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BERLINGEN: Sex hört nicht mit 50 auf

Das Thema interessiert, wird aber gerne totgeschwiegen: Sexualität im Alter. Im Kronenhof zeigte Sexualpädagogin und Referentin Simone Dudle auf, warum es so wichtig ist, darüber zu reden.
Donat Beerli
Surrealismus von Rainer Schoch mit dem Römer, der den Bleistift zerhackt. (Bild: Ernst Hunkeler)

Surrealismus von Rainer Schoch mit dem Römer, der den Bleistift zerhackt. (Bild: Ernst Hunkeler)

Donat Beerli

unterseerhein

@thurgauerzeitung.ch

«Mit Trinken und Essen höre ich auch nicht auf. Warum sollte ich Sex aufgeben?» Das Zitat einer älteren Frau, mit dem Sexualpädagogin Simone Dudle ihre Rede im Berlinger Kronenhof begann, fasste den Vortrag der St. Gallerin gut zusammen: offen, ehrlich, direkt. «Sex ist bei uns immer noch für die Jungen reserviert», sagte Dudle. «Wir wollen nicht wahrhaben, dass ältere Frauen und Männer auch sexuelle Bedürfnisse haben.»

Leider nehme die Gesellschaft jene Menschen nicht ernst. Ein älterer Mann werde schnell als Lüstling abgestempelt, wenn er einer Frau ein Kompliment macht. Einer Frau, die sich schön macht, werde gesagt, dass sich das für eine alte Schachtel nicht gehöre. Das führt bei den Betroffenen zur gleichen Frage: Darf ich überhaupt Lust empfinden? «Aber sicher», sagt Simone Dudle. «Sexualität hört nicht auf, nur weil man Falten hat und nicht mehr so jugendlich aussieht wie einst.» Ja, sie verändere sich, vielleicht werde der eigentliche Geschlechtsverkehr weniger wichtig. Doch gerade Berührung, Zärtlichkeit und das Gefühl nach Geborgenheit seien Bedürfnisse, die nicht verschwinden.

Ausserdem gelte im Alter, was schon früher gegolten habe: Jeder Mensch ist anders. Sexualität sei etwas Individuelles, geprägt von Erfahrungen, der eigenen Biografie, den eigenen Bedürfnissen.

Heime haben noch viel aufzuholen

Dudle sprach auch über die äusseren Einflüsse auf die Sexualität im Alter. Über die Gesundheit, über die körperlichen Veränderungen bei Mann und Frau, die sich vor allem bei Männern negativ auf deren Potenz auswirken können. «Probleme haben beide Geschlechter, doch sie äussern sich verschieden.» Die Frau frage vielleicht: Will er mich mit diesen Brüsten und meinem Bauch überhaupt noch? Begehrt er mich? Der Mann hingegen leide vor allem unter der abnehmenden Potenz und fühle sich deswegen gekränkt. Werde ich in meiner Männlichkeit noch wahrgenommen, fragten sich viele.

Eine wesentliche Aufgabe im Umgang mit Sexualität haben laut Dudle auch die Institutionen. Doch gerade Altersheime hätten diesbezüglich viel aufzuholen. Dass Sexualität dort existiert und gelebt wird, werde zu wenig thematisiert, totgeschwiegen oder manchmal sogar unterbunden. Die Sexualpädagogin fordert, dass dem Thema in der Ausbildung von Pflegepersonal mehr Raum eingebracht wird. «Es darf kein Tabu mehr sein.»

Diskutieren, nachhaken, austauschen und lachen

Wenigstens bei den rund 30 Besuchern, die am Montagnachmittag nach Berlingen an den Untersee gekommen sind, war von Scham wenig zu spüren. Sie diskutierten mit der Referentin, hakten nach, tauschten sich über ihre Erfahrungen aus und lachten immer mal wieder über sich oder über den humorvollen Vortrag. Für René Künzli, Präsident des organisierenden Vereins Top60-Thurgau, ein gelungener Nachmittag. «Wir sind selbstbestimmende Wesen, dazu gehört auch unsere Sexualität.» Genau darum seien solche Anlässe wichtig.

Ein weiterer Vortrag von Top60-Thurgau zum Thema findet heute Mittwoch, 20. September, um 14.30 Uhr im Restaurant Seegarten in Arbon statt.

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