Bei Anruf SP

Die SP will dieses Jahr gezielt Personen telefonieren, um Wahlwerbung zu machen. Aufgerufen sind Kandidaten, Mitglieder und Aktivisten, um bei der Aktion mitzumachen. Die anderen Regierungsparteien halten davon nichts.

Caspar Hesse
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FRAUENFELD. Wer jemanden kennt, der der SP nahesteht, bei dem könnte dieses Jahr das Telefon klingeln. Die nationale Partei hat beschlossen, als Teil der Wahlwerbung gezielte Telefonanrufe einzusetzen. Auch der Thurgau macht mit, wie der Politische Sekretär der SP Thurgau, Petar Marjanovic, auf Anfrage sagt.

Es wird allerdings nicht à la SVP-Versuch im Kanton Zürich anno 2006 ablaufen, als Angerufene Wahlpropaganda von Ueli Maurer ab Band zu hören bekamen; der heutige Bundesrat war damals Präsident der SVP Schweiz. Vielmehr werde die SP gezielte Anrufe tätigen. Irgendeine Beziehung zwischen Angerufenem und Anrufer würde dabei bestehen. «Es werden Kontakte aktiviert, die Mitglieder mitbringen.» Damit könne auch erreicht werden, Stimmabstinente zur Teilnahme an der Wahl zu motivieren. Der persönliche Kontakt sei wichtig, das gehe nicht ab Band, sagt Petar Marjanovic.

Zu Botschaftern werden

In Thun seien die Telefonmobilisierungen schon erfolgreich umgesetzt worden. Kandidaten, Mitglieder und Aktivisten sind aufgerufen, bei der Wahlkampagne mitzumachen. Wie konkret vorgegangen wird und wie eine allfällige Schulung aussieht, ist noch nicht genau definiert. Die Aktion startet erst im Herbst, da die SP dieses Jahr auf nationale Initiativen verzichtet. Dies werde auch von der SP Thurgau begrüsst. Neben der Telefonaktion kommen aber auch die klassischen Werbemittel wie Flyer und Stände zum Zug.

Im November hatte die SP Thurgau ihre Bildungsveranstaltung unter den Titel «Wie gewinnen wir die Wahlen 2015?» gestellt. Dort wurde auf die positiven Erfahrungen aus der 1:12-Initiative hingewiesen. Tausende von Menschen hätten sich für ein politisches Anliegen begeistern lassen können und seien mit den aufgehängten Fahnen zu Botschaftern der Kampagne geworden, schrieb damals Parteipräsidentin Barbara Kern in der Einladung. Marjanovic schliesst daraus, dass es wichtig sei, Personen einzubinden, die sich engagieren.

Die SP lernt nicht von der SVP

An der Bildungsveranstaltung machte sich die SP auch Gedanken darüber, wie sie Debatten in ihre Richtung lenken könne. Nötig sei ein eigenes Wertesystem mit den dazugehörigen Begriffen. Marjanovic nennt als Beispiel Jean Ziegler, der konsequent nicht vom Bankgeheimnis, sondern vom Steuerbetrugs- oder Steuerhinterziehungsgeheimnis spreche. Nicht Worthülsen seien gefragt, sondern klare Ausdrücke.

Dass die SP hier von der SVP dazulernen könnte, will Marjanovic so nicht stehen lassen. Die SP lerne viel mehr von US-amerikanischen Sprachwissenschaftern wie George Lakoff, die den Wahlkampf und die Wortwahl in den USA analysierten und merkten, wie konservative Kräfte mit geschickt gewählten Worthülsen Politik machten.