Beinahe kollektives Wohlbefinden

Die Frauenfelder Bevölkerung ist zufrieden mit ihrem Wohnort. Dies geht aus den gestern präsentierten Resultaten der grossangelegten Umfrage des LINK-Instituts hervor. Als grösstes Problem sehen die Befragten die Verkehrssituation.

Mathias Frei
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Idyllisch kleinstädtisch: Freiluft-Kino in der Altstadt. (Bild: Stefan Schaufelberger)

Idyllisch kleinstädtisch: Freiluft-Kino in der Altstadt. (Bild: Stefan Schaufelberger)

FRAUENFELD. Die Werte sind noch einmal gestiegen. Eigentlich müsste der Stadtrat diese Bevölkerungsumfrage, die seit 1990 alle fünf Jahre durchgeführt worden ist, nun einstellen. Denn in einigen Bereichen gib es schlichtweg kein Steigerungspotenzial mehr. So geben zum Beispiel 99 Prozent der 501 Befragten an, dass sie gerne bis sehr gern in Frauenfeld leben. «Solche Werte zu halten, ist eine Herausforderung», sagt Stadtentwickler Heinz Egli an der gestrigen Pressekonferenz hoch oben im Turmzimmer des Rathauses. Und Stadtpräsident Anders Stokholm hält fest, dass diese Ergebnisse «durchaus als Liebeserklärung an Frauenfeld» interpretiert werden können. Der Stadtrat werte dies als sehr erfreulich.

Der Kleinstadt-Charme bringt's

Die Zufriedenheit mit Frauenfeld als Wohnort ist seit 1990 kontinuierlich gestiegen. Von 82 Prozent, die gerne in der Stadt leben, auf die besagten 99 Prozent in der 2015er-Umfrage des unabhängigen LINK-Instituts, das seinen Hauptsitz in Luzern hat. Die zwei wichtigsten Gründe dafür sind der Kleinstadt-Charakter und die Lage Frauenfelds. Einerseits spiele die Überschaubarkeit und Kleinräumigkeit eine Rolle, sagt Stokholm. Andererseits sieht er unter dem Stichwort Lage die Einbettung in einer grünen Landschaft mit städtischen Naherholungsgebieten sowie die Verkehrslage Frauenfelds als wichtige Faktoren.

Das grösste Problem der Stadt, nämlich der Verkehr, bleibt ein Klassiker, ist aber weniger problematisch als vor fünf Jahren. So jedenfalls sehen es die Befragten. Drei von fünf Frauenfeldern ist der Verkehr das grösste Problem. Jeder Zehnte bemängelt die Einkaufsmöglichkeiten. Ebenso viele sehen in Frauenfeld gar keine Probleme. Interessant ist beim Verkehr, dass er im Vergleich mit anderen Themen zwar am stärksten problematisiert wird. Aber in absoluten Zahlen sind nur sieben Prozent der Befragten nicht zufrieden mit der Begegnungszone. Bei der Infrastruktur für den Motorisierten Individualverkehr sind es sechs Prozent, bei der Velo-Infrastruktur hat es fünf Prozent Unzufriedene. Bei der Fussgänger-Infrastruktur und beim ÖV sind zwei respektive ein Prozent der Befragten unzufrieden. Das Verkehrsproblem betreffe offenbar selten einen persönlich, interpretiert der Stadtpräsident.

Bedrohliche Leute am Bahnhof

Das subjektive Sicherheitsgefühl hat sich nicht verändert. Nachts allein daheim fühlen sich 95 Prozent der Befragten sicher. Bei «nachts allein draussen» sind es 82 Prozent. Drei von vier Frauenfeldern fühlen sich von niemandem bedroht. Als bedrohlichste Gruppe gelten «Personen am Bahnhof».

Im Allgemeinen ziemlich zufrieden sind die Frauenfelder mit den Freizeitangeboten. Wobei in der Gastronomie und im Kulturangebot offenbar weiterhin Nachholbedarf besteht – im Gegensatz zu den sehr zufriedenstellenden Sportanlagen und Naherholungsgebieten.

Während bei der Sauberkeit, den Entsorgungsmöglichkeiten und der ärztlichen und Spitalversorgung grosse Zufriedenheit herrscht, ist mit der Preislage bei den Wohnungen nur jeder Fünfte zufrieden. «Wir wissen, dass hier Handlungsbedarf besteht», sagt Stokholm. So wird zum Beispiel per 1. Juli ein Reglement über die Förderung von preisgünstigem Wohnraum in Kraft treten. Potenzial noch oben gibt es nach Meinung der Befragten auch bei Jugendangeboten. 60 Prozent sind der Meinung, dass die Stadt genug für Jugendliche macht. Dafür gilt Frauenfeld als im höchsten Grad familienfreundlich. Ein ähnliches Bild bei den Senioren: Jeder Zweite denkt, dass es der älteren Generation in Frauenfeld an nichts fehlt.

Von Jugendarbeit bis Stadtbus

An Beispielen führt Egli aus, in welchen Bereichen die Stadt einen Beitrag leisten konnte an die Umfrageresultate oder dies in Zukunft tun wird. Dazu gehört etwa das Mobilitätskonzept 2030, das Einberufen von Round-Tables betreffend Bahnhof-Sicherheit, aber auch Freizeitprojekte mit der Regio, der Stadtbus-Ausbau, die Neuausrichtung der Jugendarbeit, das Unicef-Label der familienfreundlichen Stadt oder das Projekt «Älter werden im Quartier».

Die Umfrageresultate im Detail: frauenfeld.ch/LINK-Umfrage_2015

Ein Plus: Das Naherholungsgebiet Murg-Auen-Park. (Bild: Reto Martin)

Ein Plus: Das Naherholungsgebiet Murg-Auen-Park. (Bild: Reto Martin)

Stau an der Promenade: Frauenfelder sehen den Verkehr als Problem. (Bild: Nana do Carmo)

Stau an der Promenade: Frauenfelder sehen den Verkehr als Problem. (Bild: Nana do Carmo)

Heinz Egli Stadtentwickler Frauenfeld (Bild: Reto Martin)

Heinz Egli Stadtentwickler Frauenfeld (Bild: Reto Martin)

Anders Stokholm Stadtpräsident Frauenfeld (Bild: Mareycke Frehner)

Anders Stokholm Stadtpräsident Frauenfeld (Bild: Mareycke Frehner)