingen, das gleichzeitig das Ende der Vortragsreihe besiegelt. Alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz setzte den Schlusspunkt.
Samuel Koch
Alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz während seiner Festrede zum Thema «Alles ist relativ». (Bild: Reto Martin)

Alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz während seiner Festrede zum Thema «Alles ist relativ». (Bild: Reto Martin)

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Trauerstimmung ist kaum auszumachen in der Berlinger Unterseehalle. Denn nebst der Abdankung der Vortragsreihe der Akademie Berlingen sowie des Fördervereins standen gestern Nachmittag auch Feierlichkeiten auf dem Programm. Einerseits würdigten die rund 200 geladenen Gäste das 25-jährige Bestehen der Akademie, deren Vortragsreihe sich nun gleichzeitig dem Ende neigt, andererseits das Zehnjährige der Terzstiftung.

Als prominenten Gastredner begrüssten Vorstandspräsident Jürg Krebser und Geschäftsführer René Künzli alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz, der bereits vor acht Jahren in Berlingen referierte und vor seiner Ansprache aus dem Nähkästchen plauderte. So hat seine Familie seit Jahrzehnten eine Verbindung zu Berlingen, denn Merz’ Urgrossvater Emil amtete bis 1940 als Gemeindeammann im Dorf am Untersee. Der alt Bundesrat aus Herisau stellte die 25-jährige Geschichte der Akademie in Relation. Verglichen mit dem Alter der Erde von vier Milliarden Jahren und wissenschaftlichen Prognosen, dass weitere vier Milliarden Jahre folgten, habe die Akademie noch «eine lange und glänzende Zukunft vor sich». Merz blickte zurück auf die Zeit, als es in Sendungen von Radio Beromünster noch kurze Zeitfenster gab, oder als Telefongespräche nur über eine Zentrale möglich waren, in welcher Angestellte die Verbindungen umstöpselten. «Mein Enkel hat noch nie eine Telefonkabine gesehen», sagte Merz und erntete Lacher im Plenum.

Hinschauen, informieren und mitentscheiden

Sein Blick richtete sich 25 Jahre in die Zukunft. Die rasante Entwicklung durch die technologischen Fortschritte bewirke sowohl Frohlocken wie Ängste durch gefährdete Berufe oder Cyber-Angriffe. «Wie wollen wir Älteren, zu denen ich übrigens auch zähle, diese Entwicklung erleben?», fragte der 75-Jährige in die Runde, holte kurz Luft, ehe er die Antworten gleich selbst lieferte. «Wir müssen hinschauen, nicht wegschauen.» Jedermann solle sich informieren und mitentscheiden, etwa bei künstlicher Intelligenz, die unweigerlich kommen werde. Die Singularität, wenn die Maschine die Kontrolle übernimmt, trete sehr wahrscheinlich ab dem Jahr 2100 ein. «Die allermeisten von uns werden das nicht mehr erleben», sagte er. Die Nachfahren jedoch schon und dann heisse es: «Guten Tag schöne neue Welt – oder gute Nacht verratener Planet!»

Zwei Ziele nach dem Philosophen Kant

Jürg Krebser schaute nicht ohne Wehmut auf die «25-jährige Erfolgsgeschichte der Akademie Berlingen» zurück. «Die Wehmut ist aber schnell durch die Freude über das Erreichte verdrängt worden», sagte er und las zusammengetragene Eindrücke und Reminiszenzen aus seiner Zeit ab 2015, aber auch von seinen Vorgängern Bernhard Schuppli, Hans Munz und Hans-Rudolf Däniker vor, welche über all die Jahre viele prominente Redner an den Untersee lockten (siehe Kasten). Wegen rückläufiger Besucherzahlen konnten selbst der Förderverein, niedrigere Eintrittspreise und Expansionsideen mit Vorträgen in Kreuzlingen das Ruder nicht zum Guten wenden, was schliesslich das Ende der Vortragsreihe bedeutete, die nun gestern ihren würdigen Abschluss fand. René Künzli rief in seiner Rede Pionierleistungen in Erinnerung, die am Untersee entstanden sind, «wie etwa das erste Heim für demenziell Erkrankte, das es ab 1982 in Berlingen gab». Trotz bewegter Geschichte der Akademie sei der Bildungsmarkt heutzutage gut versorgt, «was die schmerzhafte Trennung der Vortragsreihen erst nötig machte». Die Arbeit der Terzstiftung und der Akademie sei aber längst nicht zu Ende. Nach dem Philosophen Immanuel Kant gebe es zwei stiftende Faktoren im Leben, einerseits das lebenslange Lernen, andererseits die Stiftung von Nutzen für andere. «Beim ersten Ziel gibt es gute Angebote, beim zweiten müssen wir noch mehr tun», sagte Künzli. Mit Danksagungen in alle Richtungen schloss er sich denjenigen seines Vorredners Jürg Krebser an.

Für musikalische Intermezzi sorgte Bandleader Dani Felber mit Jazzquartett und der brasilianischen Sängerin Bê Ignacio.

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