«Bei uns gibt es keine Korruption»

Der Thurgauer alt Regierungsrat Bernhard Koch (66) ist neuer Präsident der Sport-Toto-Gesellschaft. Diese unterstützt mit ihrem Anteil aus den Gewinnen der Landeslotterie den Spitzensport. In den Schweizer Sportverbänden gebe es keine Eskapaden wie bei der Fifa, sagt Koch.

Christof Widmer
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«Als ehemaliger Regierungsrat wollte ich mich nicht im Kanton exponieren.» Daher kam Bernhard Koch das Sport-Toto-Präsidium gelegen. (Bild: Reto Martin)

«Als ehemaliger Regierungsrat wollte ich mich nicht im Kanton exponieren.» Daher kam Bernhard Koch das Sport-Toto-Präsidium gelegen. (Bild: Reto Martin)

Bernhard Koch, spielen Sie Lotto oder Toto?

Bernhard Koch: Ja, regelmässig. Meine Frau und ich spielen «Euro Millions». Wir nehmen immer dieselben Zahlen.

Was sind denn Ihre Glückszahlen?

Koch: Das sind die Geburtsdaten von uns und unseren Kindern.

Somit sind Sie sehr glaubwürdig als neuer Präsident der Sport-Toto-Gesellschaft, die einen Teil der Lotteriegewinne verteilt.

Koch: Das kann man so sagen. Meine persönlichen Gewinne waren noch nicht sehr gross. Ich trage also etwas zu den Lotteriegewinnen bei.

Ein Jahr nach Ihrer Pensionierung als Regierungsrat haben Sie das Sport-Toto-Präsidium übernommen. Ist Ihnen langweilig geworden?

Koch: Dieses Jahr hat mir und meiner Frau gut getan. Vorher war ich ja oft abwesend. Wir haben uns wieder aneinander gewöhnen können. Wir haben im Haushalt eine klare Aufteilung der Aufgaben gemacht.

Was sind Ihre Aufgaben?

Koch: Zur Aufgabenteilung gehört eigentlich alles, ausser Wäschewaschen und Glätten. Das kann ich noch nicht.

Haben Sie noch für andere Mandate Anfragen bekommen?

Koch: Ja. Vor allem aus dem Thurgau. Als ehemaliger Regierungsrat wollte ich mich aber nicht im Kanton exponieren. Die Anfrage für das Sport-Toto-Präsidium war eine schöne Fügung. Ich war dort schon als Regierungsrat im Vorstand. Zudem bin ich auch im Verwaltungsrat der Deutschschweizer Lotteriegesellschaft Swisslos und im Exekutivrat von Swissolympic. Alles zusammen ergibt ein Pensum von einem Tag pro Woche.

Die Sport-Toto-Gesellschaft bekommt ihr Geld nach einem definierten Schlüssel von den beiden Lotteriegesellschaften Swisslos und Loterie Romande. Zudem hat sie vier fixe Empfänger mit festgelegten Anteilen. Das könnte man eigentlich auch mit einem Dauerauftrag auf der Bank erledigen. Wozu braucht es Sie da überhaupt?

Koch: Die Sport-Toto-Gesellschaft verteilt ja nicht nur Geld. Unsere Hauptaufgabe ist es, zu schauen, dass der Sport genügend Mittel erhält. Dafür müssen wir in Verbindung zur nationalen Politik stehen, aber auch zu den Kantonen. Demnächst haben wir einen grossen Event, zu dem wir alle eidgenössischen Parlamentarier einladen.

Sie müssen die Politik empfänglich für die Sportförderung machen.

Koch: Genau. Wir haben gerade eine sehr spannende Phase. Das neue Geldspielgesetz kommt ins Parlament. Hier haben wir Hintergrundarbeit geleistet.

Erhoffen Sie sich vom neuen Gesetz mehr Einnahmen?

Koch: Wir hoffen, dass neue Wetten installiert werden können. Heute graben die illegalen Wetten den Lotteriegesellschaften viel Geld ab. Zum Beispiel mit verbotenen Wetten im Internet während eines laufenden Spiels. Das dürfen Swisslos und Lotterie Romande heute nicht machen.

Braucht die Sport-Toto-Gesellschaft mehr Geld? Die Lotteriegewinne nehmen doch ständig zu. Mittlerweile kann sie jährlich 36 Millionen Franken verteilen.

Koch: Wir haben ein Gesuch von Swissolympic auf dem Tisch. Die Organisation hat eine Studie gemacht, die die Spitzensportförderung international vergleicht. Das Ergebnis ist, dass der Schweizer Spitzensport mehr Geld braucht, um international mithalten zu können. Darum beantragt die Organisation 15 Millionen Franken mehr für den Sport aus der Landeslotterie.

Was soll mit dem Geld geschehen?

Koch: Einerseits könnten mehr Trainer zu besseren Konditionen angestellt werden. Andererseits könnten mehr Sportler unterstützt werden. Man muss sich bewusst sein: Nur 16 Prozent der Schweizer Spitzensportler verdienen mehr als 70 000 Franken und 40 Prozent verdienen weniger als 14 000 Franken im Jahr.

Sollen die zusätzlichen 15 Millionen Franken aus neuen Lotterie-Spielen und -Wetten kommen?

Koch: Die Sport-Toto-Gesellschaft beantragt einen höheren Anteil aus den Lotteriegeldern. Die Loterie Romande hat bereits entschieden, 4 Millionen Franken beizusteuern. Swisslos wird im November entscheiden, ob sie 11 Millionen Franken zur Verfügung stellt.

Das ginge aber zulasten der kantonalen Lotteriefonds.

Koch: Für den Thurgau wären dies zwischen 200 000 und 300 000 Franken weniger im Jahr – bei Einnahmen von 12 Millionen Franken.

Was auffällt, ist die enge Verzahnung von Gebern und Empfängern. Swissolympic ist der grösste Empfänger von Sport-Toto-Geldern. Ist es nicht heikel, wenn Sie in beiden Organisationen sitzen?

Koch: Im Gegenteil. Die Sport-Toto-Gesellschaft hat sich gegenüber den beiden Lotteriegesellschaften verpflichtet, zu überwachen, was mit den Geldern passiert. Darum ist es gut, wenn jemand aus der Sport-Toto-Gesellschaft bei Swissolympic Einsitz hat.

Mit der Fifa versinkt ein internationaler Sportverband in einem Korruptionsskandal. Wie beurteilen Sie die Korruptionsgefahr bei Schweizer Sportverbänden?

Koch: Ich bin überzeugt, dass es bei uns keine Korruption gibt. Ich habe Einblick in die vier Institutionen, denen wir Geld geben: Swissolympic, Fussballverband, Eishockeyverband und Sporthilfe. Auf Grund der Controlling-Gespräche stelle ich fest, dass alles sauber läuft. Die gegenseitige Überwachung verhindert Eskapaden. Ein weiterer Mechanismus gegen Korruption ist die Amtszeitbeschränkung. Zudem erreichen die Summen für Vergaben nie solche Höhen wie bei der Fifa.

Ist es also nicht lukrativ, Schweizer Sportfunktionär zu sein?

Koch: Faktisch sind das entschädigte Ehrenämter. Ein Exekutivrat bei Swissolympic bekommt 6000 Franken im Jahr. Selbst der Präsident kann von seinem Mandat nicht leben. Auch Reisen an die Olympischen Spiele zahlt man selber.

Ihr Vorvorgänger bei der Sport-Toto-Gesellschaft, Jörg Schild, ist jetzt Präsident des Exekutivrats von Swissolympic. Würde Sie dieses Amt auch reizen?

Koch: Für mich wird es beim Präsidium der Sport-Toto-Gesellschaft bleiben.