BERLINGEN: Am Untersee scheint die Sonne

Hannes Meier ist mit dem Sondersolarpreis 2016 ausgezeichnet worden. Seit der Sanierung seines Hauses an der Bachstrasse verbraucht es noch weniger als ein Drittel der Energie von zuvor.

Kathrin Meier
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Nach der Sanierung mit der von Hannes Meier entwickelten Photovoltaik-Anlage auf der Nordseite des Daches. (Bild: Schweizer Solarpreis 2016)

Nach der Sanierung mit der von Hannes Meier entwickelten Photovoltaik-Anlage auf der Nordseite des Daches. (Bild: Schweizer Solarpreis 2016)

BERLINGEN. Verbrauchte es vor der Sanierung noch 29 400 Kilowattstunden (kWh), konnte der Energieverbrauch durch den Umbau auf 8800 kWh gesenkt werden – eine Reduktion um mehr als 70 Prozent. Dafür erhielt der Berlinger Hannes Meier vergangene Woche an der 26. Schweizer Solarpreis-Verleihung an der Olma in St. Gallen den Sondersolarpreis 2016 für Plus-Energie-Bauten – gestiftet vom Hauseigentümer-Verband (HEV) Schweiz.

Meier hat das 1974 erbaute Elternhaus an der Bachstrasse Schritt für Schritt saniert. Begonnen wurde im August 2015 mit der Isolation des Daches und des Giebels. Dafür verwendete Meier, dessen Familie selber Schafe besitzt, verarbeitete Schweizer Schafwolle zur Wärmedämmung. Als nächstes wurden die alten doppelverglasten Fenster durch dreifache mit Isolierglas, Wärmeschutzbeschichtung und Edelgasfüllung ersetzt. Danach folgte der Umbau des Heizsystems. Wegen der Erdölkrise hatte man 1974 einen Elektrospeicher eingebaut. Diesen ersetzte Meier durch eine Erdsonden-Wärmepumpenheizung. Schliesslich wurden die Aussenwände mit Steinwolle gedämmt. Meier beauftragte für alle Massnahmen lokale Unternehmer.

Eigens entwickelte Solarzellen auf dem Dach

Der Bauherr ist ausserhalb Berlingens auch als Dr. Johannes Meier bekannt. Der Physiker ist der Pionier der Mikromorph-Tandem-Solarzelle, die er 1994 am Institut für Mikrotechnik der Universität Neuchâtel entwickelt hatte. Diese rein Silizium-basierte Dünnschicht-Solarzelle ist rund hundertmal dünner als konventionelle Solarzellen und produziert schon bei geringem Lichteinfall Energie. Die Energie, die es für die Herstellung dieser Zellen benötigt, wird bereits innerhalb eines Jahres kompensiert. Als Ergänzung zur Rundum-Sanierung deckte Meier das gesamte Dach mit seinen Mikromorph-Solarzellen ein. Die Solarzellen auf dem Dach katapultieren das Haus in die Kategorie der Plus-Energie-Bauten, in Bauten also, die mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen. In Zahlen ausgedrückt: Die 17 kW starke und 173 Quadratmeter grosse Photovoltaikanlage erzeugt 14 000 kWh im Jahr und deckt damit 160 Prozent des Eigenenergiebedarfes.

Motivation für andere Hausbesitzer

Das Erneuerungskonzept seines Einfamilienhauses könne Hauseigentümern als Vorbild dienen, die Umsetzung der Energiewende in die eigenen Hände zu nehmen, schreibt die Solar-Agentur. Das Beispiel von Meier aus Berlingen zeige, wie auch ältere Gebäude mit einer konsequenten und ästhetisch anspruchsvollen Sanierung zu energieeffizienten Plus-Energie-Bauten umgestaltet werden können.

Die Nordfassade von Hannes Meiers Haus an der Bachstrasse vor der energieeffizienten Sanierung.

Die Nordfassade von Hannes Meiers Haus an der Bachstrasse vor der energieeffizienten Sanierung.