Berlingen bald ohne Dorfladen

BERLINGEN. Charlotte Bauer betreibt seit acht Jahren den Lebensmittelladen Maxi in Berlingen. Es ist der einzige Dorfladen, der mehrere Lebensmittel anbietet. Doch jetzt hat die Betreiberin auf den 31. Dezember die Kündigung eingereicht.

Gjon David
Drucken
Teilen
Mag ihre Arbeit sehr. Charlotte Bauer ist die Betreiberin des Dorfladens Maxi in Berlingen. (Bild: Gjon David)

Mag ihre Arbeit sehr. Charlotte Bauer ist die Betreiberin des Dorfladens Maxi in Berlingen. (Bild: Gjon David)

«Ich musste diesen Schritt machen und auf den 31. Dezember kündigen, so sehr es auch wehtut, ich habe keine andere Wahl», sagt Charlotte Bauer, Betreiberin des kleinen Lebensmittelladens Maxi.

Dass Bauer dieser Schritt schwer fällt, merkt man ihr an. «Ich habe sehr viel Herzblut in den Laden investiert und habe die Arbeit immer sehr ernst genommen», sagt sie. Mit trauriger Miene erzählt sie weiter, dass es mit der Zeit unmöglich sei, den Laden weiterzuführen. «Wir haben immer weniger Kunden. Hätte ich unsere treuen Stammkunden nicht, ich müsste schon lange schliessen», sagt Bauer. Man könne mit den geringen Einnahmen nicht überleben.

Einnahmen nehmen ab

Ausserdem sei in den vergangenen acht Jahren der Einkauf stetig gesunken. Die gute und treue Stammkundschaft sei mehrheitlich aus Berlingen. Sie kauften alles bei ihr ein, was sie benötigten. Andere kommen am Abend schnell vorbei und kaufen das, was sie während des Tages an anderen Orten vergessen hätten einzukaufen.

Unter den Stammgästen seien viele von der älteren Generation, also Einzelpersonen, die zwangsläufig dann eben kleinere Einkäufe machten. «Verständlich, da diese Kundschaft eher mit kleinerem Budget einkauft», präzisiert ihr Mann Joachim Bauer – er führt ein paar Meter weiter vorne den Weinladen «ThurgauWy».

Joachim Bauer erklärt: «Der Einkaufstourismus über die Grenze hat in den letzten Jahren nochmals enorm zugenommen. Das gab es zwar immer schon hier am See, denn Singen und Konstanz sind nicht weit von hier, aber der schwache Euro hat den Einkaufstourismus noch mehr verstärkt.» Ausserdem finde ein Strukturwandel im Dorf Berlingen selber statt. «Beispielsweise gibt es das Viersternehotel Kronenhof nicht mehr. Es finden auch keine Seminare mehr statt und wir spüren, dass diese Kundschaft fehlt», sagt Charlotte Bauer.

Im Dorfladen «Maxi» ist seit zwei Jahren eine Postagentur drinnen. Was passiert mit ihr? «Das wissen wir nicht genau», sagt die Betreiberin. Sie habe sich eigentlich erhofft, dass die Postagentur im Laden mehr Kundschaft anlocken würde.

Nicht nur ein Einkaufsladen

«Viele andere Läden haben so ihren Umsatz steigern können, bei uns hat es nicht geklappt», sagt Bauer. Die Leute, die ihr Postgeschäft erledigen würden, liefen meistens wieder aus dem Laden, ohne etwas zu kaufen. «Die Vermieter des Ladens wollen, dass der Einkaufsladen weitergeführt werde», sagt Bauer. Das wäre sehr wünschenswert, die Stammkunden könnten dann immer noch weiter im Dorf einkaufen, sagt Charlotte Bauer. Joachim Bauer fügt noch an: «Es war eben auch ein Treffpunkt für viele Leute. Gerade am Morgen früh, dann kamen eher die älteren Kunden einkaufen, die haben sich dann hier gerne unterhalten. Es wäre sehr schade, wenn das in Zukunft nicht mehr der Fall wäre.»

Aber man könne nie recht wissen, was kommt, vielleicht würden eines Tages wieder bessere Zeiten kommen, sagt Charlotte Bauer. «Vielleicht kommen in Zukunft auch die Feriengäste wieder – sobald sich die Währungssituation verbessert.» Dieses Jahr habe sich die Lage schon etwas verbessert, meint Bauer. Die Feriengäste seien eine wichtige Kundschaft, die würden immer im Dorfladen einkaufen kommen.