BERLINGEN: Intelligent geheizt

Die Terz-Stiftung ist Partner des Projekts Smart Heat. Dieses Heizsystem merkt, in welchem Raum sich jemand befindet, und heizt nur dort, wo es nötig ist.

Géraldine Bohne
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Bruno Galli aus Berlingen mit dem Thermostat von Smart Heat. (Bild: Andrea Stalder)

Bruno Galli aus Berlingen mit dem Thermostat von Smart Heat. (Bild: Andrea Stalder)

Géraldine Bohne

unterseerhein

@thurgauerzeitung.ch

«Heizen war für mich noch nie so einfach.» Das weiss Bruno Galli, der während vier Wochen das ­intelligente Heizsystem Smart-­Heat für die Terz-Stiftung testete. «Das System hat sich gemerkt, wann wir am Morgen ins Badezimmer müssen, und heizte dann jeweils eine halbe Stunde davor auf», sagt er. Der 82-Jährige aus Berlingen ist einer von 360 Terz-Experten. Anfang März kamen Ingenieure aus Spanien zu Bruno Galli nach Hause und instal­lierten an den Radiatoren das ­Heizsystem Smart Heat. Dafür wurden in jedem Raum die ­Temperaturregler ersetzt, Bewegungsmelder aufgestellt und eine Software auf das Tablet geladen.

Smart Heat funktioniert so, dass die Heizung anhand der Aufzeichnungen der Bewegungsmelder immer dort heizt, wo sich Personen befinden. Ansonsten kühlt sie sich auf eine voreingestellte Temperatur ab. Letztere wird auf einem Tablet für jedes Zimmer individuell eingestellt. Das System gibt es bis jetzt nur für Radiatoren. «Da wir früher nur einen Kachelofen hatten, war es uns ­anfangs aber oft zu warm», sagt Galli. Doch das liess sich mit der Steuerung auf dem Tablet schnell regeln. Froh war er besonders um die «Abwesend»-Funktion. «Als wir im Bündnerland waren und nach Hause kamen, war die Wohnung überhaupt nicht ausgekühlt», sagt er. Herr Galli würde das System weiterempfehlen. «Damit kann man viel Geld ­sparen.»

In neun Haushalten während Wochen getestet

Bruno Galli sei ein erfahrener Tester, weiss Jan-Oliver Backes, zuständig für Projekte und Kampagnen der Terz-Stiftung. «Da Herr Galli im gleichen Gebäude wohnt, gelingt das Nachfragen gut», sagt er. So habe der Rentner dem Test sogleich zugestimmt. Insgesamt neun Haushalte in der Schweiz und Österreich testeten während vier Wochen das Heizsystem. Die Redaktionen seien alle sehr ähnlich ausgefallen, erklärt Backes. «Vor allem der Abwesenheitsmodus kam gut an.» Es gäbe aber auch noch Funktionen, die verbessert werden müssen. In einer zweiten Testphase im Herbst 2017 prüfen sowohl dieselben Haushalte als auch neu dazukommende das verbesserte Heizsystem erneut. Insbesondere die Temperaturregelung sei ein wenig umständlich gewesen, da bis auf 0,1 Grad eingestellt werden konnte, weiss Backes. Zudem müsse den Personen noch genauer erklärt werden, was das System denn genau könne.

Dreijähriges, von der EU gefördertes Projekt

Smart Heat ist ein dreijähriges Projekt der Terz-Stiftung. Es wird von der EU gefördert und startete im Herbst 2015. Mehrere Projektpartner aus Ländern wie Italien, Rumänien, Spanien, Österreich, den Niederlanden sowie der Schweiz sind daran beteiligt. «Wir befinden uns momentan in der Entwicklungsphase. Ziel ist es, dass das System von jedem ­bedient werden kann», sagt Jan-Oliver Backes. Von der Idee her könne es sich an alle Altersklassen richten, aber in erster Linie gehe es an ältere Personen. Wenn sie das System verstehen, verstehen es auch Jüngere, sagt er. Das Projekt dauert noch bis Herbst 2018.