BERLINGEN: «Wir wollen zum Denken anregen»

Die Akademie Berlingen organisiert ab kommender Woche eine Vortragsreihe zum Thema Sexismus. Markus Theunert ist der einzige männliche Referent.

Rahel Haag
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«Duett oder Zweikampf – eine Sexismusdebatte in vier Akten», so heisst der Vortragszyklus der Akademie Berlingen, der am kommenden Mittwoch beginnt. Es ist der zweite in diesem Jahr. Das Programm hat Vizepräsident Karl Studer bereits vor einem Jahr zusammengestellt. Die vier Referenten habe er in kurzer Zeit gefunden. «Das Thema scheint den Menschen unter den Nägeln zu brennen», sagt er. Auch er hält es für hoch aktuell. Das habe man gesehen, als sich der amerikanische Präsident Donald Trump abschätzig über Frauen geäussert hat. «Das führte zu Protesten, die Frauen gingen auf die Strasse.»

In Berlingen werden zum Thema Natascha Wey, Co-Präsidentin SP Frauen, Marie-Louise Barben, ehemalige Gleichstellungsbeauftragte des Kantons Bern, Markus Theunert, Fachmann für Männer- und Geschlechterfragen, und Franziska Schutzbach, Geschlechterforscherin, sprechen. Für die Veranstaltung wünscht sich Studer eine gute Diskussion. «Wir wollen die Besucher zum Denken anregen.»

«Gleichberechtigung in aller Konsequenz»

Unter dem Titel «Das Schweigen der Männer» hält Markus Theunert als einziger männlicher Referent am 22. Februar einen Vortrag. «Die Männer sind verunsichert», sagt er. Es stelle sich die Frage, was man noch sagen, machen und sogar denken dürfe. «Teilweise wird ein nett gemeintes Kompliment schon missverstanden.» Männer müssten sich wieder auf ihre Intuition verlassen können, «oder diese erst entwickeln», sagt er. Es fehle ihnen an Handlungssicherheit.

Theunert engagiert sich im Verein männer.ch, dem Dachverband Schweizer Männer- und Väterorganisationen. «Uns geht es um Gleichberechtigung in aller Konsequenz.» Das bedeute für ihn beispielsweise, dass sich Frauen vermehrt an der be­zahlten Arbeit beteiligen, Männer dafür an der unbezahlten, wie Kinderbetreuung. «Sie sollten in diesem Bereich ihre Hälfte übernehmen», sagt er.

Privat lebt er dieses Modell: Er und seine Lebenspartnerin arbeiten je 80 Prozent. Die knapp vierjährige Tochter besucht drei Tage die Woche eine Krippe. «Einmal in der Woche gibt es einen Papi- sowie einen Mami-Tag», sagt Theunert.

Rahel Haag

rahel.haag

@thurgauerzeitung.ch

Anmeldung und Kosten Es ist eine Anmeldung erforderlich, zudem wird eine Teilnahmegebühr erhoben. www.akademie-berlingen.ch