Belohnungen für brave Herrchen

FRAUENFELD. Mit einem Hundesteuer-Rabatt könnte man die Halter motivieren, Weiterbildungskurse zu besuchen. Dieser Meinung ist die Grünen-Gemeinderätin und Tierärztin Eveline Buff. Die Stadt will das Anliegen prüfen.

Mathias Frei
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Eveline Buff, Gemeinderätin Grüne. (Bild: pd)

Eveline Buff, Gemeinderätin Grüne. (Bild: pd)

1050 Hunde kommen auf die rund 24 400 Einwohnerinnen und Einwohner der Kantonshauptstadt – Tendenz in beiden Kategorien steigend. «Die Hundehalter machen in Frauenfeld eine stattliche Anzahl aus», findet Eveline Buff. Das seien auch Steuerzahler. Die Vizegemeinderatspräsidentin der Grünen und Tierärztin spielt auf die normale Personensteuer ab.

Für Hundehalter gibt es aber noch zusätzlich eine Hundesteuer. Für den ersten Hund beträgt diese Abgabe 100 Franken jährlich, jeder weitere Vierbeiner schlägt mit weiteren 162.50 Franken zu Buche. «Im Vergleich zu anderen Gemeinden ist die Frauenfelder Hundesteuer recht hoch», sagt Buff (siehe Kasten). Jeder solle sich ein Tier leisten können, findet die Gemeinderätin. Deshalb schlägt sie vor, Halter mit einem tieferen Steuersatz zu belohnen, wenn ein offizieller Weiterbildungskurs besucht wurde – wie das andernorts schon praktiziert wird.

Eveline Buff, Gemeinderätin Grüne. (Bild: pd)

Eveline Buff, Gemeinderätin Grüne. (Bild: pd)

Obligatorium und Belohnung

Seit 2008 braucht es für jeden Hund einen Sachkunde-Nachweis. Wer sich zum ersten Mal einen Hund zulegt, muss einen Theoriekurs absolvieren. Zudem ist eine praktische Ausbildung für jeden neuen Hund obligatorisch. Der vorgeschlagene Steuerrabatt könnte die Hundehalter motivieren, die an sich obligatorischen Kurse auch effektiv zu besuchen, denkt Buff. Denn der Kursnachweis werde nicht flächendeckend kontrolliert – obwohl dies laut Buff mit der nationalen Hunde-Datenbank möglich wäre.

Peter Mettier, Leiter der städtischen Einwohnerdienste und damit auch des Hundewesens, bestätigt Buffs Aussage. Die obligatorischen Nachweise würden nur punktuell kontrolliert, etwa wenn es einen Zwischenfall mit einem Hund gegeben habe. «Wir setzen auf die Eigenverantwortung der Hundehalter, welche zusammen mit der gesellschaftlichen Sensibilisierung gut funktioniert.» Eine systematische Einforderung und Ablage dieser Dokumente wäre mit einem grossen Verwaltungsaufwand verbunden, sagt Mettier. Schon heute sei der Personalaufwand im Hundewesen durch die Einwohnerdienste und den Werkhof, etwa bei der Robi-Dog-Bewirtschaftung, hoch. Im langjährigen Schnitt decke die Steuer den Aufwand knapp.

Hundewesen finanziell eng

So rechnet das Budget 2015 mit einem kleinen Minus von 700 Franken bei 110 000 Franken Aufwand. Ein Plus von 20 000 Franken verzeichnete Mettier im Hundewesen für das Jahr 2013. «Durch einen besseren Abgleich mit der nationalen Hunde-Datenbank konnten wir im vergangenen Jahr viele Hundehalter ausfindig machen, die bislang keine Steuern gezahlt hatten», sagt Mettier. So habe sich der einmalige Mehrertrag ergeben.

Stadtammann Carlo Parolari hatte Buffs Vorschlag mit den Steuerrabatten in der Fragestunde des Gemeinderats als Anregung entgegengenommen. «Wir werden das prüfen», lautete die Antwort an die Tierärztin. Aufgrund der finanziellen Situation im Hundewesen sieht Mettier wenig Spielraum für das an sich begrüssenswerte Anliegen.

Gegen den Leinenzwang überall

Eveline Buff stört sich auch am Leinenzwang in verschiedenen Frauenfelder Waldgebieten. Nach kantonalem Hundegesetz müssen Hunde in Park-, Schul-, Spiel- und Sportanlagen an der Leine geführt werden. Dies gilt auch für den Murg-Auen-Park. Auf der Grossen Allmend aber brauchen Hunde ausserhalb des Naturschutzgebietes keine Leine. 2006 führte der Stadtrat zusätzlich auch im Burgerholz, Rüegerholz, Pfaffenholz und im Wäldchen nördlich der Wannenfeldstrasse ein Anlein-Gebot ein.

Beissmeldungen hätten in Frauenfeld in den vergangenen fünf Jahren leicht abgenommen, hatte Parolari in der Fragestunde erklärt. Zugleich seien in jüngster Vergangenheit Meldungen Privater eingegangen, die eine Ausweitung des Leinenzwangs forderten. Da man weder eine signifikante Verbesserung noch eine Verschlechterung feststelle, sehe der Stadtrat «keinen Grund, weshalb die Anlein-Gebote in diesen vier Gebieten gelockert werden sollen», stellt Parolari fest. Buff bedauert, dass alle Hundehalter eingeschränkt würden wegen nur weniger fehlbarer Hündeler. «Ich plädiere für gegenseitige Toleranz und gegen allgemeine Verbote», sagt Buff. Und bei neuen Regelungen bezüglich Hundehaltung sei es jeweils wichtig, Fachleute einzubeziehen.

Ein vorbildliches Frauchen: Labradorhund Dolce (links) und seine Artgenossin Gina sind angeleint. (Archivbild: Nana do Carmo)

Ein vorbildliches Frauchen: Labradorhund Dolce (links) und seine Artgenossin Gina sind angeleint. (Archivbild: Nana do Carmo)