BERG: Jungpolitiker auf Achse

Der junge Familienvater Rafael Fritschi ist neuer Präsident der JCVP Thurgau. Der angehende Buchhalter möchte sich für eine sichere Altersvorsorge, politische Bildung und den verlängerten Vaterschaftsurlaub einsetzen.

Mario Testa
Drucken
Teilen
Rafael Fritschi nützt häufig den ÖV. Sei es für den Arbeitsweg, die Fahrt an Parteianlässe oder in die Schule. (Bild: Mario Testa)

Rafael Fritschi nützt häufig den ÖV. Sei es für den Arbeitsweg, die Fahrt an Parteianlässe oder in die Schule. (Bild: Mario Testa)

Interview: Mario Testa

mario.testa@thurgauerzeitung.ch

Rafael Fritschi, weshalb haben Sie sich für JCVP als Ihre Partei entschieden?

Das Interesse an Politik habe ich seit der Schulzeit. Ich war auch schon an einer Jugendsession in Bern, als ich noch keiner Partei angehörte. Familiär bin ich von der Partei­zugehörigkeit her nicht geprägt. Vor zwei Jahren hat mich mein Schweigervater darauf aufmerksam gemacht, dass die CVP im Bezirk Weinfelden noch Personen für die Kantonsratswahlen sucht, da bin ich beigetreten.

Was gefällt Ihnen an der CVP und der JCVP?

Die politische Mitte ist für die Schweiz sehr wichtig. Es gibt von Links und Rechts immer wieder gute Lösungsansätze, nur sind die manchmal etwas extrem. Da braucht es die Mitte, um konsensorientiert gute Kompromisse zu erreichen. Das Motto der CVP passt: «Wir halten die Schweiz zusammen.»

Nach zwei Jahren als Mitglied sind Sie nun bereits Präsident der JCVP. Wie kam es dazu?

Mein Vorgänger Lukas Auer hat mich angesprochen, ob das nicht etwas für mich sei. Mich reizt die Aufgabe sehr. Zwar liegt das Präsidium derzeit mit den Kindern, dem Job und der Weiterbildung eigentlich kaum drin, aber dank grosser Mithilfe meiner Vorstandskollegen klappt es gut.

Sie haben nun häufig mit jungen Menschen zu tun. Spüren Sie bei ihnen eine Politik-Verdrossenheit oder fehlt das Wissen?

Teils, teils. Die Politik ist sicher komplexer geworden. Es gibt kaum noch Fragen, auf die es einfache Antworten gibt. Das macht es sicher schwierig – aber nicht nur für Junge. Auch den Älteren beschert das Probleme, und vielleicht führt das dann auch zu einer gewissen Verdrossenheit.

Was müsste da Ihrer Meinung nach getan werden, um dies zu ändern?

Grundsätzlich spüre ich sehr häufig grosses Interesse der Jungen an Politik, egal welcher Gesinnung sie sind. Aber mit unserer Partei machen wir uns stark für eine gute Politikbildung in der Schule und der Berufsschule. Die Abläufe müssen erklärt werden, die Funktionen der einzelnen Gremien. Komplexere Fragen ­bedingen grösseres Wissen.

Zur Person

Rafael Fritschi ist 26 Jahre alt. Er ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Aufgewachsen ist er in Paradies, mit seiner Familie lebt er nun in Berg. Als Sachbearbeiter Finanzbuchhaltung arbeitet er in Frauenfeld bei der Serto AG. Zurzeit macht Fritschi eine Weiterbildung zum Fachmann Finanz- und Rechnungswesen. Wenn nebst Beruf, Weiterbildung und Kinderbetreuung noch Zeit ist, verbringt er diese mit seinen Hobbys Handball, Lesen und Schwimmen. Als neuer Präsident der JCVP Thurgau steht er seit Anfang März einer Jungpartei mit 40 Mitgliedern vor.

Welche Themen sind Ihnen und der JCVP wichtig?

Ein grosses Thema ist die Altersvorsorge. Wir haben uns stark gemacht für die Reform 2020, auch wenn die nicht ideal war. Wir – gerade die jungen Generationen – geraten in grosse Probleme, wenn da nicht bald eine Lösung zu Stande kommt. Unserer Ansicht nach muss die Altersvorsorge entpolitisiert werden – seit 20 Jahren haben die Parteien eine Lösung verhindert. Es müssen flexiblere Lösungen möglich sein. Keine Fixwerte, sondern Bänder, innerhalb derer die Werte sinken oder steigen, zum Beispiel beim Rentenalter oder dem Umwandlungssatz. Diese Werte sollen sich anpassen je nach Situation auf dem Arbeitsmarkt, beim Zinsniveau oder der demografischen Entwicklung. Die nordischen Länder haben gute Erfahrungen damit gemacht. Wenn die Altersvorsorge weiterhin ein Spielball der Parteien bleibt, finde ich das beängstigend.

Was halten Sie von vier Wochen Vaterschaftsurlaub?

Das finde ich sehr gut. Mir liegt Familienpolitik am Herzen, Familien brauchen Unterstützung. Ich habe das bei meinen zwei Kindern ja selber miterlebt, wie wichtig es ist, nach einer Geburt Zeit für die Familie zu haben. Wenn die 20 Tage Vaterschaftsurlaub flexibel verteilt werden können, ist das auch für die Arbeitgeber eine gute Lösung.

Welche Ziele haben Sie bei den kommenden Wahlen?

Wir wollen mit unsern Mitgliedern auf die Listen. Bei Gemeindeparlamentswahlen räume ich uns Chancen ein. Auch für die Kantonsratswahlen 2020 versuchen wir, mit eigenen Listen in die Wahlen zu gehen oder uns mit anderen Jungparteien oder der Mutterpartei zusammenzutun.

Wie wollen Sie neue Parteimitglieder gewinnen?

Vor allem dank persönlicher Gespräche; aber einfach ist das nicht. Auch wenn das Interesse da ist, ist es doch noch ein grosser Sprung zur Mitgliedschaft. Verbindlichkeit ist für viele Junge ein Problem, einige meinen auch, man müsse sich dann immer einig sein – und zuletzt schreckt das Leben in der Öffentlichkeit auch ab. Es kann schnell gehen, ein kleiner Fehltritt oder ein negativer Facebook-Post, und zack ist man schweizweit bekannt. Trotzdem motiviere ich junge Personen, sich politisch zu engagieren.

Hilft oder hemmt das «Christlich» in Ihrem Parteinamen bei der Mitgliedersuche?

Das kommt auf das Gegenüber an. Dieses C steht für die christlichen Werte, die uns und auch mir wichtig sind. Gerade die CVP lässt da als Partei der Mitte aber grossen Spielraum – wir werden da oft zu Unrecht in die konservative Ecke geschoben. Bei uns haben viele Meinungen Platz.