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BERLINGEN: Ein Stromschlag mit finanziellen Folgen

Statt 230 fliessen plötzlich 400 Volt durchs Haus. Eine solche Überspannung zerstörte kurz vor Weihnachten in einem renovierten Haus in Berlingen etliche Elektrogeräte. Die daraus entstandenen Schäden decken die Versicherungen aber nicht.
Margrith Pfister-Kübler
Elektromeister Walter Reisch sowie Beatrice und Fritz Dietrich mit den defekten Sicherungselementen. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Elektromeister Walter Reisch sowie Beatrice und Fritz Dietrich mit den defekten Sicherungselementen. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Das Haus steht plötzlich unter 400 Volt. Der Schock bei Beatrice und Fritz Dietrich sitzt auch nach Monaten noch tief. Zwar versichert die Thurgauer Gebäudeversicherung Blitz-, nicht aber Stromschlag, ausgelöst durch einen Neutralleiter-Unterbruch. «Jetzt wird es teuer», sagen die Dietrichs, gemütlich im Wohnzimmer ihres rund 100-jährigem und vor zehn Jahren neu umgebauten Haus in Berlingen sitzend. Damit meinen sie den Schaden von rund 20'000 Franken an Geräten, der durch die Überspannung entstanden ist und den sie aus der eigenen Tasche bezahlen müssen.

Das Erlebte hört sich an wie ein Abenteuerbericht. Noch heute trifft jedes Flackern bei einer Lampe und leises Zischen die Nerven von Beatrice Dietrich. Noch immer kämpft sie gegen die Angst, während Ehemann Fritz Dietrich die Ruhe bewahrt. Bei ihm, dem ehemaligen Bauführer und Blasmusikdirektor ist die Tatsache, dass noch Schlimmeres hätte passieren können, ein Grund zur Gelassenheit. «Wir haben das geerbte Haus vor rund zehn Jahren umgebaut und sind zurück an den See gezogen», sagt Fritz Dietrich, stolz darauf, dass der berühmte Maler Adolf Dietrich sein Grossonkel war. «Adolf war der Bruder vom Grossvater», erzählt er. Am Tisch im Wohnzimmer an der Seestrasse sitzt auch Elektromeister Walter Reisch, der ebenfalls an der Seestrasse wohnt. Zum Glück.

Schneeweisses Licht, ein «Chlapf», dann stockdunkel

Dann blenden sie zurück zum 23. Dezember vergangenen Jahres, 18 Uhr. Beatrice Dietrich beschreibt den Schock ihres Lebens: «Wir sassen auf dem Sofa und schauten eine TV-Sendung. Plötzlich blitzte es an der Ständerlampe – der Raum wurde extrem hell, schneeweiss. Dann tat es einen «Chlapf». Es wurde stockdunkel. Plötzlich hatte die Lampe wieder Licht. Beim elektrisch gesteuerten Dusch-WC hat es den Deckel hochgejagt, in der Waschküche «chlöpft» es nochmals.

Fritz Dietrich ruft sofort bei Walter Reisch an. Doch dieser feierte am 23. Dezember seinen Geburtstag und war nicht zu erreichen. Zu Hilfe eilte der langjährige Reisch-Mitarbeiter Ferdi Kasper. «Er ist sofort mit einem Messgerät angerückt und hat auf der Steckdose 400 Volt gemessen. Er sprang zum Sicherheitsverteilter, am Hauptschalter haben zwei Drähte gebrannt, alles glühte», schildert Fritz Dietrich die Szenerie und bedauert im Nachhinein, dass er kein Foto gemacht hat. Ferdi Kasper hat die glühende Drähte abgeschnitten und die Erdung neu angehängt. Nicht mehr funktionstüchtig waren durch die Überspannung die Waschmaschine, der Steamer, der Dampfabzug, die Heizung, das Telefon, das Dusch-WC. Verschont geblieben sind einzig der Fernseher, der Tumbler, der Tiefkühler, der Backofen und der Herd.

Weder Gebäude- noch Hausratversicherung zahlen

Danach folgten die versicherungstechnischen Offenbarungen, denn die Gebäudeversicherung zahlt nicht bei Überspannung durch Stromschlag. Im Kanton Zürich etwa ist eine solche Überspannung bei der kantonalen Gebäudeversicherung versichert. «Auch bei der Hausratsversicherung hiess es, sie zahlen nichts, Stromschlag sei nicht versichert», sagt Fritz Dietrich. Die Schadensfälle durch Überspannung seien zunehmend, so Fritz Dietrich, und bezieht sich auf Aussagen vom Schadensinspektor der Eco Watt AG in Weinfelden.

Elektromeister Walter Reisch verweist auf den technischen Fortschritt, auf die vielen EU-Geräte, die auf 220 Volt laufen. Der hohe Stromverbrauch heize auf, dehne das Material aus und bringe eine schleichende Materialermüdung. Installationskontrolle sei deshalb auch bei Neuinstallationen nötig. «Überspannung ist ein unterschätztes Risiko», sagt Reisch. Dietrich hofft nun, dass der Hauseigentümerverband politisch Druck macht, dass die Gebäudeversicherung Stromschlag in Zukunft versichert, und dass es nicht noch weitere Betroffene gibt.

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