BERLIN-ATTENTÄTER: Verbindung nach Romanshorn

Anis Amri, der Attentäter von Berlin, wollte eine Konvertitin aus der Schweiz heiraten. In den Moscheen von Egnach und Salmsach kennt man die junge Frau nicht.

Ida Sandl
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Anis Amris Facebook-Freundin wird interviewt. Bild: Screenshot/ZDF

Anis Amris Facebook-Freundin wird interviewt. Bild: Screenshot/ZDF

Er war verzweifelt auf der Suche nach einer Frau: Anis Amri, der Mann, der am 19. Dezember mit einem Lastwagen in den Berliner Weihnachtsmarkt gedonnert ist. Zwölf Menschen hat er in den Tod gerissen, 53 verletzt. Dieser Anis Amri hatte über Facebook Kontakt zu 140 Frauen. Eine 
von ihnen lebt in Romanshorn. Monatelang soll sie mit dem Tunesier telefoniert und gechattet haben. 

Sie sitzt auf einem Skateboard und raucht 
Reporter des ZDF-Magazins «Frontal 21» haben die junge Frau besucht. Sie will anonym bleiben, nur von hinten ist sie in drei kurzen Sequenzen zu sehen. Sie trägt einen langen Rock und eine Kapuzenjacke. Amri war auf Facebook unter dem Namen «Anis Anis» unterwegs. Er habe sie gefragt, ob sie einen Nikab tragen würde, einen Gesichtsschleier, der nur die Augen frei lässt. «Ich habe gesagt, dass ich mir das vorstellen könnte.» 

Die Frau sitzt während des Interviews auf einem Skateboard und raucht. Ihre Stimme ist im Beitrag nicht zu hören, eine Schauspielerin spricht die Worte nach. Anis Amri sollte abgeschoben werden. Mit einer Hochzeit wollte er dies verhindern. Die Romanshornerin hätte sich eine Ehe mit Amri vorstellen können. Es ging ihr aber alles zu schnell.  «Vielleicht ein Jahr warten und dann», sagt sie in die Kamera.  Immer wieder versuchte der Terrorist seine Facebook-Freundin zu besuchen. Im Juli 2016 fuhr er im Fernbus nach Friedrichshafen. Die Bundespolizei vereitelte aber die Einreise in die Schweiz. Seine Papiere waren nicht gültig, er wurde festgenommen, nach 24 Stunden aber wieder freigelassen. Kurz vor dem Anschlag rief er seine Freundin an, er sei in einem Hotel, ob sie sich für eine Stunde treffen könnten. Sie lehnte ab: Keine Zeit. «Es war, als hätte er geweint.» Heute macht sie sich Vorwürfe: «Hätte ich mich auf das Treffen eingelassen, hätte ich vielleicht den Tod verhindern können.»

«Im Dachverband gibt es keine Konvertiten»
Wer ist die Frau, die mit dem Terroristen geflirtet hat? In den Moscheen von Salmsach oder Egnach sei sie jedenfalls nicht aufgetaucht. Die Gläubigen, die sich in Salmsach einfinden, seien zu über 90 Prozent Albaner. In der Moschee in Egnach werde nur Türkisch gesprochen, sagt Bekim Alimi, Imam in Wil und Präsident des Dachverbandes islamischer Gemeinschaften Ostschweiz. «Im Dachverband gibt es keine Konvertiten.» Wenn sie keine gebürtige Muslima ist, wäre sie aufgefallen.